König Userkaf
„Wsr-ka-f“–„Starker seines Ka“ lautet der Eigenname des Pharao, mit dessen Thronbesteigung laut der Herrscherchronologie des Priesters Manetho die 5. Dynastie des Alten Reichs beginnt. Nach unserer Zeitrechnung dürfte dies um 2500 v.Chr. geschehen sein. Die Familienverhältnisse und die Anbindung Userkafs an die vorhergehende 4. Dynastie liegen im Dunklen. Der spätere Herrscher soll laut Manetho aus Elephantine im Süden Ägyptens stammen, es ist möglich, dass es sich bei seiner Mutter um Chentkaus I. handelt, deren Grab in Gizeh entdeckt wurde. Der Vater von Userkaf ist unbekannt, er entstammt mutmaßlich nicht der Königslinie der 4. Dynastie. Eine der Königinnen Userkafs, der er eine eigene Pyramidenanlage direkt neben seiner eigenen errichten ließ, war Neferhetepes, ihr gemeinsamer Sohn Sahure folgte Userkaf auf den Thron.
Die Regierung Userkafs währte wohl nicht lange, Quellen wie Manetho, der Königspapyrus und Inschriften geben zwischen sieben und achtundzwanzig Jahren Dauer an, wobei die moderne Forschung etwa ein Jahrzehnt Herrschaftsdauer als realistisch ansieht. Unter der Regentschaft Userkafs kam es zu einer verstärkten Verehrung des Sonnengottes Re, der Herrscher ließ diesem in Abusir ein Sonnenheiligtum errichten. Es stand in Verbindung mit dem Totenkult des Herrschers und war das früheste seiner Art. Neben diesem Sonnenheiligtum, welches den Namen „Festung des Re“ trägt, ist vor allem der Pyramidenkomplex Userkafs in Sakkara bekannt.
Von diesem Pharao überdauerten neben seinen Bauten auch bedeutende Statuen, genauer, deren Fragmente, da kein Abbild vollständig aufgefunden werden konnte. Ein Statuenkopf aus Grauwacke, der den Herrscher mit der roten Krone Unterägyptens darstellt, wurde beim Taltempel des Sonnenheiligtums entdeckt. Im Totentempel der Pyramide fand sich der Kopf einer Statue, die ehemals zu den Größten ihrer Zeit gehört haben muss; gefertigt aus Rosengranit, wird Userkaf mit Nemes-Tuch abgebildet.
In der altägyptischen Literatur wurde König Userkaf in der Erzählung des Papyrus Westkar, entstanden wohl zur Zeit der 12. Dynastie, verewigt. König Cheops erfährt in dieser Geschichte von einem Zauberer etwas über die künftigen Pharaonen, darunter auch Userkaf.
Der Pyramidenkomplex
Als Standort für seinen Grabkomplex wählte Userkaf einen Bauplatz direkt an der nordöstlichen Ecke des Djoser-Bezirks aus der 3. Dynastie. Neben der weithin sichtbaren, imposanten Stufenpyramide Djosers erscheinen die bescheidenen Überreste der Hauptpyramide Userkafs lediglich wie ein aufragender Schutthügel. Die Zeit der monumentalen Grabmäler des Gizeh-Plateaus, entstanden zur Zeit der vorausgegangen Dynastie, waren vorüber. Der direkte Vorgänger Userkafs, Pharao Schepseskaf hatte sogar vollständig auf den Bau einer Pyramide verzichtet und stattdessen eine Mastaba als Begräbnisstätte errichten lassen. Die Pyramide Userkafs trägt den Namen „Wab-sut-userkaf“ – „Rein sind die Stätten des Userkaf“. Hauptpyramide, Nebenpyramide und Totentempel bildeten den von einer Mauer umgebenen Hauptkomplex, an den durch den Aufweg der Taltempel angeschlossen war. Direkt vor der Ummauerung liegt der Bezirk der Königinnenpyramide. Eine Inschrift weist darauf hin, dass der Unas-Komplex von Chaemwaset, einem Sohn Ramses II. und Hohepriester, zur Zeit der 19. Dynastie restauriert wurde.
