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Mykerinos, der sechste Pharao der 4. Dynastie herrschte zur Zeit des Alten Reiches, etwa um die Mitte des 3. Jahrtausends über Ägypten. Sein Eigenname, Menkaure (Mykerinos ist die griechische Lesung) bedeutet: „Dauerhaft/bleibend sind die Ka-Kräfte, ein Re“. Unter „Ka“ verstanden die alten Ägypter einen Teil der menschlichen Seele, der über den Tod des Körpers hinaus fortbestand; der Herrschername bezieht sich zudem auf den Sonnengott Re. Mykerinos ist vermutlich der Sohn Chephrens und seiner Königin Chamerernebti I. Mit seiner Gemahlin Chamerernebti II. hatte Mykerinos mindestens den namentlich bekannten Sohn Chuenre, der jedoch früh verstarb. Die genaue Regierungszeit und -dauer Mykerinos lässt sich anhand der spärlichen Quellen nicht sicher belegen, plausibel erscheinen etwa 2-3 Jahrzehnte. Der Herrscher ist vor allem wegen seines Pyramidenkomplex in Gizeh bekannt, sowie durch die herrlichen Statuengruppen, die dort entdeckt wurden.
„Netjeri Menkaure“-„Menkaure ist göttlich“ lautet der Name der Pyramide, des kolossalen Grabmals des Pharaos Mykerinos. Sie ist die kleinste der drei Gizeh-Pyramiden und wurde im äußersten Westen des Plateaus, in einer Diagonale mit den beiden großen Pyramiden liegend, errichtet. Ob Platzmangel, statische Gründe, neue Ideologien oder sonstige Beweggründe zu der, im Gegensatz zu den Pyramiden des Cheops und Chephren, stark verkleinerten Ausführung führten, ist nicht bekannt. Das Volumen des verwendeten Baumaterials beträgt nur rund ein Zehntel verglichen mit der Cheops-Pyramide und auch die Grundfläche misst nicht einmal ein Viertel der großen Pyramide; auch ist das Bauwerk des Mykerinos nicht einmal halb so hoch wie diese. In Zahlen ausgedrückt verfügt das Grabmal des Mykerinos über eine Grundfläche von 102,2x104,6m² und eine Höhe von ehemals etwa 65m, wobei die Neigung 51° beträgt. Für den Bau des Grabmals wurden im Sockelbereich 16 Lagen Rosengranit verwendet, ein sehr hartes, aufwändig zu bearbeitendes und daher wertvolles Gestein, die übrige Verkleidung besteht aus dem üblichen, anstehenden Tura-Kalkstein. Der Rosengranit ist größtenteils rau und ungeglättet belassen, lediglich um den Eingang herum und im Bereich des Totentempels wurde der harte Stein fein bearbeitet. Die Pyramide war von einer Umfassungsmauer vollständig umgeben. Der Pyramidenkomplex verfügt über alle zeittypischen Elemente, also der Hauptpyramide, Nebenpyramide/n (in diesem Fall drei an der Zahl), Totentempel, Aufweg und Taltempel.
Bereits die antiken Schriftsteller Herodot und Diodor erwähnen die Pyramide und auch in Werken arabischer Gelehrter des Mittelalters wird sie beschrieben. Unter Sultan Othmann bin-Yusuf, dem Erben Saladins Ende des 12. Jhs. und unter dem Genueser Caviglia 1836/7 gab es Bemühungen sich gewaltsam Zugang zum Inneren zu verschaffen, was jeweils fehlschlug. Die Beschädigungen am Bauwerk sind jedoch heute noch sichtbar in Form einer tiefen Bresche an der Nordwand. Im Sommer 1837 gelang es dem britischen Ägyptologen Richard W.H. Vyse den Eingang zum Pyramideninneren an deren Nordseite ausfindig zu machen. Sämtliche Gänge und Räume waren mit Schutt und Sand angefüllt. In der Grabkammer angekommen, mussten die Forschenden feststellen, dass Ihnen jemand zuvorgekommen war. Arabische Inschriften zeugten von Grabräubern, auch der Sarkophag des Mykerinos war leer, der Deckel abgenommen und größtenteils zerstört. Die drei Nebenpyramiden wurden ebenfalls im Sommer 1837 vom Team um Vyse erstmals von Wissenschaftlern betreten und untersucht. Unter George Reisner fanden zwischen 1906-1927 ausführliche Untersuchungen des gesamten Pyramidenkomplexes statt. Dabei wurden im Taltempel zahlreiche Statuen des Herrschers entdeckt, darunter die berühmten Triaden-Bildnisse, die Mykerinos mit Göttinnen abbilden. 1968 wurde bei Untersuchungen der ägyptischen Behörden eine fünfzeilige Hieroglyphen-Inschrift nahe des Eingangs entdeckt. Deren Datierung und Deutung ist jedoch (auch aufgrund des unvollständigen Erhaltungszustandes) umstritten, mutmaßlich berichtet sie von einer Restauration der Bestattung in der ramessidischen oder Spätzeit.
