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  • Die Pyramids von Gizeh

    Die Pyramidenanlage Snofrus in Meidum

    König Snofru

    „Seneferu“-„Der mich vollkommen macht“, unter diesem Eigenname besteigt um das Jahr 2670 v.Chr. ein neuer Herrscher den Pharaonenthron Ägyptens; mit ihm lassen spätere Chronisten die 4. Dynastie beginnen. Snofru, so die geläufige Namensform, ist bis heute einer der bekanntesten Könige des Alten Reiches, durch den Bau von drei großen Pyramiden, welche die architektonischen Vorbilder der berühmten Grabmäler von Gizeh bilden, setzte er sich selbst nahezu unvergängliche Denkmäler, die alljährlich zahlreiche interessierte Besucher in Staunen versetzen. Der familiäre Hintergrund Snofrus ist nicht gesichert, ob er mit seinem Vorgänger Huni verwandt ist, kann nicht nachgewiesen werden. Bekannt ist der Name der Mutter Snofrus, Meresanch I, sowie der einer seiner Gemahlinnen, Hetepheres I., aus dieser Verbindung ging wohl der berühmte Nachfolger Cheops hervor. Weitere Söhne Snofrus sind durch ihre Grabmäler bekannt, es handelt sich um Rahotep und Nefermaat. Wissenschaftlich nachweisen lassen sich zudem drei Töchter des Herrschers namens Nefertkau, Neferetnesu und Hetepheres.

    Die Regierungszeit Snofrus lässt sich anhand einiger Quellen annähernd bestimmen, dazu gehören der Palermostein, der Turiner Königspapyrus, die Aufzeichnungen Manethos und Inschriften. Daraus ergibt sich eine Regentschaftsdauer von mindestens 24 Jahren; aufgrund der nicht gänzlich gesicherten zeitgenössischen Zählweise von Herrschaftszeiten und der enormen Bautätigkeit unter Snofru gehen manche Ägyptologen sogar von einer Regierungszeit von bis zu 48 Jahren aus. Je nach moderner Forschungsmeinung finden sich daher für Snofrus Königsherrschaft z.B. die Jahre 2670–2620 v.Chr. oder 2575–2551 v.Chr.

    Während dieser Zeit sind zwei Kriegszüge des Herrschers belegt, jeweils gegen Nubien und Libyen, sowie Handelsbeziehungen bis in den Libanon. Die uns heute geläufige administrative Einteilung des Alten Ägypten in Gaue wurde weitgehend unter Snofru etabliert und ausgebaut. Die einzig gesicherte, weitestgehend erhaltene Darstellung Snofrus wurde in Dahschur entdeckt, es handelt sich um eine Statuenstele aus Kalkstein von knapp 2m Höhe. Snofru wird aufrecht stehend mit der Krone Oberägyptens dargestellt, er ist mit Halskragen und Armband geschmückt sowie mit einem Schurz bekleidet.


    Der Pyramidenkomplex Snofrus in Meidum

    Nahe des modernen Ortes Meidum, etwa 75km südlich von Kairo gelegen, ließ Snofru seinen frühesten großen Pyramidenkomplexe errichten. Der zeitgenössische Name für die gesamte Nekropole nebst angeschlossener Pyramidenstadt lautete:“Djed Snfrw“-„Snodru dauert/Dauer Snofrus“. Die Anlage umfasste neben der Hauptpyramide mit Kultstätte eine Nebenpyramide sowie ein nördliches Grab; der Bezirk war mit einer Mauer eingefasst und über einen Aufweg an den Nil angebunden.

    Die Hauptpyramide

    „Haram el Kaddab“-„Falsche Pyramide“ lautet der Spitzname der Einheimischen für die Pyramide Snofrus. Durch die heutige Gestalt des Bauwerks wird diese Bezeichnung verständlich, es erscheint als leicht schräg zulaufender, 3-stufiger Turm, umgeben von einem steinernen Geröllfeld. Der schlechte Erhaltungszustand führte dazu, dass Ägyptologen mutmaßten, dass sich eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben während der Erbauung ereignet haben könnte. Von dieser Theorie ist man jedoch mittlerweile abgewichen und nimmt stattdessen an, dass die Pyramide mindestens größtenteils fertig gestellt wurde und im Laufe der Jahrtausende exzessivem Steinraub ausgesetzt war. Die Pyramide wurde in drei Bauphasen mit längeren Unterbrechungen errichtet, wobei Plan und Bauweise teils stark differieren, sie ist (ungeachtet ihres Erhaltungszustands) ein unschätzbares Zeugnis in der Baugeschichte altägyptischer Pyramiden. Die Bauphasen lassen sich anhand des heutigen Befunds und entdeckter Graffiti der Handwerker gut erkennen und datieren. Zu der Zeit, in der Snofrus Baumeister tätig waren, existierte mit der Stufenpyramide Djosers in Sakkara lediglich eine einzige große Pyramide überhaupt in Ägypten.