Die Hauptpyramide
Das Grabmal Userkafs in Pyramidenform besaß ursprünglich eine Basiskantenlänge von 73,3m, durch eine Neigung von 53° erreichte es eine Höhe von 49m. Der innere Kern besteht aus kleinformatigen, lediglich grob bearbeiteten Blöcken lokalen Gesteins. Diese Bauweise stellt eine Abkehr von den fein gearbeiteten, gleichförmigen Steinquadern des Pyramidenkerns dar, wie sie zur Zeit der vorhergehenden 4. Dynastie errichtet wurden. Die Verkleidung bestand wie üblich aus hellem, geglätteten Tura-Kalkstein, da dieser äußere Mantel Steinräubern zum Opfer fiel, ist der innere Kern seit Jahrhunderten der natürlichen Korrosion ausgesetzt. Aufgrund der weniger gründlichen Gestaltung des Pyramidenkerns ist dieser heute entsprechend stark angegriffen, die Pyramide hat die Form eines unregelmäßigen Steinhügels und ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Substruktur
Der Unterbau der Pyramide konnte von einem Zugang direkt vor deren Nordseite betreten werden; das Innere wurde erstmals 1839 vom britischen Ägyptologen J.S. Perring betreten und dokumentiert. Anders als bei früheren Pyramiden liegt der Eingang nicht meterhoch in der Pyramide selbst, sondern ebenerdig. Ein absteigender, mit Granitgestein verkleideter Gang führt 18,5m unter die Pyramide, bevor er weiter waagerecht einen Bereich mit Fallsystem passiert. Von diesem zweigt nach Osten eine T-förmige Kammer ab, eine ungewöhnliche Anordnung ohne zeitgenössische Parallelen. Nach der Fallsteinsperre schießt sich Richtung Süden die exakt im Zentrum der Pyramide liegende Vorkammer an, sie misst 4,1x3,1m² in der Fläche. Deutlich größer ist die mit einem kurzen Zwischengang angeschlossene Grabkammer mit 7,9m Länge und 3,1m Breite. Beide Räume sind mit einer Giebeldachkonstruktion überbaut und waren ehemals mit Tura Kalkstein verkleidet. Die Verkleidung, ebenso wie die gesamte Grabausstattung, war bei Auffindung durch Perring bereits geraubt, auch der in der Hauptkammer noch in situ befindliche Sarkophag aus Basalt war leer. Der gesamte innere Bereich der Pyramide ist, wie zu jener Zeit üblich, undekoriert.
Die Kultbereiche
Die Opferkapelle
Der dem Totenkult des Herrschers gewidmete Bereich ist im Grabkomplex König Userkafs abweichend von der bis dahin herrschenden Norm gestaltet. An der Ostseite der Hauptpyramide befindet sich die heute nur noch spärlich nachweisbare, schmale Opferkapelle mit Zugang im Osten. Ihr Boden war mit dunklem Basaltgestein ausgelegt, die Wände aus Tura-Kalkstein gemauert, ruhend auf einem Sockel aus Granit. Die Hauptkultstelle enthielt eine Scheintür aus Quarzit, beidseitig lagen kleine Nebenkammern. Von der Wanddekoration haben sich nur wenige Reste erhalten, sie stellen auf hohem künstlerischem Niveau gestaltete Opferszenen dar.
Der Totentempel
Der Totentempel, errichtet aus Kalkstein, liegt südlich der Pyramide, nicht wie gewohnt in deren Osten, wo sich stattdessen besagte Opferkapelle befindet. Die Wissenschaft führt verschiedene Gründe für diese ungewöhnliche Anordnung an: So könnte es aufgrund der unmittelbaren Nähe des Userkafs-Bezirks zum Djoser-Komplex schlichtweg Platzmangel oder unsicheren Baugrund gegeben haben. Eventuell orientierten sich die Baumeister Userkafs aber auch an dem benachbarten Komplex der 3. Dynastie, denn dort liegt der Zugang zur Hauptpyramide ebenfalls südlich von dieser. Auch eine Verschiebung der Ideologie des Herrschers in Richtung des Sonnengottes Re wurde als Erklärung für die bei Userkaf ungewöhnlich angeordneten Kultbereiche herangezogen. Durch den Bau des Sonnenheilgtums in Abusir, des ersten überhaupt, ehrte Userkaf diese Gottheit im Besonderen. Die Ausrichtung des Totentempels im Süden entspricht der des Sonnenheiligtums und sorgte dafür, dass die Sonne diesen täglich stundenlang beschien.
