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Das Ramesseum ist einer der Totentempel Ramses II., des berühmten Pharaos, der Ägypten nahezu sieben Jahrzehnte beherrschte. Der König aus der 19. Dynastie (Regierungszeit 1279-1213 v.Chr.) ordnete den Bau der Tempelanlage am Westufer Thebens bereits kurz nach Beginn seines Regierungsantritts an, vollendet wurde diese etwa zwei Jahrzehnte später. Der Tempelkomplex hatte leider nicht lange Bestand, bereits ab der 22. Dynastie wurde der Bezirk als Bestattungsort für die thebanische Priesterschaft sowie für hochrangige weibliche Mitglieder der Königsfamilie genutzt. Später wurde extremer Raubbau am Steinmaterial betrieben, dieses wurde fortgeschafft und für andere Bauten, z.B. in Medinet Habu wiederverwendet. Ab dem ersten nachchristlichen Jahrhundert richteten Kopten in den Tempelruinen eine Kirche ein. Trotz des schlechten Erhaltungszustandes faszinierte die Ruine des Ramesseum mit ihren großformatigen Statuen und Säulen sowie den meisterhaft ausgeführten Dekorationen Gelehrte wie Diodor oder Strabon noch über Jahrhunderte hinweg. Champollion nannte den Bau „das schönste und reinste aller großartigen Monumente“.
Der Standort am Westufer des Nils in Theben ist typisch für den Bautypus des Totentempels. Während sich die eigentlichen Gräber wenig entfernt versteckt im Tal der Könige befanden, errichteten die Pharaonen des Neuen Reiches die zugehörigen Tempel für ihren Totenkult (die sogenannten „Häuser der Millionen von Jahren“) am Nilufer von Theben, gegenüber der bedeutenden Tempelanlage von Luxor. Am Standort des heutigen Ramesseums befand sich zuvor ein kleiner Tempel, der unter Sethos I., dem Vater Ramses II., erbaut worden war. Der ursprüngliche Name des Ramesseums lautete: „Haus der Millionen Jahre von User-maat-Re-setep-en-Re, das sich im Reich des Amun mit der Stadt Theben vereinigt“. Der Thronname Ramses II., der „stark ist die Maat des Re, Erwählter des Re“ bedeutet, wird hier aufgeführt, zudem wird eine Verbindung zu Amun, dem Reichsgott hergestellt, dessen Haupttempel in Karnak liegt. Der Geschichtsschreiber Diodor (1.Jh.v.Chr.) nannte den Tempel das „Grab des Ozymandias“, eine griechische Verballhornung des Thronnamens Ramses II. (User-Maat-re). Der Geograph Strabo prägte den Namen „Memnoneion“ (nach dem mythischen Halbgott Memnon) für den thebanischen Totentempel Ramses II. Der moderne Name „Ramesseum“ stammt vom französischen Ägyptologen Champollion, der den Tempel 1829 besuchte und den Namen des Erbauers identifizieren konnte.
Neben dem Haupttempel als Zentrum gehören zum Baukomplex ein Palastbezirk, ein kleiner Nebentempel sowie eine große Anzahl von Lagerhallen und Werkstätten, welche die Tempel dreiseitig umgeben. Insgesamt umfasst das bebaute Areal des Tempels sechs Hektar bei einer Nord-Süd Erstreckung von 220m und einer Ost-West Erstreckung von über 280m. Die Bauelemente des Haupttempels sind von Südosten aus, in der Zentralachse der erste Pylon, der erste Hof, der zweite Pylon, der zweite Hof, die Hypostylhalle sowie im hinteren Bereich drei Vestibüle und das Allerheiligste mit zahlreichen Nebenkammern. Die Achse des großen Tempels ist auf den Tempel von Karnak ausgerichtet und verläuft daher schräg versetzt zur rechtwinkligen Anlage der umgebenden Hallen und Werkstätten. Der gesamte Baukomplex war von einer Lehmziegelmauer umgeben. Die Namen der Architekten des Ramesseums sind überliefert, es handelt sich um Penre und Amenemone. Der Tempel wurde größtenteils aus Sandstein errichtet, der südlich von Luxor abgebaut wurde, während die Nebenbauten fast gänzlich aus Lehmziegeln bestanden.
