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  • Ancient Hieroglyphs

    Das Grab der Nefertari

    Im Tal der Königinnen liegt die Grabanlage Nefertaris, der Frau Ramses II., der den Beinamen „der Große“ trägt. Die großzügige Anlage des Grabes und die wunderbaren Malereien machen Nefertaris Ruhestätte zu einer der großartigsten des alten Ägypten. Das Grab (QV 66, für Queens Valley) wurde 1904 von Ernesto Schiaparelli, dem Leiter des Antikenmuseum von Turin, bei Ausgrabungen im Tal der Königinnen entdeckt. Leider war dessen Ausstattung zu diesem Zeitpunkt bereits beinahe vollständig geraubt worden; lediglich wenige Objekte, wie ein paar Sandalen, ein Djed-Amulett, Uschebtis, Reste von Holzbehältnissen und Teile des Sargdeckels befanden sich noch im Grab. Ein Erdrutsch führte Mitte desselben Jahrhunderts zu einer ersten Schließung der Grabanlage, deren Wandmalereien beschädigt worden waren. Zwischen 1988 und 1992 führte das Getty Conservation Institute eine aufwändige Restaurierung und Konservierung der Wandmalereien durch, auch ein ausgeklügeltes Beleuchtungs- und Lüftungssystem wurde eingebaut. Trotzdem war und ist es für den weiteren Fortbestand der Wandverzierungen nötig, die Besucherzahlen sehr gering zu halten und strikt zu reglementieren um Nefertaris „Haus der Ewigkeit“ für ebendiese zu erhalten.

    Nefertari

    Nefertari Meritenmut, deren Name „Schönste aller [edlen Frauen], geliebt von Mut“ bedeutet, gehört zu den bekanntesten Frauengestalten der ägyptischen Geschichte. Nefertari war die bevorzugte Frau Ramses, sie wird auf der Fassade des kleineren Tempes von Abu Simbel, den Ramses ihr und der Göttin Hathor zu Ehren errichten ließ, sogar in gleicher Größe wie ihr Gatte dargestellt. Dies hebt die Bedeutung der Königin hervor, da es ansonsten üblich war, Frauen als Begleitfiguren nur etwa kniehoch abzubilden. Auch die Beinamen Nefertaris zeugen von ihrem Liebreiz und der Bewunderung ihres Mannes, sie lauten unter anderem: „süß an Liebe“, „Herrin der Liebenswürdigkeit“, „schön an Gesicht“ oder „für die die Sonne scheint“. Nefertari begleitete ihren Mann bei offiziellen Anlässen und unterhielt Schriftverkehr mit der Gattin Hattusilis III.

    Herkunft und Familie

    Die Herkunft Nefertaris ist unbekannt, eventuell stammte ihre Familie aus Theben, andere Vermutungen basieren auf dem Fund einer Ornamentrolle in QV 66 mit dem Namen Pharao Ejes darauf und bringen Nefertari mit diesem in verwandtschaftliche Beziehung. Mit ihrem Gatten, mit dem sie wohl bereits vor dessen Regierungsantritt verheiratet war, hatte Nefertari fünf oder sechs Kinder, von denen jedoch keins die Nachfolge Ramses II. antreten sollte. Nefertari muss vor dem 30. Thronjubiläum Ramses verstorben sein (da sie von da an nicht mehr in Quellen erwähnt wird), der genaue Zeitpunkt und die Todesursache sind unklar.

    Die Architektur des Grabes

    Das Grab der Königsgemahlin Nefertari ist nord-südlich ausgerichtet. Nach einer steilen Treppe gelangt man in die Vorhalle mit Vestibül, an dessen Ostseite sich eine Kammer anschließt. Über eine zweite Treppe erreicht man die Grabkammer, einen 90m² großen Raum mit vier Pfeilern, der traditionell der tiefste Bereich des Grabes ist. Ursprünglich standen dort der Sarkophag mit der Mumie Nefertaris, sowie die Kanopenkrüge, in denen die konservierten Eingeweide gelagert wurden. Die Grabkammer hat in ihrem vorderen Bereich einen westlichen und östlichen Anbau in Form kleiner Räume. Eine kurze Treppe verbindet die Grabkammer mit dem dahinter liegenden kleinen Raum, dem „Haus des Osiris“.

