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Giovanni Battista Belzoni entdeckte im Oktober 1817 das Grab Ramses I. (KV16) in einem Seitental des östlichen Bereichs des Tals der Könige. Die letzte Ruhestätte des Begründers der 19. Dynastie weist lediglich bescheidene Ausmaße auf. Auffällig ist das Fehlen eines Schachtraumes und von pfeilergestützten Hallen. Zudem wurden Architekturelemente der zweiten Treppe nicht vollständig fertiggestellt und die Grabkammer ist im Verhältnis zum Sarkophag viel zu klein und niedrig gestaltet. Die Dekoration des Grabes ist lediglich in Form von Malerei statt Relief ausgeführt und beschränkt sich auf den Bereich der Grabkammer. All diese Befunde deuten darauf hin, dass KV16 nicht wie geplant als königliche Begräbnisstätte mit allen üblichen Elementen ausgeführt werden konnte. Als Grund dafür wird in der Forschung die sehr kurze Regierungszeit Ramses I. von gerade einmal 16-17 Monaten angeführt. Es ist möglich, dass der Herrscher während des Baus seiner Grabanlage verstarb und die Arbeiten hastig zu Ende geführt werden mussten. Einer anderen Theorie zufolge sei die Grabanlage des Pharao von Beginn an in kleinerem Maßstab geplant gewesen, da dieser den Thron erst in hohem Alter bestieg, also ohnehin mit einer vergleichsweise kurzen Regentschaft gerechnet werden musste.
Paramessu (so der bürgerliche Name Ramses I. vor seiner Inthronisierung) war nicht mit seinem Vorgänger Haremhab verwandt; wie dieser entstammt er einer noblen Familie und hatte sich über militärische Ämter an die Spitze Ägyptens gedient. Vermutlich liegen die Wurzeln der Familie im Nildelta, bereits sein Vater und Onkel hatten militärische Ämter inne. Paramessu selbst arbeitete sich vom einfachen Offizier hoch zum Festungskommandant und zum General der Streitwagentruppen. Er war auch als Abgesandter Haremhabs tätig und hatte letztlich das höchste Amt nach dem Pharao, das des Wesirs, inne.
Ramses I. war der erste Pharao der 19. Dynastie und ist somit der Epoche des Neuen Reiches zuzuordnen. Er regierte zu Beginn des 13.Jh.v.Chr. (die Forschung gibt unterschiedliche Jahre zwischen 1295-1290 v.Chr. an) lediglich etwa 16-17 Monate, da er erst im Greisenalter Haremhab auf den Thron folgte. Der Eigenname Ramses (Ra-msi-sw) bedeutet „Re ist es, der ihn geboren hat“. Auch der Thronname Ramses I. bezieht sich auf den altägyptischen Sonnengott und lautet Men-pehti-Re „Dauerhaft/bleibend ist die Stärke Res“. Wie es der Sitte entsprach, ließ Ramses I. den Karnak-Tempel erweitern, Bautätigkeiten sind dort für die große Säulenhalle und den 2. Pylon belegt. Einige Zeugnisse zu Ramses I. stammen erst posthum aus der Regierungszeit seines Sohnes Sethos I., der zum Andenken an seinen Vater Kapellen weihen und Statuen fertigen ließ. Ramses I. begründete das Geschlecht der Ramessiden, unter denen Ägypten eine kulturelle Blütezeit erlebte. Sein Enkelsohn Ramses II. ist einer der bekanntesten und bedeutendsten Pharaonen überhaupt.
Das Grab Ramses I. hat einen schlicht geradlinigen Aufbau mit einer Süd-Ost orientierten Achse. Über einen Zugangsbereich mit Treppen und kurzem geradem Gang mit einer Gesamtlänge von 17,4m gelangt man in einen Korridor von ca. 2,60m in der Höhe und Breite bei 9,3m Länge. Im unteren Bereich dieses Ganges sind zwei rechteckige Vertiefungen in den Wänden erhalten, die ehemals dazu dienten einen Balken zu befestigen, mit dessen Hilfe der schwere Sarkophag in die Grabkammer herabgelassen werden konnte. Eine Treppe von 7,7m Länge führt weiter in die Grabkammer. Dreieckige Nischen befinden sich typischer Weise zu den Seiten am Treppenbeginn, diese wurden in der Grabanlage Ramses I. begonnen, blieben jedoch unvollendet. Die Begräbniskammer ist mit Ausmaßen von 6,3m in der Breite, 5,2m in der Länge und lediglich 3,2m Höhe sowie einer Quadratmeteranzahl von 32,2 ungewöhnlich klein für ein Königsgrab. An den Schmalseiten geht je eine Seitenkammer ab, an der Rückwand befindet sich zudem eine größere Nische. An den Schmalseiten der Kammer befinden sich im oberen Bereich Vertiefungen für die typischen magischen Ziegel.