Die vor dem ersten Pylon gelegenen Bauelemente liegen heute unter Farmland verborgen, sind also nicht mehr sichtbar. Ursprünglich war der Tempel über einen Kanal mit dem Nil verbunden, von der Anlegestelle führte eine Straße auf den Tempel zu. Der vordere Pylon des Ramesseums ist der erste seiner Art, der aus Stein errichtet wurde, trotzdem ist er an seiner Außenseite nur noch sehr schlecht erhalten, Nilfluten haben ihm über die Jahrhunderte zugesetzt. Ehemals besaß der Pylon Ausmaße von 69m Breite und 22m Höhe, das zentrale Eingangstor wurde mutmaßlich beidseitig von den typischen Fahnenmasten flankiert. Die innere westliche Seite des Pylons ist besser erhalten und zeigt Szenen der syrischen Feldzüge, darunter Darstellungen der berühmten Schlacht von Kadesch, die Ramses in seinem 5. Regierungsjahr gegen die Hethiter bestritt.
Auf dem Nordturm des ersten Pylons werden unter anderem syrische Festungen dargestellt, die im Verlauf der Kriege erobert wurden. Hinzu kommen Darstellungen des marschierenden ägyptischen Heeres sowie des Heerlagers, eines Kriegsrates des Königs mit seinen Generälen und eine Szene mit Gefangenen. Der Südturm zeigt vor allem Szenen der Kadesch-Schlacht: Ramses führt ein Heer von Streitwagen an, er schießt Pfeile auf seine Feinde, die fliehen und dabei zuhauf im nahegelegenen Fluss Orontes ertrinken. Rechts der Schlachtdarstellung wird Ramses II. beim Erschlagen seiner Feinde, welche er beim Schopfe hält, dargestellt. Die erhaltenen Reliefs des Eingangsportals des Pylons zeigen den Pharao opfernd vor den Göttern sowie bei der Tempelgründung.
Vom vorderen Hof des Ramesseums hat sich nur wenig erhalten. Dieser Bezirk maß einst etwa 53x43m und wurde an seiner Nord- und Südseite von Portiken flankiert. Die nördliche wurde in Form von elf Osirispfeilern ausgeführt, die südliche als zweireihige Säulenportikus. Hinter dieser befand sich der Palast des Königs. Der Lehmziegelbau war rechtwinklig zur Hauptachse des Tempels angelegt mit einem 16-säuligen Vorhof, einem Thronhof und zahlreichen Nebenräumen. Hinter der eigentlichen Palastanlage befanden sich Wohneinheiten. Der Palast wurde vom Herrscher schon zu Lebzeiten aufgesucht, so verfügte er über ein Erscheinungsfenster, wo sich der Herrscher dem Volk zeigte, hauptsächlich dienten Anlagen dieser Art aber dem jenseitigen Leben des Pharao.
An der Westseite des ersten Hofes befand sich einst eine riesige Sitzstatue Ramses II., deren Torso sich heute, umgestürzt und zerbrochen, noch in situ befindet. Der Koloss trägt den Namen „Ramses, die Sonne der fremden Herrscher“ und ist aus Cyanit-Kalkstein aus dem 400km entfernten Assuan gefertigt. Ursprünglich war sie zwischen 16m bis 20m hoch (ein Ohr allein misst 1m in der Länge) und mindestens 1.000t schwer. Diese Ausmaße machen sie zu einer der größten Statuen Ägyptens überhaupt. Ihre Fertigung, der Transport und die Aufstellung zeugen von der großen Fertigkeit der ramessidischen Baumeister. Die Kartuschen mit dem Königsnamen befinden sich an den Oberarmen der Statue. Die Kolossalstatue inspirierte Mary Shelley, die berühmte britische Autorin, 1817 zu ihrem Gedicht „Ozymandias“. Der Standort der monumentalen Skulptur seitlich der Rampe zum zweiten Hof lässt Ägyptologen vermuten, dass eine zweite Statue parallel dazu als Gegenstück auf der anderen Seite der Rampe errichtet werden sollte, dazu kam es aber nie. Eine 9m hohe Statue Tujas, der Mutter Ramses II., stand benachbart der Kolossalstatue.