    Die Dekoration des Grabes

    520m² exquisit bemalte Fläche machen das Grab Nefertaris nicht nur zur Schönsten und aufwändigsten Grabanlage im Tal der Königinnen; das Grab trägt zudem zu Recht die Bezeichnung „die Sixtinische Kapelle des Alten Ägypten“, die hohe Kunstfertigkeit der Handwerker der 19. Dynastie fasziniert bis heute und begründet den Nachruhm der Frau Ramses` des Großen. Hieroglyphentexte überziehen einen Teil der Grabwände, sie sind dem Totenbuch entnommen, einer Sammlung von Wissen und Sprüchen, die Verstorbenen benötigten um sicher den Gefahren der jenseitigen Welt zu trotzen. Nefertaris Grab enthält die Totenbuchsprüche 17,94,144,146 und 148. Sämtliche Decken des Grabes sind mit fünfstrahligen gelben Sternen auf blau-schwarzem Grund verziert. Entgegen der ursprünglichen „Erzählrichtung“ der Bilder, die vom Eingang aus links über die gesamten Westwände des Grabes bis in die Osiriskammer verlaufen um von dort aus über die Ostwände an der Eingangstür zu enden, soll hier aus Gründen der Übersichtlichkeit das Grab vom Eingang aus bis in die Osiriskammer nach Räumen unterteilt beschrieben werden. Die korrekte Bildabfolge, welche die Metamorphose Nefertaris schildert, wurde von den Planern ihrer Grabanlage jedoch wie folgt inszeniert.

    Der beschwerliche Weg in das „Haus des Osiris“

    Das Bildprogramm der Grabanlage folgt einem klaren System: Beginnend in der Vorhalle wird der Weg der verstorbenen Nefertari in Bild und Text erzählt. Die Szenen der Westwände des Grabes zeigen die beschwerliche Reise, in deren Verlauf sich die Königin Dämonen und Torwächtern stellen muss, die sie mit korrekt angewandten Zauberformeln und Rezitationen besänftigen muss. Nefertari zur Seite stehen Schutzgötter wie Anubis, Nephthys und Isis. Die Königin gelangt schließlich in die Sargkammer (das „Goldhaus“) wo sie ihre sterbliche Hülle zurücklässt. Sie schreitet weiter in die Kammer des Osiris, von dort aus ist ihr der Zugang zu dessen Totenreich möglich.

    Der Aufstieg zur „Wiedergeburt“

    Die Wiedergeburt Nefertaris vollzieht sich in Bildern von der Sargkammer wieder hinauf zum Eingang an den Ostwänden ihrer Grabanlage. Die Königin vollzieht eine Wandlung von der Gestalt des Osiris, dem mumifizierten Totengott, mit dem sie verschmilzt, hin zum Sonnengott Re, der täglich aus der Unterwelt neu auftaucht und aufgeht. Die vollkommene Verwandlung Nefertaris, ihr Eins werden mit der zyklisch neu geborenen Sonne, ist auf dem Sturz der Eingangstür dargestellt, dort prangt in der Hieroglyphe für „Horizont“ eine große, aufgehende Sonnenscheibe, in der sich ein Skarabäuskäfer, das Zeichen für „werden, entstehen“ befindet. Die Göttinnen Isis und Nephtys knien schützend vor diesem Symbol, Kartuschen Nefertaris rahmen die Szene.

    Die Vorhalle

    Die Eingangstür zur Vorhalle (Ausmaße 5x5,2m) zeigt, neben der bereits beschriebenen Abbildung, an ihrer Oberseite im Durchgang eine Sonnenscheibe, die von den Schwester-Gottheiten Nephthys und Isis in Falkengestalt flankiert wird. Wendet sich der Besucher nach links, zur Südwand hin, ist im oberen Register (das untere weist umlaufend einen Hieroglyphentext auf) zunächst Nefertari vor einem senet-Spiel (einem Brettspiel, das Schach ähnelt) sitzend dargestellt. Diese Darstellung findet sich häufiger in Gräbern und ist symbolisch zu verstehen: Der Verstorbene spielt gegen das Schicksal selbst, welches er geschickt überlisten muss um Unsterblichkeit zu erlangen. An derselben Wand folgen die Darstellung des Ba-Vogels, der die Seele der Königin verkörpert, sowie die Königin in kniender, anbetender Haltung.