    Die Bauphasen

    Die Bauphasen der Meidumpyramide werden in der Fachliteratur mit E1-E3 bezeichnet. Zu Beginn der Errichtung folgte die Bauweise weitestgehend der des Djoser: Lokaler Kalkstein wurde in leicht nach innen geneigten Stufen aufgeschichtet, wobei die Außenseiten mit feinerem Kalkstein verkleidet wurden. Das Basismaß betrug ca. 105m, bei zunächst sieben fertig gestellten Stufen. In Phase E2 wurde Snofrus Pyramide auf acht Stufen erweitert, dadurch vergrößerte sich die Kantenlänge auf 120m, die Höhe betrug rund 85m. Diese frühesten Phasen konnten in den ersten 14 Regierungsjahren Snofrus vollendet werden; eine vollständige Stufenpyramide war geschaffen. Der Umzug Snofrus in eine neue Residenzstadt, weiter von Meidum entfernt, bedingte wohl den Bau zwei weiterer großer Pyramiden in Dahschur (heute bekannt als Knick- und Nordpyramide). Als Bestattungsort war Meidum daher sicherlich nicht mehr interessant, tatsächlich fand sich auch kein Steinsarkophag im Pyramideninneren, Ägyptologen bezeichnen den Bau daher als Kenotaph (Scheingrab). In der Zeit beginnend mit dem 25. bis 29. Regierungsjahr (dies belegen Baugraffiti) wurde die äußere Gestalt der Meidumpyramide in einer letzten Bauphase (E3) drastisch verändert. Über die bereits vorhandene Stufenform wurden weitere Kalksteinblöcke, nun erstmals horizontal ohne Neigung aufgeschichtet, gemauert. Die Verkleidung bestand aus feinem hellem Tura-Kalkstein. Es entstand eine echte Pyramide mit 147m Kantenlänge und 93,5m Höhe bei einer Neigung von 51° und einem Gesamtvolumen von 638,7m³.


    Das Innere

    Die Gestaltung des Inneren der Meidumpyramide offenbart einige Neuerungen in Bezug auf die Konstruktion vergleichbarer früherer Anlagen. Während zuvor sämtliche Gangsysteme und Kammern im natürlichen Felsgrund unter der Pyramide lagen, verlegten die Baumeister Snofrus erstmalig die Hauptkammer in das Innere des Kernmauerwerks der Pyramide. Der Zugang liegt der Tradition folgend im Norden, allerdings erstmals hoch (18,5m) in der Außenwand. Durch einen absteigenden Korridor von 0,85m Breite und 1,65m Höhe gelangt man tiefer in das Bauwerk, wobei der Neigungswinkel des Ganges zweimal leicht abweicht, er beträgt zwischen 27° und 30°. Wenig vor dem Ende des Korridors führt eine schmaler Schacht senkrecht in die Tiefe, er mag zur Ableitung von Regenwasser gedient haben. Der absteigende Gang wird nach 58m als horizontale Passage noch 10,4m weitergeführt. Von dieser geht beidseitig je eine Kammer in Form einer rechteckigen Vertiefung aus. Die Kammern haben annähernd gleiche Maße von 2,6x2,2m² (vordere Kammer) bzw. 2,65x2,1m² (hintere Kammer); Steinplatten bilden in 1,75m Höhe eine Flachdecke. Die Kammern dienten mutmaßlich dazu, Verschlusssteine aufzunehmen, anhand derer der Gang nach der Bestattung verschlossen werden konnte. Über beiden Kammern befinden sich (nicht sichtbar) innovative Druckentlastungskammern in Kragbauweise. Am Ende der Passage, hinter den Gangkammern, liegt ein senkrecht nach oben führender Schacht, der zur Hauptkammer führt. Diese ist nordsüdlich ausgerichtet und misst 5,9x2,7m² bei einer maximalen Höhe von 5,1m. Neuartig war die Deckenkonstruktion, die erstmalig als Kraggewölbe errichtet wurde, um den Druck der darüber liegenden Steinmassen von der Hauptkammer abzuleiten. In der Kammer war nie ein Steinsarkophag aufgestellt, jedoch konnten Ägyptologen kleine Überreste eines Holzsargs entdecken. Dieser wurde wohl mit einer Konstruktion aus Balken und Seilen in die Kammer manövriert, Überreste dieser Holzbalken haben sich im senkrechten Schacht und der Hauptkammer erhalten.