Über den Eingang, vier Meter hoch an der Nordseite der Pyramide gelegen, gelangt man ins Innere. Ein abfallender Korridor führt knapp 32m tief in den ersten Raum, eine kleine Kammer von 3,6x3,2m². Deren Wände sind durch Einritzungen in Form von Paneelen und Scheintüren verziert. Auf diese Kammer folgt ein Gang mit drei Fallsteinblöcken in die große Vorkammer. Sie hat Maße von 14,2x3,8m² und ist ost-westlich orientiert. Von dort gehen zwei Passagen ab, eine verläuft nach oben, endet jedoch ziellos im Pyramideninneren, mutmaßlich wurde diese Passage aufgrund einer Planänderung aufgegeben oder diente lediglich der Luftzufuhr. Eine kurze absteigende Passage leitet in die Grabkammer über. Diese ist vollständig mit Granitplatten verkleidet und weist eine gewölbte Decke auf; sie misst 2,6x6,6m² bei 3,4m Höhe. Der Granitsarkophag des Mykerinos wurde noch in situ in der Kammer entdeckt. Neben der Grabkammer, durch einen Quergang mit dieser verbunden, befindet sich eine langrechteckige Kammer, die sechs roh belassene Nischen aufweist, deren Funktion nicht gesichert ist; eventuell dienten sie als Magazine.
Vor der Ostseite der Pyramide liegen die Überreste des Totentempels, wo die für das Nachleben des Herrschers benötigten Kulthandlungen vollzogen wurden. Der Bau war als Kalksteingebäude geplant gewesen und sollte mit Granit verkleidet werden. Einer der Kalksteinquader, verbaut an der Nordwestecke, ist mit mehr als 200 Tonnen Gewicht der schwerste, der sich auf dem gesamten Gizeh-Plateau findet. Die geplante Ausführung des Totentempels wurde tatsächlich nie zu Ende geführt, sondern abrupt abgebrochen, wovon Arbeitsmarkierungen zeugen, die Reisner vorfand. Der Grund für den Abbruch war mutmaßlich das überraschende Ableben Mykerinos. Sein Totentempel wurde erst unter seinem Nachfolger Schepseskaf vollendet, jedoch mit deutlich weniger zeit- und kostenintensiven Lehmziegeln. Durch dieses vergängliche Baumaterial lässt sich der Grundriss des Totentempels nur noch grob nachvollziehen: Auf eine schmale Eingangshalle folgte ein Säulenhof von dem aus die Hauptkultstelle, eine nischenförmige Kammer, wo eine Statue des Herrschers aufgestellt war, betreten werden konnte. Seitlich von dieser befanden sich Magazine, die teils nicht vollständig ausgeführt wurden. Eine rätselhafte Kultstelle befindet sich an der Ostseite der Pyramide noch in deren Umgang, Datierung und genauer Zweck der kleinen, kappellenartigen Struktur sind ungesichert. Vom Totentempel aus sollte ein gepflasterter Aufweg zum Taltempel führen, die gesamte Strecke von über 600m konnte jedoch, wie der Totentempel, nicht zu Lebzeiten Mykerinos fertig gestellt werden. Auch unter Schepseskaf wurde wohl lediglich ein Teil des Weges im oberen Bereich, in der traditionellen Bauweise mit Überdachung ausgeführt.