    Die Westwand und die Nordwand

    Die Bilder der Westwand stellen von links nach rechts dar: Zwei sitzende Löwen, die auf den Erdgott Akeru verweisen, einen Reiher, der unter dem Namen „benu“ die Seele des Sonnengottes Re darstellt, sowie die Mumie Nefertaris, aufgebahrt unter einem Baldachin, flankiert von Isis und Nephthys in Falkengestalt. Eine dunkelhäutige Wassergottheit kniet hinter dieser Szene. Die Darstellungen der übrigen Westwand und der anschließenden Nordwand sind größtenteils zerstört. Sie stellten Abschnitte des Totenbuchs, aus Kapitel 17 dar, darunter die Horussöhne (Amset, Hapi, Duamutef und Kebechsenuef), welche über die Eingeweide der Verstorbenen wachen, sowie Anubis. Über dem Durchgang zur großen Treppe ist erneut Horus, umgeben von seinen vier Söhnen dargestellt, alle Figuren sind in hockender Haltung widergegeben.

    Die steinerne Bank

    Entlang der West- und Ostwand verläuft eine niedrige Steinbank, die wohl zur Ablage von Opfergaben im Rahmen des Totenkults gedacht war. Die Bank ist unter anderem mit den Namenskartuschen Nefertaris geschmückt und enthält im unteren Teil fünf Nischen; der obere Abschluss ist mit einer Hohlkehle verziert. Ein Hieroglyphenband zieht sich um die Oberkante, der Text handelt von Osiris, der darin Nefertari Zusagen macht, ihr Leben im jenseitigen Reich betreffend.

    Die Ostwand und der restliche Teil der Südwand

    Die Ostwand der Vorkammer öffnet sich zum Vestibül hin. Der Durchgang zu Letzterem ist seitlich von großen Götterfiguren verziert, links Osiris zwischen zwei Anubis-Fetischen, rechts Anubis mit was-Zepter und anch (dem Symbol für Leben). Darüber ziert ein Fries aus Schlangen und Federn den Türsturz, mittig hockt eine Gottheit, welche die Hände auf die Horusaugen legt. An der Südwand rechts von der Zugangstür ist Osiris sitzend dargestellt, vor ihm ein Tisch mit kleinen, mumifizierten Abbildern der Horussöhne, Nefertari steht ihm gegenüber, die Hände zur Anbetung erhoben, sie trägt ein langes weißes Kleid mit rotem Hüftband und eine Kopfbedeckung in Form einer Krone in Geierform, die Vogelschwingen reichen bis zu den Schultern. Darüber ist mittig die rote Sonnenscheibe zu sehen, umgeben von zwei hohen Federn. Diese imposante Geierkrone trägt Nefertari auf den Abbildungen ihres Grabes fast ausschließlich.

    Das Vestibül

    Der innere Durchgang zum Vestibül, an der Ostseite der Vorkammer, ist an den Seiten von zwei großformatigen Götterdarstellungen geschmückt. Es handelt sich um die Göttinnen Selket (an der Nordseite, sie trägt einen Skorpion, das ihr zugeordnete Tier, auf dem Kopf) und Neith (an der Südseite, auf dem Haupt trägt sie ihr Attributl, zwei stilisierten Bögen). Die Göttinnen blicken in Richtung Vorhalle, grüßen Nefertari und sichern dieser in den zugehörigen Begleittexten ihre Hilfe auf dem Weg zur Verklärung zu. Das Vestibül selbst ist an den schmalen Rückseiten mit djed-Pfeilern, den Osiris zugeordneten Symbolen für Dauer bemalt. Die restliche Dekoration zeigt umlaufend Nefertari, die von Göttern vor thronende Gottheiten geführt wird. An der Nordseite geleitet Isis die Königin, welche sie an der Hand hält, vor den Sonnengott Khepri, der mit dem Kopf eines Käfers dargestellt wird. Auf der gegenüberliegenden Wand führt der falkenköpfige Harsiese Nefertari vor Re-Harachte und Hathor. Der Durchgang zum östlichen Anbau wird von der Geiergöttin Nechbet geziert, die schützend ihre Schwingen ausbreitet, in den Krallen schen-Ringe, die Symbole für Ewigkeit, haltend.

