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  • Die Pyramids von Gizeh

    Die Pyramidenanlagen Snofrus in Dahschur

    Die Knickpyramide

    Südlich von Sakkara gelegen erstreckt sich die Nekropole von Dahschur. Dort wurden fünf Pyramidenkomplexe errichtet und zahlreiche Gräber angelegt. Pharao Snofru, der Begründer der 4. Dynastie, wählte als erster Herrscher Dahschur für seine Grabmäler aus. Zur Zeit Snofrus existierte noch keine „echte“ Pyramide in der vierseitig spitz nach oben zulaufenden Form, wie sie dem heutigen Betrachter vertraut ist. Nach dem Vorbild der Stufenpyramide Djosers war für Snofru in Meidum eine Stufenpyramide begonnen worden, ihr Bau wurde jedoch, etwa im 15. Regierungsjahr des Königs, zugunsten der Pyramiden in Dahschur unterbrochen.


    Die Bauphasen

    Die Knickpyramide Snofrus war ursprünglich sicherlich als echte Pyramide mit einheitlich zulaufenden Seiten geplant. Da es für diese Bauweise jedoch noch keine Vorläufer und damit Erfahrungswerte gab, wurde die Pyramide zunächst mit einer Basislänge von 157m und einer Neigung von 58-60° begonnen. Dieser Baugestalt ist heute äußerlich nicht mehr sichtbar und kann lediglich anhand von Befunden im Pyramidenkern erschlossen werden. Die Bauweise entsprach dabei zunächst der der Stufenpyramiden mit nach innen geneigten Steinblöcken. Die gewählte Neigung erwies sich jedoch schnell als zu steil und der Winkel musste auf 55° reduziert werden. Zu diesem Zweck wurde ein breiter Steingürtel von ca. 15,7m um die erste Bauphase angelegt, wodurch die Kantenlänge auf 188m anstieg. In einer nächsten Bauphase musste der Neigungswinkel erneut abgeändert werden auf 44°, etwa auf halber Bauhöhe; zudem wurden die Steinlagen nun horizontal verlegt. Letztlich erreichte das Bauwerk ein Ausmaß von 188m Basislänge und eine Höhe von 105m (heute noch 101,5m), was Snofrus Knickpyramide zur viertgrößten der ägyptischen Pyramiden macht. Das verbaute Steinvolumen beträgt 1.237m³. Auffallend ist die Kalksteinverkleidung, die zu großen Teilen noch vorhanden ist. Der Name des Bauwerks lautet: „Die leuchtende Südpyramide“.

    Bautechnische Schwierigkeiten

    Der zu steile Neigungswinkel und die anfänglich Bauweise mit nach innen geneigt verlegten Steinblöcken führten zu einem zu hohen Druck auf das Pyramideninnere. Dieses Problem lässt sich unter anderem an den Grabkammern ablesen: Sie sind aufwändig mit massiven Steinquadern überkragt, um dem hohen Druck standzuhalten. Eine Grabkammer musste zusätzlich mit einem Holzgerüst stabilisiert werden und weist Risse auf. Die Anordnung der Steine für den Kern der Pyramide erscheint grob, teilweise existieren größere Abstände zwischen einzelnen Blöcken, die mit Geröll verfüllt wurden. Die Verwendung von Gipsmörtel steckte noch in den Kinderschuhen und war ein aufwändiges Verfahren. Zu den statischen Problemen kam, dass der gewählte Wüstengrund aus Tonschiefer wohl nicht vollkommen stabil war, wovon Risse im Inneren der Pyramide zeugen. Der Baugrund in Dahschur war generell ein Problem, mit dem auch spätere Bauherren an diesem Ort zu kämpfen hatten. All diese Probleme haben letztlich zu der sicherlich ungeplanten Knickform der Pyramide Snofrus geführt. Die nicht zufriedenstellende Form mag der Anlass dafür gewesen sein, dass leicht nördlich der Knickpyramide eine zweite Pyramide für Snofru entstand, die Nordpyramide oder auch Rote Pyramide genannt wird.

    Das Pyramideninnere

    Das Innere der Knickpyramide wartet mit einer Besonderheit auf: Es existieren zwei Innenbauten mit Gängen und Kammern, zugänglich einmal von Westen und einmal von Norden her.