Der zweite Hof liegt höher als der Vordere und war von diesem aus über eine Rampe zugänglich. Seine Eingangsfassade bildete der heute nur noch spärlich erhaltene zweite Pylon, dessen Ausmaße bedeutend geringer als die des vorgelagerten Pylons waren. Der zweite Hof umfasste ein Areal von etwa 54x43m und war dreiseitig von zweireihigen Säulenportiken umstanden. An der Vorder- und Rückseite des Hofes standen großformatige Osirispfeiler; insgesamt acht dieser Pfeiler (größtenteils kopflos), sowie wenige Säulenschäfte und Teile der Ostwand sind noch erhalten. Die Reliefs der Wand zeigen erneut die Schlacht von Kadesch, neben der obligatorischen Darstellung des Herrschers im Streitwagen, der die Feinde niederstreckt, ist hier auch die zinnenbewehrte Festung Kadesch an sich dargestellt. Eine weitere Szenerie der Ostwand zeigt Festlichkeiten für den Furchtbarkeitsgott Min, die im Rahmen der Thronbesteigung Ramses II. abgehalten wurden. Eine Prozession, die Bildnisse der Vorgänger des Pharaos mit sich führt, schreitet auf den künftigen Herrscher zu, zudem werden Brieftauben in alle Himmelsrichtungen entsandt, um den Nachbarländern den Herrschaftsantritt kundzutun.
Der hintere westliche Bereich des Hofes war erhöht als Terrasse gestaltet und über drei Rampen zugänglich. Beidseitig des zentralen Aufgangs befanden sich zwei Sitzstatuen Ramses II. Von der einen steht heute noch der größte Teil des Körpers, der Kopf wurde 1816 von Belzoni unter großem Aufwand in das British Museum in London gebracht, er ist dort unter dem Namen „Jüngerer Memnon“ ausgestellt. Von der zweiten Granitstatue ist nur noch der Kopf mit Doppelkrone erhalten. Ein schmaler Bereich hinter den Osirispfeier bildete einst die Vorhalle zum dahinter liegenden Hypostyl. Reste der Rückwand der Vorhalle stehen noch, auf Ihnen sind in drei übereinander angeordneten Registern Szenen mit Ramses II. abgebildet: Im unteren Register elf Söhne des Herrschers, darüber der König selbst, der von Atum und Mont in den Tempel geleitet wird sowie vor der thebanischen Triade kniend. Das obere Register zeigt Ramses II., der Ptah, Min und einer weiteren Göttin Opfer darbringt.
Die große Säulenhalle des Ramesseums wurde von 48 Säulen mit Papyruskapitellen gebildet, die in sechs Reihen angeordnet waren. Ein Großteil der Halle, mit ihren Säulen und der Überdachung, ist vor allem im Bereich um das Mittelschiff erhalten geblieben. Das Mittelschiff mit dem zentralen Gang wird von zwölf 10m hohen Säulen flankiert, ihre Papyruskapitelle sind zur Blüte geöffnet. Die Kapitelle der Seitenschiffe werden von niedrigeren Säulen getragen, deren Kapitelle die geschlossene Knospe der Papyruspflanze ziert. Die Säulenschäfte sind mit Ritual- und Opferszenen dekoriert. Durch Lichtschächte an der Decke wurde die Halle schummrig erhellt, das Baukonzept sollte die Papyrussümpfe der Schöpfung nachbilden.
Auf der Ostwand der Halle, links neben dem Eingang, findet sich die Darstellung einer Schlacht um die hethitische Festung Dapur im 8. Herrschaftsjahr Ramses II. Der Herrscher im Streitwagen treibt seine Feinde vor sich her, während die ägyptischen Truppen unter Schildwällen anrücken und die Festung mit Leitern erklimmen. Die an der Schlacht beteiligten Söhne des Pharaos sind mit Namen gekennzeichnet. Über der Schlachtszene ist der König beim Opfer dargestellt. Die Reliefs der westlichen Wand zeigen unter anderem die Söhne Ramses II., dazu den Herrscher vor mehreren Göttern wie Amun, Chons und Mut.
In der Hauptachse des Tempels folgten auf die große Hypostylhalle zwei weitere Hypostyle mit je acht Säulen. Daran schloss sich wiederum der Bereich mit dem Allerheiligsten an.
Die erste der kleineren Hypostylhallen ist annähernd komplett erhalten, sie wird aufgrund ihrer Reliefs auch „Halle der Boote“ oder „Astronomische Halle“ genannt. Insgesamt acht Boote bzw. Götterbarken sind dort abgebildet, darunter Schiffe für Chons und Mut aber auch die royalen Barken für Ramses II. und seine Frau Nefertari. Eine andere Darstellung zeigt Ramses II. sitzend unter dem heiligen Baum von Heliopolis, auf dessen Blätter die Gottheiten Atum, Sechet und Thot den Namen und die Regierungsjahre des Königs eintragen, ein mythischer Vorgang, der den ewigen Fortbestand der Herrschaft sichern sollte. Die Decke der Halle zeigt astronomische Darstellungen und wurde als Festkalender genutzt. Neben Darstellungen von Sternen und Planeten ist ein Mondkalender abgebildet, auch Sothis und Orion, die Sterne, deren Erscheinung traditionell den Jahresbeginn markierte, sind dargestellt.