Wandmalereien befinden sich rundum an der Grabkammer sowie an der Rückwand von Nische Jb (Benennung nach theban mapping project). Die Decken sind nicht mit dem sonst üblichen Sternendekor verziert; zudem ist die Dekoration ausschließlich in Form von Malereien ausgeführt, obwohl die Technik des bemalten Reliefs bereits bekannt war. Farbigkeit und Stil der Grabdekoration erinnern stark an das Bildprogramm Haremhabs, des Vorgängers Ramses I. In beiden Grabanlagen sind die Dekorationen auf rauchblauem Hintergrund aufgebracht und ein Großteil der abgebildeten Szenen ist dem Pfortenbuch entnommen. Den oberen Teil der Grabkammerwände ziert ein Chekerfries, darunter verläuft vertikal ein bunt gemustertes schmales Band. Auf dieses folgt in Dunkelblau die Hieroglyphe für „Himmel“ pt, die sich jeweils über eine gesamte Wandlänge zieht. Den unteren Abschluss der Bildfelder bilden ein gelber und roter horizontaler Streifen, die jeweils schwarz eingefasst sind, darunter befindet sich eine breite schwarze Farbfläche.
Die Wandbereiche neben der Eingangstür sind mit Szenen bemalt, die Ramses I. mit Gottheiten zeigen. Texte aus farbig aufwändig gestalteten Hieroglyphenzeichen erläutern die Szenen der Nordostwand. Bis auf wenige Bereiche, wo die Farbe aufgrund natürlicher Prozesse abgeblättert ist, sind die Darstellungen gut erhalten, was für die gesamte Grabkammer gilt.
Davorstehend links von der Tür ist der Herrscher vor Nefertem abgebildet, dem er Wein opfert. Der Gott ist mit seinem typischen Attribut, der geöffneten Lotusblüte, auf dem Haupt abgebildet, er hält ein Was-Szepter und das Lebenssymbol Anch in den Händen. Der König trägt einen reich verzierten, weiß-gelben Schurz und ein blau-gelbes Nemes-Kopftuch (welches er auf allen Darstellungen in seinem Grab trägt). Hinter Nefertem ist ein fast mannshoher, blau-roter Isis-Knoten abgebildet. Zur Tür gewandt, vervollständigt Maat, die Göttin der Wahrheit und der Weltordnung, das Bild. Sie ist in ein langes, weißes Kleid gewandt und mit ihrem Erkennungszeichen, der Feder, geschmückt.
Auf der anderen Seite der Tür ist, parallel zur Szene links, erneut Maat dem Eingang zugewandt dargestellt. Es folgt die Abbildung des Pharao vor Ptah, dem Schöpfergott von Memphis. Dieser ist in sein typisches mumienförmiges Gewand gehüllt, zudem trägt er einen breiten Schmuckkragen. Die Gesichtsfarbe des Gottes ist grün, was auf seine regenerative Kraft hinweist. Ptah trägt die für ihn charakteristische blaue Kappe und hält ein Djed-Was-Szepter in den Händen. Hinter ihm ist ein großer Djed-Pfeiler dargestellt, der das Gegenstück zum Isis-Knoten auf der anderen Wandseite bildet. Ramses I. ist mit einem gelben, plissierten Schurz und Nemes-Kopftuch dargestellt.
Die Rückwand der Grabkammer ist mit großen figürlichen Darstellungen bemalt, die den Pharao sowie diverse Gottheiten wiedergeben. Die Wandbemalung teilt sich in vier Bereiche auf: Die Figuren über und in der Nische Jb, den Pharao vor Chepri und in eine Szenerie, die den Herrscher im Geleit mehrerer Götter vor Osiris zeigt.