    Der nördliche Unterbau

    Der Zugang an der Nordseite liegt 11m hoch mittig in der Pyramide, ein 74m langer absteigender Gang führt in eine schmale Vorkammer. Diese weist dieselbe Breite wie der Zugang von lediglich 1,1m auf, bei 5,4m Länge und einer Höhe von 12,6m. Das Dach bilden großformatige Kalksteinquader, welche als Kraggewölbe (ein Giebeldach aus vorkragenden Steinblöcken) verlegt wurden. An die Rückseite der schmalen Vorkammer, auf Höhe von deren Dach, schließt sich die Grabkammer an, mit Decke in derselben Bauweise und Maßen von 6,3x4,96m bei einer Höhe von 17,2m. Hinter der Grabkammer liegt ein vertikaler Schacht. mit Kraggewölbe. Teile des Zugangs sowie beide Kammern sind in einem unterirdischen, aus dem Wüstengrund gegrabenen Schacht errichtet worden.


    Der westliche Unterbau

    Der westliche Eingang liegt mit 33m höher als der nördliche. Der ins Innere führende Korridor ist anfänglich abfallend angelegt, bevor er in eine horizontale Bauweise übergeht; er weist eine Gesamtlänge von 67m auf. Am Ende des Ganges, geschützt durch zwei Sperrsysteme, liegt eine weitere Grabkammer. Die Sperrsysteme bestehen aus zwei hintereinander angeordneten Kammern mit Kraggewölbe, jeweils ein massiver Steinblock war, von Holzbalken gestützt, auf einer schrägen Ebene gelagert. Bei Entfernung der Holzstütze rutschte der Block nach unten und verschloss den Zugang. Ein raffiniertes System, um die Grabkammer vor ungewolltem Zugang zu schützen, ist diese Bauweise einzigartig. Die zweite Grabkammer ist höher angelegt als die südöstlich gelegene Kammer mit nördlichem Zugang, nämlich auf Bodenniveau. Ihre Ausmaße betragen 7,97mx5,26m bei einer Höhe von 16,5m, wie alle inneren Kammern ist sie mit einem Kraggewölbe überdacht. In der Grabkammer finden sich mehrere Hinweise darauf, dass es statische Probleme bei der Errichtung gab: Risse ziehen sich durch sie hindurch, die mit Gips verschlossen wurden, es fanden sich zudem Reste von Holzbalken, die darauf schließen lassen, dass die Kammer abgestützt werden musste. Das Gestein der Grabkammer ist nie geglättet worden, sie wurde unfertig belassen und wohl nie als Begräbnisstätte benutzt. Tatsächlich fanden sich keinerlei Hinweise auf eine Bestattung. Interessant ist ein Bauvermerk auf einem Kalksteinblock der Grabkammer, er ist mit roter Ockerfarbe ausgeführt und nennt den Namen Snofrus, wodurch der Bauherr der Pyramide sicher identifiziert werden kann.

    Vom Dach der tiefer gelegenen Kammer führt ein kleiner gewundener Gang von gerade einmal 0,74m Breite und 0,92m Höhe zur westlichen Zugangspassage, er endet zwischen den beiden Sperrsystemen. Die Anlage von zwei übereinander angelegten Innenbauten ist ohne Parallele; was der Grund für diese spezielle Bauweise war, ist unklar. Das Pyramideninnere kann seit 2019 wieder besichtigt werden, nachdem es von 1965 an nicht mehr öffentlich zugänglich war.

    Der Pyramidenkomplex

    Die Knickpyramide Snofrus wurde von einer Kalksteinmauer umgeben, deren Basislänge 298,6m betrug. Der Zugang befand sich auf der Nordseite. An der Südseite fasst die Ummauerung in einer Ausbuchtung die Nebenpyramide ein. Zum Gesamtkomplex gehörten zudem eine Kapelle sowie der durch den Aufweg angeschlossene Taltempel.

    Die Kapelle

    Unmittelbar vor der Ostseite der Pyramide wurde ein kleiner Kultbau errichtet, von dem heute nur noch Überreste erhalten sind. Der kleine, schlichte Bau bestand aus einem von Kalksteinwänden getragenen Flachdach mit Opferstätte. In einer späteren Bauphase wurde die Kapelle von einer Lehmziegelmauer umgeben. Der Eingang der Kultstätte wurde von zwei ca. 9m hohen Stelen flankiert, deren Stümpfe sich noch in situ befinden. Eine der Stelen, welche den Namen Snofrus nennt und den sitzenden Herrscher darstellt, befindet sich heute im Kairoer Museum. Der Standort der Kapelle an der Ostseite der Pyramide ist eigentlich typisch für den Totentempel des Herrschers. Eventuell wurde bei der Knickpyramide lediglich eine kleinformatige Kapelle errichtet, da die Pyramide selbst nur als Kenotaph (leeres Scheingrab) diente, das nie eine Bestattung enthielt.