Vom Taltempel, der zum Pyramidenkomplex des Mykerinos gehört, sind heute nur noch wenige Überreste fassbar. Der Bau wurde zu Lebzeiten des Herrschers lediglich begonnen und nach seinem Ableben hastig in Lehmbauweise fertig gestellt. Zudem sorgten spätere Überschwemmungen und ein Überbau mit Profanbauten dafür, dass der Tempel in seiner ursprünglichen Gestalt heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Der annähernd eckige Bau konnte durch eine Vorkammer, welche seitlich von je vier Magazinräumen flankiert wurde, betreten werden. Er öffnete sich auf einen querrechteckigen offenen Hof, über eine kleine gestufte Portikus gelangte man in das Allerheiligste, einen hochrechteckigen schmalen Raum in der Hauptachse des Tempels. Beidseitig von diesem befanden sich zahlreiche Lagerräume, wo Reisner die bemerkenswerten Statuen-/gruppen des Mykerinos entdeckte.
Südlich der Hauptpyramide wurden drei Nebenpyramiden errichtet, die von der einstigen Umfassungsmauer des Gesamtkomplexes miteingeschlossen wurden. Die drei Bauten liegen in einer parallel zur Südseite der Königspyramide ausgerichteten Linie. Die östlichste der Pyramiden (GIII-a) wies einst die klassisch an allen Seiten glatte Pyramidenform auf, während die zwei anderen Pyramiden (GIII-b und GIII-c) in Stufenform ausgeführt wurden. Ausführlichere wissenschaftliche Untersuchungen fanden ab 1910 unter Vyse statt, alle Pyramiden waren jedoch zuvor bereits geplündert worden.
Die östlichste der Nebenpyramiden ist zugleich die größte mit einer Kantenlänge von 44,3m, bei einer Höhe von 28,4m, ihr Neigungswinkel entspricht mit 52° der der Hauptpyramide. GIII-a unterscheidet sich durch ihre Größe, die echte pyramidenförmige Gestalt und eine Sockelverkleidung aus kostbarem Granit deutlich von den anderen Nebenpyramiden des Mykerinos. Besagte Unterschiede haben zu der Annahme geführt, dass diese Pyramide zunächst als Kultpyramide für den Herrscher gedacht war und erst nachträglich zur Bestattung einer seiner Frauen genutzt wurde. Die spätere Nutzung als Begräbnisstätte lässt sich klar daran ablesen, dass GIII-a an der Ostseite eine Kultstätte aufweist, ein Granitsarkophag in der Grabkammer entdeckt wurde und dass sich eine Fallsteinvorrichtung im unterirdischen Gangsystem befindet. Warum der Verwendungszweck der Pyramide umdefiniert wurde und welche Königin darin bestattet war, ist nicht gesichert, eventuell wurde die Bestattung sogar erst unter den Nachfolgern Mykerinos` vorgenommen. Das Gangsystem von GIII-a ist schlicht gehalten, an der Nordseite führt ein Schacht unter die Pyramide, der über den kleinen Vorraum in die querrechteckige Hauptkammer führt, wo der Sarkophag aufgefunden wurde. Das Äußere des Baus war ursprünglich, mit Ausnahme des Granitsockels, mit Tura-Kalkstein verkleidet; Überreste des Pyramidions aus Kalkstein haben sich erhalten.
Diese Nebenpyramide, die mittlere der drei Bauwerke, wurde in Stufenbauweise errichtet. Die beiden unteren Stufen bestehen aus je drei Steinlagen, die beiden oberen Stufen aus je fünf Lagen Gestein. Der obere Bereich der Pyramide ist heute stark zerstört, ehemals mag sie ca. 21-22m in der Höhe gemessen haben, bei einer Seitenlänge von 31,2m. Der Eingang unter die Pyramide befindet sich an deren Nordseite, jedoch etwas entfernt von der Basis. Auf einen absteigenden Korridor folgen Vor- und Grabkammer. Letztere befindet sich nicht zentral unter der Pyramide, was ungewöhnlich ist, auch ihre nord-südliche Ausrichtung ist bemerkenswert. In der mit Kalkstein verkleideten Grabkammer befand sich ein beschädigter Sarkophag aus Rosengranit, in dem Skeletteile einer jungen Frau entdeckt wurden. Diese sind jedoch wohl erst nachträglich in die Pyramide gebracht worden, welche Königin Mykerinos` ursprünglich dort bestattet worden ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. In der Grabkammer konnte ein gekritzeltes Graffito der Pyramidenbauer ausgemacht werden, das den Namen des Pharao Mykerinos nennt. Nur anhand von diesem war es möglich den gesamten Pyramidenkomplex diesem Herrscher zuzuordnen. Wie die anderen beiden Nebenpyramiden verfügte auch GIII-b über einen Kulttempel, der überwiegend aus Lehmziegeln bestand.