Über der Nische sind drei hockende Personen dargestellt. Die Pose ist bei allen identisch, der linke Arm ist angewinkelt, die Faust auf den Brustkorb gelegt, während die rechte Hand, zur Faust geschlossen, leicht angewinkelt in die Höhe gereckt ist. Es handelt sich um einen Jubelgestus, der von Ramses I. zwischen zwei göttlichen Gestalten ausgeführt wird, deren Identitäten die Beischriften nennen: Links hockt die falkenköpfige „Seele von Nekhen“, rechts die schakalköpfige „Seele von Pe“. In der Nische selbst ist an der Rückwand auf rauchblauem Grund der Totengott Osris in einem gerundeten Schrein dargestellt, auf einer Schlange stehend. Er wird schützend von einer Gottheit mit Widderkopf (links) und einer Uräus-Schlange (rechts) umstellt. Diese Szene ist der vierten Stunde des Pfortenbuchs entnommen. Die restliche Nische ist ohne Bemalung belassen worden.
Die restliche Rückwand der Kammer wird von zwei Szenen dominiert, die den Pharao vor zwei thronenden Göttern zeigen. Links ist Ramses I. mit reich verziertem Schurz und Nemes-Kopftuch dargestellt. Er tritt mit Sechem-Szepter in der einen und einem Salbgefäß in der anderen Hand vor Chepri, dem er vier Kästen mit Gewändern opfert. Der Gott wendet sich nach links, er thront auf einem großen blauen Maat-Zeichen, dass mit grünen Matten ausgelegt ist. Darauf befindet sich der mehrfarbig gestaltete Thron, auf dem der menschengestaltige Gott mit schwarzem Käfergesicht sitzt; er hält Was-Szepter und Anch in den Händen. Chepri ist die Personifikation der Morgensonne und Verkörperung dieses Aspektes des Sonnengottes Re. Er steht für die Regeneration und alltägliche Erneuerung, die den Pharao im Jenseits erwartet.
Spiegelbildlich gestaltet, nach rechts gewendet, sitzt Osiris auf einem parallel gestalteten Thron. Er ist, der traditionellen Darstellungskonvention folgend, in ein Mumiengewand gehüllt, mit Atef-Krone bekrönt und hält Krummstab und Geißel. Vor ihm steht die kleine Gestalt eines Iunmutef-Priesters, der mit einem Pantherfell bekleidet ist. Auf den Thron schreiten vier Figuren zu, die sich an den Händen halten. Es handelt sich um Horus, Ramses I., Atum und Neith. Der falkenköpfige Horus führt das Quartett an, er trägt die Doppelkrone auf dem Haupt und ein Was-Szepter in der rechten Hand, während er mit der linken Hand die rechte Hand des Königs umschließt. Letzterer trägt einen weißen, plissierten Schurz, das Nemes-Kopftuch, einen Schmuckkragen und Armreifen. Auf den Pharao folgt der menschengestaltige Schöpfergott Atum, der durch seine typisch blaue Perücke gekennzeichnet wird. Den Abschluss bildet die Göttin Neith, sie trägt ihr Ideogramm, stilisierte Bögen, auf dem Haupt und hält ein Anch in der linken Hand.
Die gesamte Nordwestwand ist mit der Darstellung der dritten Stunde des Pfortenbuchs bemalt. Dabei handelt es sich um ein mythisch-religiöses Buch, in welchem die Nachtfahrt des Sonnengottes Re durch die Unterwelt beschrieben wird, aufgeteilt auf 12 Stunden. Jede Stunde wurde traditionell mit Szenen dargestellt, die sich auf drei horizontal übereinander angeordnete Register aufteilen. Die Grabkammer Ramses I. ist jedoch so niedrig, dass auf ihren Schmalseiten, welche die Stunden drei und vier des Pfortenbuches wiedergeben, nur die jeweils mittleren und unteren Register dargestellt sind. Im mittleren Register ist die Barke des Re abgebildet, sie wird durch eine Art Stange gezogen, welche beidseitig in Stierköpfen endet. Dieser Vorgang steht symbolisch für die Durchquerung der Unterwelt, die der Sonnengott allnächtlich absolviert. Das untere Register zeigt, durchbrochen vom Durchgang zur Seitenkammer, wie Atum und neun weitere Götter die Apophis-Schlange, den Widersacher Res und Gefährder der Ordnung, in Schach halten.