    Die Nebenpyramide

    Die Nebenpyramide liegt auf der Südseite der Hauptpyramide, ihre Kantenlänge betrug 55m ihre ursprüngliche Höhe 32,5m. Die ehemalige Kalksteinverkleidung wurde fast gänzlich abgetragen, dementsprechend ist der Erhaltungszustand schlechter als der der Hauptpyramide. Die Pyramide wurde mit Kalksteinblöcken in horizontal verlegten Reihen errichtet, wobei ihr Neigungswinkel dem der oberen Hälfte der Knickpyramide entsprach; all dies deutet darauf hin, dass diese Pyramide erst nach der Hauptpyramide errichtet wurde. Der Name der Nebenpyramide Snofrus lautet: „Snofru schützt“ bzw. „Schutz Snofrus“. Sie ist ungewöhnlich groß für eine Nebenpyramide und auch ihre aufwändigen Innenbauten sind singulär. An der Ostseite der Pyramide markierten zwei 5m hohe, mit dem Königsnamen versehene Rundkopfstelen eine Opferstätte. Auch an der Nordseite befand sich eine kleine, nicht mehr genau identifizierbare Kultstätte unmittelbar vor der Pyramide.

    Das Pyramideninnere

    Auf der Ostseite in 2m Höhe liegt der Zugang in das Innere der Pyramide, ein 10m langer Gang führt zunächst absteigend tief unter die Pyramide. Er knickt dann nach oben ab und mündet in die Hauptkammer. Diese liegt 7m über dem Bodenniveau, eine Besonderheit, da diese Kammern ansonsten in den Baugrund unter der Pyramide geschlagen wurden und nicht im Inneren des Pyramidenkorpus lagen. Das Dach der Kammer ist, parallel zu den Kammern der Hauptpyramide, als Kraggewölbe ausgeführt. Die geringe Größe der Kammer (die Seitenlänge beträgt nur 1,6m) schließt die Bestattung einer Person aus. Die Nebenpyramide diente daher sicherlich als Kultstätte. Fälschlicherweise wurde sie von früheren Forschern als Grabstätte der Königin Snofrus interpretiert. Die Anordnung der inneren Passage und Kammer diente als Vorbild für die große Galerie im Inneren der Cheops-Pyramide.

    Der Aufweg und der und der untere Tempel

    Nahe der nordöstlichen Ecke der Umfassungsmauer der Pyramiden ging ein Aufweg Richtung „Taltempel“ ab, der tatsächlich etwa auf halben Weg zum Tal in einem Wadi lag. Der aus Turakalkstein gemauerte Weg war mehrere hundert Meter lang und wohl nicht gedeckt. Der Tempel war von einer Mauer umgeben und wies einen langrechteckigen Grundriss auf. Von der Westseite her führte der Aufweg auf den Tempel zu, gegenüberliegend befand sich zudem ein Eingang in der westlichen Seite der Umgebungsmauer. Auf eine quergelagerte Vorkammer folgten beidseitig je zwei Magazinräume. Der sich anschließende Innenhof bot am Nordende Raum für sechs Statuennischen, die Schreitstatuen des Herrschers enthielten. Diesen vorgelagert standen zweireihig je fünf Pfeiler. Teile des Reliefschmucks des Hofes haben sich erhalten, sie zeigen die Landgüter Snofrus, die dem König Opfer darbringen. Belege für den Kult Snofrus finden sich bis in die Zeit des Mittleren Reiches hinein, dies ist außergewöhnlich, da Kultstätten anderer Pharaonen des Alten Reiches viel früher verfielen und nicht weiter aufrecht erhalten wurden. Warum ausgerechnet der Kult Snofrus Bestand hatte, ist ungeklärt. Auch an der kleinen Kapelle der Knickpyramide sind Restaurationsarbeiten aus der Zeit des Mittleren Reiches belegt, was die Bedeutung des Kults für Snofru und dessen Fortbestand untermauert. Überreste von Behausungen, mutmaßlich für das Kultpersonal, finden sich im Bereich zwischen Tempel und Umfassungsmauer. Ein zweiter Aufweg führte vom Tempel hinab Richtung Tal zum Hafenbecken der Knickpyramide.

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