    Der östliche Anbau

    Die Passage, welche in den Anbau führt, wird beidseitig von Figuren der Göttin Maat, gut erkennbar an der Feder, welche sie am Kopf trägt, verziert. Die Anwesenheit der Göttin der Rechtschaffenheit, Wahrheit und Weltordnung verweist auf das Totengericht, in dessen Verlauf das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Maat aufgewogen wird.

    Die West- und Nordwand

    Im Inneren der Kammer befindet sich rechter Hand auf der Westwand eine Szene, die Nefertari vor dem Schöpfergott Ptah darstellt, welchem sie Webwaren, edle Tücher und Stoffe, opfert. Der Anbau wird daher auch als „Raum der Webereien“ bezeichnet. Auf der anderen Seite des Zugangs sind Isis und Nephthys abgebildet, die schützend ihre Hände zu einer zwischen ihnen stehenden Gottheit erheben. Es handelt sich um eine Verschmelzung von Osiris und Re, dargestellt mit mumienförmigen Körper und Widderkopf mit Sonnenscheibe auf dem Haupt. Diese Figur stellt das zyklische Sterben und Neu-Erstehen der Sonne dar (also Sonnenuntergang und -aufgang), das in der altägyptischen Vorstellung eng mit dem menschlichen Ableben und Jenseitsleben verbunden wurde. An der Nordwand ist die Königin vor dem ibisköpfigen Schreibergott Thot abgebildet, sie muss ihm die richtigen Formeln zitieren um seine magische Schreibpalette zu erhalten. Hieroglyphen, welche Kapitel 94 des Totenbuchs wiedergeben, begleiten die Szene.

    Die Ost- und Südwand

    Die Rückwand des Anbaus (Ostseite) zeigt in zwei Szenen Nefertari, die Speiseopfer darbringt, einmal vor Atum und einmal vor Osiris. Die Südwand bildet über vier Rudern, welche Deichselsterne symbolisieren, sieben Rinder und einen Stier ab. Diese mythischen Tiere dienten dazu Nefertari, welche auf der angrenzenden Wand anbetend dargestellt ist, mit Nahrungsmitteln (Milch, Brot, Gemüse) zu versorgen, was im zugehörigen Text, Kapitel 148 des Totenbuchs erläutert wird.

    Die große Treppe

    Der typischen Bauweise folgend, führt die Grabanlage Nefertaris in die Tiefe, bis hin zum tiefsten Raum, der Sargkammer. Die große Treppe, welche Vorraum und Sargkammer verbindet, ist wie das gesamte Grab, reich verziert. Der Durchgang zur Treppe ist beidseitig mit Darstellungen von Schlangengottheiten, verbunden mit der Kartusche Nefertaris, den Wappenpflanzen Ober- und Unterägyptens und Djed-Pfeilern dekoriert. Die Treppe selbst ist 7,5m lang und führt über 18 Stufen 3m in die Tiefe.

    Der Treppenabsatz

    Vor der Treppe befindet sich, noch auf dem Bodenniveau des Vorraums ein Absatz. Dessen Rückwand ist mit Darstellungen der stehenden Göttinnen Selket und Neith dekoriert. Die dreiecksförmigen Seitenfelder des Treppenabsatzes sind mit beinahe identisch aufgebauten Szenen verziert. Nefertari tritt mit Opfergefäßen vor zwei thronende Göttinnen (links: Isis und Nephthys; rechts: Hathor und Selket), dahinter kniet Maat, ihre Schwingen schützend um die Kartusche der Königin ausgebreitet. An den Vorsprüngen der Ecken, dem Betrachter zugewandt, ist je ein Djed-Pfeiler abgebildet, Herrschersymbole in den Händen haltend.