Mit einem Basismaß von 31,6m, einer Höhe von ca. 21m und ihrer Stufenform entspricht GIII-c fast völlig der benachbarten Pyramide GIII-b. Die westlichste der drei Nebenpyramiden weist leider starke Beschädigungen auf, die daher rühren, dass französische „Forschende“ (allerdings erfolglos) versucht hatten sich durch Kanonenbeschuss gewaltsam Zugang zum Pyramideninneren zu verschaffen. Auffällig ist, dass die unterirdischen Kammern, wie üblich erreichbar über einen Schacht an der Nordseite, nie vollendet wurden. Funde von Arbeitswerkzeugen in der Grabkammer könnten darauf hinweisen, dass die Bautätigkeiten ungeplant und abrupt beendet werden mussten. GIII-c kann keiner von Mykerinos` Königinnen oder Töchtern zugeordnet werden. Die mehrere Räume umfassende Totenkultstätte bei der Pyramide ist die größte ihrer Art der drei Nebenpyramiden.
In der Grabkammer der Königspyramide entdeckte Vyse den Sarkophag Mykerinos. Dieser war aus dunklem Gestein, wohl Basalt, gefertigt und detailreich mit einer Palastfassade an den Außenseiten verziert; Inschriften fanden sich hingegen nicht. Der Sarkophagdeckel befand sich nicht mehr in situ, Plünderer hatten ihn abgenommen und zerstört; seine Fragmente wurden in einem nahen Schacht gefunden. Der rund 3t schwere Sarkophag sollte von Alexandria aus nach England gebracht werden, das Transportschiff sank jedoch vor Spanien und der einzigartige Sarkophag ging verloren. Zusätzlich zu dem Steinsarg entdeckten Ausgräber zudem den Deckel eines menschengestaltigen Holzsarkophags, dessen hieroglyphische Inschrift König Mykerinos nennt. Fragmente eines menschlichen Skelettes fanden sich in unmittelbarer Nähe. Eine Analyse von Holzsarg und Knochen ergab jedoch, dass beides erst Jahrhunderte nach der Bestattung des Herrschers in dessen Pyramide gelangt sein konnte. Realistisch erscheint, dass etwa zur Saitenzeit eine Umbettung bzw. Restaurierung von Mykerinos`, wohl durch Grabräuber beschädigte, Bestattung vorgenommen wurde.
In den Magazinräumen des Taltempels entdeckte eine Forschungsgruppe unter Reisner 17 Statuen bzw. Statuengruppen. Diese Abbilder Mykerinos gehören zu den schönsten Werken altägyptischer Bildhauerkunst. Vier Triaden, gefertigt aus Grauwacke und sehr gut erhalten, sind besonders bekannt, sie bilden den Herrscher jeweils mit der Göttin Hathor sowie einer Gaugottheit ab. Inschriften auf der Basisplatte benennen Mykerinos und geben eine Rede Hathors wieder, in der sie dem Herrscher dessen Versorgung im Jenseits gewährt. Mykerinos ist durch die Krone Oberägyptens erkennbar, zudem trägt er den traditionellen Götterbart sowie einen Schurz. Hathor wird durch das typische Kuhgehörn mit Sonnenscheibe, das auf ihrem Haupt thront, gekennzeichnet; die Gaugottheiten tragen den für sie jeweilig charakteristischen hohen Kopfputz. Ehemals waren die Figuren farbig bemalt, wovon sich lediglich Spuren erhalten haben. Drei dieser Statuentriaden befinden sich heute in Kairo, die vierte wird in Boston ausgestellt. Dort befindet sich auch eine Doppelstatue, die Mykerinos und seine Königin (wohl Chamerernebti II.) zeigt, die ihn umfasst. Unter den weiteren Statuenfunden sticht eine überlebensgroße Sitzstatue des Herrschers hervor. Sie ist aus Alabaster gefertigt und wurde zerbrochen im Totentempel entdeckt. Mutmaßlich handelt es sich um das Hauptkultbild des Tempes, das im Allerheiligsten aufgestellt war und vor dem unter anderem Opfer vollzogen wurden.