Was auch immer den ungewöhnlichen Standort des Totentempels begründet haben mag, seine zentralen Elemente folgen wieder der Norm. Eine querrechteckige, schmale Vorkammer führt weiter in eine nord-südlich orientierte Eingangshalle, die auf den dreiseitig mit Granitpfeilern umstandenen Hof weiterleitet. Der Boden war mit Basalt gepflastert und die Außenwände mit Inschriften und kunstvollen Reliefs verziert, von denen sich leider lediglich Fragmente fanden. Eines davon (heute im ägyptischen Museum Kairo ausgestellt) zeigt ein fein gearbeitetes Vogelpaar. Die Südseite des Hofes nahm eine Kolossalstatue des Herrschers ein, der Kopf selbiger ist erhalten (vgl. Beschreibung oben). Zwei Zugänge an den Außenseiten verbinden den Haupthof mit der südlich gelegenen Pfeilerhalle, hinter dieser liegt ein Bereich mit fünf Nischen, in denen ehemals die Kultstatuen aufgestellt gewesen waren, ein Heiligtum und Lagerräume. Weitere Magazinräume liegen seitlich der Vorkammer am Zugang zum Totentempel. Die Ausrichtung des gesamten Totentempels erfolgte bei Userkaf nicht, wie üblich, auf die Hauptpyramide, sondern orientiert sich nach Süden. Heute ist der gesamte Bereich durch nachträglich dort angelegte Gräber und Verwitterung stark zerstört. Auf den Totentempel führte von Osten kommend der Aufweg zu, dieser wurde nie weiter verfolgt und ergraben, so dass auch Userkafs Taltempel unbekannt ist.
Die Kultpyramide
In der Südwestecke des ummauerten Hauptbezirks des Userkaf befand sich die Nebenpyramide, die heute als Kultpyramide des Herrschers angesehen wird. Der eigentliche Standort von Kultpyramiden war traditionell der Südosten, die Platzierung weicht im Unas-Komplex davon ab. Das Bauwerk ist heute bis auf die untersten Steinlagen völlig zerstört. Ehemals hatte es eine Basiskantenlänge von 21m und wies denselben Neigungswinkel wie die Hauptpyramide von 53° auf, was eine Höhe von etwa 15m ergab. Auch die Innenkonstruktion mit grobem, lokalem Gestein sowie die äußere Verkleidung mit feinerem Tura-Kalkstein entsprachen dieser. An der Nordseite führte ein seicht absteigender Gang unter die Pyramide, er führte in die ost-westliche orientierte, mit einem Giebeldach versehene Hauptkammer, wo das Kultbild (die Ka-Statue) Userkafs aufgestellt gewesen sein könnte.
Die Königinnenpyramide
Ein eigener Komplex, der von einer Mauer eingeschlossen die Königinnenpyramide und einen eigenen Totentempel umfasste, befand sich nur zehn Meter vor der Südseite des Unas-Bezirks. Vermutlich wurde dort seine Gemahlin Neferhetepes bestattet. 1928 entdeckte der britische Gelehrte C.M. Firth den Komplex; im nahegelegenen Grab eines Priesters, nennt eine Inschrift den Namen der Königsgemahlin und auch Relieffunde im Totentempel der Pyramide machen die Zuweisung plausibel. Die Pyramide der Neferhetepes maß einst etwa 26,3m im Quadrat und war ca. 17m hoch bei einem Neigungswinkel von 52°. Die Gestaltung des inneren Kerns und der Verkleidungsschicht folgten der Bauweise der Haupt- und Nebenpyramide des Königs. Die Substruktur der Königinnenpyramide besteht aus einem Gang an der Nordseite, der in Vor- und Hauptkammer führte, die mit dem üblichen Giebeldach bedeckt waren und die typische Ost-West-Orientierung aufwiesen. Der Totentempel des Komplexes liegt auf der traditionellen Ostseite, ist aber derart zerstört, dass eine gesicherte Rekonstruktion nicht möglich ist. Zentrales Element dürfte ein offener Säulenhof gewesen sein. Der Tempel war mit feinen Reliefs dekoriert, entdeckte Fragmente bilden Tierprozessionen und Opferträger ab. Der gesamte Königinnenbezirk wurde dermaßen stark von Steinräubern heimgesucht, das man heute bis in die inneren Kammern der Pyramide blicken kann.