    Die Wände seitlich der Treppe und der Zugang zur Grabkammer

    Auch das Bildprogramm der Wände beidseits der Treppe ist symmetrisch aufgebaut: Der Gott der Einbalsamierung, Anubis, ist als schwarzer Schakal, auf einem Schrein liegend dargestellt, darunter ist Isis (auf der Gegenseite Nephthys) zu sehen, kniend auf der Hieroglyphe für Gold, ihre Hände über das Symbol für Ewigkeit haltend. In langen Begleittexten wenden sich die Gottheiten an Nefertari. Über Anubis, in einem dreieckigen Bildfeld, ist beidseitig je eine geflügelte Schlange mit der Kartusche Nefertaris abgebildet. Der Zugang zur Grabkammer ist seitlich mit Texten und Namenskartuschen dekoriert, darüber prangt präsent ein Bildnis der knienden Maat, die ihre Schwingen über die gesamte Breite der Bildfläche ausstreckt. Auch die inneren Seiten des Durchgangs sind mit je einer großen Abbildung der stehenden Göttin Maat verziert. Auf den Bildfeldern dahinter ist beidseitig eine Schlangengottheit, links Nechbet mit Atefkrone, rechts Uto mit Doppelkrone auf Djed-Pfeilern dargestellt.

    Die Sargkammer

    Die Sargkammer ist der größte Raum der Grabanlage mit 10,4m Tiefe und 8,2m Länge. Vier Pfeiler tragen die Decke des Raums, mittels zwei kleiner Treppen in der zentralen Achse zwischen den Pfeilern ist das vertieft liegende Bodenniveau in der Raummitte erreichbar. An der West- und Ostseite ist jeweils eine kleine Seitenkammer angeschlossen; an der Rückseite der Begräbniskammer liegt ein Osiris gewidmeter Raum. Um die gesamte Sargkammer verläuft eine niedrige Steinbank, deren Außenseite mit abwechselnden Paaren von Djed-Pfeilern und Isisknoten verziert ist. Über der Bank sind die Wände reich mit figürlichen Darstellungen und Texten verziert. Diese sind den Totenbuchkapiteln 144 (linke Wandseite) und 146 (rechte Wandseite) entnommen, die das Reich des Osiris beschreiben.

    Die Westseite

    Das Bildprogramm der westlichen Raumhälfte beginnt links der Tür an der Südwand. Nefertari wird großformatig dargestellt, in ein edles, weißes Gewand gehüllt, mit Geierkrone, ihre Hände in Anbetung erhoben. Ihr gegenüber steht das erste Portal, welches sie durchschreiten muss, dahinter stehen drei Torwächter: Dämonische Mischwesen, zwei von ihnen mit Tierköpfen. Um das Portal passieren zu dürfen und die Wächter zu besänftigen, muss die Königin die richtigen Bezeichnungen, Formeln und Gebete zitieren. Insgesamt finden sich fünf solcher Szenen an der Westseite der Grabkammer, die immer demselben Schema folgen: Zuerst gibt ein Text die Szenerie wieder, dann folgt die Darstellung des Tors und dahinter die der Torwächter. Deren Gestalt und Attribute, wie Messer, Anch, oder Zweige variieren. Allen Darstellungen gemein ist, dass die vordere Figur immer männlich ist mit Widderkopf, die darauf folgende Gestalt hat einen Tierkopf, die dritte reine Menschengestalt.

    Die Kanopennische

    In der Mitte der Westwand ist eine kleine, etwa 1m im Quadrat messende Nische in die umlaufende Steinbank eingefügt. Diese diente mutmaßlich als Aufbewahrungsort für die Kanopenkrüge, in denen die konservierten Eingeweide Nefertaris verwahrt wurden. Die Nische ist allseitig mit Götterfiguren dekoriert (Söhne des Horus, Nut), der schlichte Stil und die weniger kunstvolle Ausführung der Malereien lassen darauf schließen, dass diese erst nachträglich angebracht wurden.