Die linke Schmalseite der Grabkammer ist mit zwei Szenen dekoriert: Links der Öffnung der Seitenkammer ist Ramses I. zwischen Horus und Anubis dargestellt. Die Götter sind dem Pharao zugewandt, sie legen ihm jeweils eine Hand an die Schulter und umfassen mit der anderen Hand je ein Handgelenk des Königs. Horus trägt die Doppelkrone Ober- und Unterägyptens. Den Rest der Wand nimmt die Darstellung der vierten Stunde des Pfortenbuches ein. Das mittlere Register bildet links den Wächter der Pforte, eine große Schlange ab, es folgt die Darstellung der Barke des Re, welche in Richtung von neun ruhenden Mumien gezogen wird, die der Sonnengott erwecken wird. Das Register darunter zeigt eine gewundene Schlange in einer Grube, umstanden von beidseitig je sechs Göttinnen. Symbolisch ist damit die Zeit repräsentiert, die Schlange gebiert und verschlingt die 12 Nachtstunden (dargestellt durch die Göttinnen) immer wieder aufs Neue.
In der Grabkammer steht noch heute der Granitsarkophag Ramses I., um den herum eine moderne Balkenkonstruktion zur Stabilisierung der Decke errichtet wurde. Der Sarkophag besteht aus rotem Granit, er hat Ausmaße von 2,8m Länge, 1,2m Breite und 1,9m Höhe. Der Deckel ist aufgewölbt und weist Beschädigungen auf, die von seiner Plünderung stammen. Über den Deckel ziehen sich eingravierte Hieroglyphenbänder. Statt einer Dekoration in Reliefform ist die Sargwanne lediglich mit Bemalung verziert worden in Form von gelben Figuren und Texten auf einem roten Untergrund. Dieser ungewöhnliche Befund ist wohl auf den Zeitmangel zurückzuführen, der sich aus dem frühen Ableben Ramses I. ergab. Leider ist ein Teil dieser Malereien mittlerweile nicht mehr vorhanden, das Gesamtkonzept kann jedoch anhand von älteren wissenschaftlichen Publikationen nachvollzogen werden. Demnach waren auf der Sargwanne an der Kopf- und Fußseite die Schutzgöttinnen Isis und Nephthys mit ausgebreiteten Schwingen dargestellt, während die Langseiten mit Darstellungen der Götter Anubis und Thot, sowie von den vier Horussöhnen verziert waren. Zudem gab es Darstellungen von Horusaugen.
Im Inneren des Sarkophags befanden sich bei der Entdeckung des Grabes Ramses I. durch Belzoni zwei Mumien, diese wurden jedoch erst nachträglich dort hinein gelegt. Die Mumie Ramses I. befand sich nicht in dessen Grabanlage und ist bis heute nicht sicher identifiziert. Eine Mumie, welche von Grabräubern aus dem berühmten Mumienversteck von Deir el-Bahari entwendet wurde, wird im ägyptischen Museum von Kairo als die Ramses I. präsentiert, diese Zuordnung ist jedoch wissenschaftlich nicht als vollkommen gesichert anzusehen. Besagte Mumie wurde ehemals von den Grabräubern an einen amerikanischen Privatmann verkauft und jahrelang in Museen der Vereinigten Staaten ausgestellt. Nachdem Forscher auf sie aufmerksam wurden und eine Identifizierung als Ramses I. vorschlugen, wurden die sterblichen Überreste 2003 an Ägypten zurückgegeben.
Wie der Großteil der altägyptischen Pharaonengräber wurde auch KV16 bereits in der Antike geplündert. Im Grab verblieben, neben dem Sarkophag, vor allem Objekte aus Holz, darunter Darstellungen von Göttern mit Tierköpfen, aber auch zwei lebensgroße Standstatuen Ramses I.