    Die Umgebung der Pyramide

    Umfassungsmauer und Aufweg

    Der Bereich um die Hauptpyramide wurde von allen Seiten von einer Mauer umfasst, die heute bis auf die Fundamente vollständig zerstört ist, sie maß einst 215x236m bei einer angenommenen Höhe von etwa 1,8-2,0m . Der Abstand von Umfassungsmauer und Pyramide war im Norden am größten, ansonsten er in allen anderen Himmelsrichtungen identisch. Der einzige Zugang zum ungepflasterten Innenhof befand sich im Osten, wo der Aufweg auf die Umfassungsmauer hinführte. Erstmalig im Pyramidenbezirk Snofrus in Meidum ist ein Aufweg nachweisbar, der später kanonisch gewordene Weg verbindet traditionell einen Tempel am Nil mit der Kultstätte an der Pyramide, dem Totentempel. Besagter Aufweg führte über 210m Länge zum Nil hin, er war von Mauern aus Kalkstein eingefasst, blieb jedoch ungedeckt. Sein Boden bestand aus gestampftem Nilschlamm, der innere Gang war 3m breit; bis auf diesen mit Nilschlammziegeln gepflasterten Innengang ist tatschlich kaum etwas vom Aufweg erhalten; ob er tatsächlich auch in dieser frühen Entwicklungsphase zu einem Taltempel führte, ist unklar. In der vermuteten Verlängerung des Aufwegs (der lediglich wenige Meter von der Pyramide ausgehend ergraben wurde), konnten wenige Mauerreste gefunden werden, die jedoch nicht klar einem Kultbau zugeordnet werden können, der heute erhöhte Grundwasserspiegel in diesem Areal erschwert zudem weitere Ausgrabungen. Zusätzlich zum beschriebenen Aufweg fanden sich zwei weitere auf die Pyramide hinführende Zugänge, die von Ägyptologen als Bau- oder Transportrampe interpretiert werden, vereinzelt wurde einer der Zugänge als erster, nachträglich aufgegebener Aufweg angesehen.

    Die Kultstätte

    Zentriert an der Ostseite der Hauptpyramide befindet sich ein ausnehmend gut erhaltenes Heiligtum. Seine Positionierung an der Stelle, wo sich bei späteren Pyramidenkomplexen die Totentempel befinden, könnte wegweisend gewesen sein, denn zuvor befanden sich die Kultstätten stets im Norden. Die Kultstätte des Snofru-Komplexes ist komplett aus Tura-Kalkstein errichtet und weist ein annähernd quadratisches Grundmaß von 9x9,2m² bei 2,7m Höhe auf. Das Dach ist leicht gerundet gestaltet, sämtliche Decksteine befinden sich noch in situ, da die Kapelle von Schuttmassen überlagert und somit nicht ihres Baumaterials beraubt werden konnte. Der Grundriss des Kultbaus ist simpel, ein Zugang an der Südostecke führt durch zwei schmale Räume in einen offenen Innenhof, in welchem sich ein Steinaltar, flankiert von zwei hohen Stelen, befindet. Die Stelen sind schlicht rechteckig mit abgerundetem Abschluss und ohne jegliche Zier gestaltet, sie überragen mit 4,1m deutlich die Deckenhöhe der Kapelle, waren also weithin sichtbar. Wozu genau sie dienten und warum eine kleine Kapelle statt eines größeren Kultbaus errichtet wurde, ist nicht gesichert. Mutmaßlich kam der Pyramide von Meidum, nachdem der Bestattungsort Snofrus nach Dahschur verlagert worden war, vor allem repräsentative Funktion zu. Da der Herrscher nicht in der Pyramide ruhte, war dort auch kein Totenkult nötig, die Kapelle hätte demnach dem Königskult an sich gedient.

    Die Nebenpyramide und einige Grabmäler

    Im Süden zwischen Ummauerung und Hauptpyramide entdeckten Ägyptologen die schlecht erhaltenen Überreste einer Nebenpyramide. Vermutlich handelte es sich um einen 3-4 stufigen Bau, errichtet in derselben Bauweise wie die Hauptpyramide in den Phasen E1 und E2. Ein Gang führte von Norden aus unter die Pyramide zu deren Hauptkammer. Der Fund eines Stelenfragments, auf dem Falkenfüße abgebildet sind, führte im Abgleich mit Parallelen zu der Nebenpyramide der Knickpyramide Snofrus zu der Annahme, dass die Nebenpyramide Snofrus nicht als Bestattungsstätte dienen sollte, sondern stattdessen als früheste Kultpyramide überhaupt gedeutet werden kann. Es ist möglich, dass die Nebenpyramide in Bauphase E3 abgerissen und überbaut wurde. Im Innenhof der Pyramide vor der Nordseite konnte ein Grabmal rechteckiger Form ausfindig gemacht werden. Es enthielt die sterblichen Überreste einer Frau, ob es sich bei dieser um eine Gemahlin oder anderweitig Verwandte Snofrus handelte, ist nicht mehr festzustellen; es wird trotzdem in der modernen Forschung teilweise als Königinnengrab betitelt. Vor der Nordostecke der Umfassungsmauer liegt das imposante Mastabagrab M17, in dem ein namentlich unbekannter Mann bestattet war, eventuell ein Sohn Snofrus; dies muss jedoch Spekulation bleiben. Westlich des Pyramidenkomplexes liegt ein Gräberfeld, ein weiteres befindet sich im Norden, dort steht auch Mastaba M16, wo nachweislich Nefermaat, der Sohn Snofrus und Vorsteher der Arbeiten am Komplex vom Meidum, bestattet worden ist.

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