    Die Ostseite

    Auch die Darstellungen der Ostseite der Grabkammer beginnen seitlich der Tür an der Südwand. Nefertari wird erneut in Anbetungsgestus auf voller Wandhöhe dargestellt. Ihr zugewandt sitzen zwei Wächtergestalten in stilisierten Portalen, mit Messern bewaffnet. Die Königin muss die Portale und die zugehörigen Wächter korrekt benennen um unbeschadet hindurchgelassen zu werden. Die Malereien der Ostseite der Grabkammer weisen einige Beschädigungen auf. Es lässt sich jedoch noch rekonstruieren, dass insgesamt zehn Tore mit Schutzfigur dargestellt waren, auch wenn nicht mehr alle Details und Texte erhalten sind. Die Wächter sind alle sitzend dargestellt und meist in lange, einfarbige Gewänder gehüllt. Sie haben Tierköpfe, unter anderem von Krokodil, Schlange, Maus, Geier oder Bulle. Eine Ausnahme bildet eine menschengestaltige, unbekleidete Wächterfigur auf der Mitte der Ostwand. Die schmale östliche Nordwand zeigt eine andere Szenerie: Nefertari ist vor den thronenden Gottheiten Osiris, Hathor und Anubis, die alle im engen Zusammenhang mit der Jenseitswelt stehen, dargestellt.

    Die Dekoration der Pfeiler

    Der Granitsarkophag Nefertaris, von dem leider nur noch Fragmente des Deckels gefunden wurden, stand in einer ca. 40cm tiefen Absenkung in der Mitte der Grabkammer . Diese wird von vier Pfeilern umstanden, die allseitig bemalt sind. Die dem Sarkophag zugewandten Innenseiten der Pfeiler sind alle mit einem Djed-Pfeiler verziert. Der nord-südlichen Hauptachse zugewandt, zeigen die Seiten der Pfeiler den Gott Osiris auf gelbem Grund, flankiert von Anubisfetischen. Beim Betreten der Grabkammer sind auf den Frontseiten der Pfeiler Figuren mit Leopardenfell abgebildet, sie stellen Iunmutef-Priester dar, die den Gott Harendotes, den Rächer, repräsentieren. Alle weiteren Außenseiten der Pfeiler bilden Nefertari mit je einer Gottheit ab, die sie im Kreis der Götter willkommen heißt, symbolisiert durch vertraute Gesten, wie dem Halten der Hände oder dem Berühren der Schulter. Die dargestellten Gottheiten sind Hathor, Isis und Anubis, wobei die Göttinnen mehrfach abgebildet werden, so dass insgesamt sechs Pfeilerseiten mit diesen Szenen verziert sind.

    Die Seitenkammern

    Drei Räume gehen von der Sargkammer ab. Die seitlichen Erweiterungen haben eine Seitenlänge von 2,3m, während der im hinteren Bereich liegende Raum 3,6x2,1m misst. Die Dekoration der Räume ist teilweise stark, bis beinahe vollständig zerstört, dies ist auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Die Malereien des westlichen Raums sind noch am besten erhalten, sie zeigen an der Türseite Osiris und Nefertari in Mumiengestalt. Die Schmalseiten sind mit Abbildern der Horussöhne, sowie Isis und Nephthys verziert, die Nefertari willkommen heißen. Die Rückseite des Raumes zeigt das beschädigte Hauptmotiv der Dekoration: Es handelt sich um die Darstellung der mythischen Heimstätte des Osiris in Abydos, dargestellt als eine Art Pavillon, bewacht von geflügelten Schlangen, in dem sich Thot, Anubis und der Horussohn Amset befinden. Der Raum an der Ostseite zeigte ehemals, heute nur noch fragmentarisch erhalten, Nefertari in Anbetung vor Hathor sowie Anubis und Isis. Auch die geflügelte Göttin Maat ist dargestellt.

    Die nördliche Kammer

    Der nördliche Raum, auch „Haus des Osiris“ genannt, hat heute einen Großteil seiner Dekoration verloren. Noch zu erkennen sind die Göttinnen Isis und Selket, sowie ein Djed-Pfeiler zwischen Isisknoten, ehemals waren zudem an den Schmalseiten je eine Götterprozession sowie eine Einbalsamierungsszene an der Rückwand dargestellt. Der Durchgang zu diesem Raum ist beidseitig mit zwei Schlangengöttinnen dekoriert, welche die Kartusche Nefertaris flankieren.

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