Von der unmittelbar angeschlossenen zweiten Hypostylhalle stehen noch die meisten Wände (mit Ausnahme der Rückwand) sowie vier Säulen. Die Halle diente vor allem kultischen Zwecken, dort wurden ursprünglich Trank- und Rauchopfer für Ptah und Re-Harachte dargebracht. Eine Auflistung zahlreicher Opfergaben findet sich auf der östlichen Wand.
Der komplette hintere Bereich des Totentempels ist nur noch in Form von Fundamentresten erhalten. Auf die Halle der Litaneien folgte ein achtsäuliges Vestibül, das dem eigentlichen Sanktuar, einem kleinen Raum mit vier Säulen, in dem die Kultbarke Ramses II. stand, vorgelagert war. Um das Sanktuar waren zahlreiche Räume und Kapellen (unter anderem für die thebanische Triade) angeordnet, deren Funktion aufgrund des Erhaltungszustandes jedoch nicht mehr eindeutig zu bestimmen ist.
An der Nordostseite des großen Hypostyls lag ein weiterer Tempel, welcher der Mutter des Ramses Tuja und seiner Frau Nefertari geweiht war, er geht auf einen Vorgängerbau Sethos I. zurück. Der Nebentempel ist beinahe zur Gänze zerstört. Anhand der Fundamentreste lässt sich aber rekonstruieren, dass der Doppeltempel über zwei Hauptachsen verfügte. Er war dementsprechend über zwei Rampen zugänglich. Auf ein schmales Vestibül folgte ein säulenumstandener Innenhof, von dem zwei Kultkammern mit je vier Säulen abgingen, hinter diesen lagen drei weitere Kammern.
Der Totentempel Ramses II. war dreiseitig von zahlreichen, großen Lehmbauten umgeben, die zur Verwaltung und Versorgung des Tempels dienten. Da in diesem Bezirk kaum Kalkstein zum Bau verwendet wurde, fiel er Steinräubern nicht zum Opfer und ist daher in seinen Fundamenten und teils noch aufgemauert (so z.B. einige Tonnengewölbe der Lagerräume) weitestgehend erhalten. Die Gebäude umfassten Vorratsbereiche, wo Korn, Wein, Öl und Räucherwerk gelagert wurden, ebenso wie Werkstätten, beispielsweise Bäckereien, Fleischereien oder Webereien. Darüber hinaus gab es eine Priesterschule, Stallungen und ein Schatzhaus. Auch ein großformatiger, langgezogener Säulensaal, dessen Funktion unklar ist, befand sich in diesem Bezirk. Der Bereich um den Totentempel Ramses II. diente als Verwaltungssitz und versorgte den Tempel mit den für die täglichen Rituale benötigten Dingen; auch wenn die alljährlichen Feste anstanden, konnten die benötigten Lebensmittel und Getränke dort hergestellt werden.
Das Sonett „Ozymandias“ wurde von der britischen Autorin MaryShelley (berühmt unter anderem für ihren Roman „Frankenstein“) 1817 geschrieben und im Folgejahr publiziert. Es ist inspiriert von der Kolossalstatue Ramses, bzw. deren Haupt, das seit 1816 im British Museum ausgestellt wurde. Der Statuenkopf stammt aus dem Ramesseum, ehemals bekannt unter der griechischen Bezeichnung „Grab des Ozymandias“. Die im Sonett beschriebene Sockelinschrift ist reine Fiktion. „Ozymandias“ handelt von der Vergänglichkeit irdischer Macht.
I met a traveller from an antique land
Who said: — Two vast and trunkless legs of stone
Stand in the desert... Near them, on the sand,
Half sunk, a shattered visage lies, whose frown,
And wrinkled lip, and sneer of cold command,
Tell that its sculptor well those passions read
Which yet survive, stamped on these lifeless things,
The hand that mocked them, and the heart that fed
And on the pedestal these words appear
‚My name is Ozymandias, king of kings
Look on my works, ye Mighty, and despair!‘
Nothing beside remains. Round the decay
Of that colossal wreck, boundless and bare
The lone and level sands stretch far away.
Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: „Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.
Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.
Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!‘
Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich, die den Koloß begräbt.“