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„Die strahlende Pyramide“, so der altägyptische Name des Bauwerkes, wurde wie die nahe gelegene Knickpyramide unter Pharao Snofru errichtet. Der Baubeginn kann auf sein 30. Regierungsjahr datiert werden, eine hieratische Bauinschrift auf einem Eckstein benennt dies. Zu dem Zeitpunkt existierte in Meidum bereits eine Stufenpyramide für den Herrscher und auch in Dahschur selbst, nur wenig entfernt, waren die Bauarbeiten an der Knickpyramide bereits fortgeschritten. Es mögen die statischen Probleme bei der Errichtung Letzterer gewesen sein, die Snofru veranlassten eine weitere Grabstätte erbauen zu lassen.
Die Nordpyramide Snofrus ist die erste „echte“ Pyramide, die von Anfang an in der klassischen, uns heute bekannten Pyramidenform mit gleichmäßig ansteigendem Winkel ohne Stufen oder Knick ausgeführt werden konnte. Der Bauplatz nördlich der Knickpyramide weist einen festeren Untergrund auf, die Basislänge wurde gegenüber dem Vorgängerbau noch einmal deutlich erhöht (220m statt 188m) und der Neigungswinkel flacher gewählt (er entspricht mit 44° dem des oberen Teils der Knickpyramide). Auch die Verlegung der Steinblöcke wurde von Beginn an in horizontalen Lagen ohne Neigung nach innen ausgeführt; diese Technik wurde bei der Knickpyramide erst im oberen Teil angewendet. Als Resultat all dieser Maßnahmen konnten die Baumeister eine imposante Pyramide mit 105m Höhe (heue noch ca. 100m) und 220m Basislänge schaffen. Das Kalkgestein aus nahegelegenen Steinbrüchen, welches zur Aufschichtung des Pyramidenkerns genutzt wurde, hat eine rötliche Färbung, daher wird die Pyramide auch Rote Pyramide genannt. Ehemals war sie mit feinem weißem Kalkstein verkleidet, von diesem finden sich heute an der Pyramide lediglich restaurierte Überreste an der Basis.
Während seiner Arbeit an der Nordpyramide entdeckte der deutsche Ägyptologe Rainer Stadelmann den Abschlussstein des Bauwerks, das Pyramidion. Es muss von den Steinräubern, die die äußere Verkleidung plünderten, keine Beachtung gefunden haben und lag in Fragmenten am Fuß der Ostseite der Pyramide. Das Pyramidion ist das älteste entdeckte Ägyptens und wurde aus einem einzelnen Steinblock gearbeitet. Das Material ist dasselbe wie das der Pyramidenverkleidung. Tatsächlich ist der Abschlussstein vollkommen schmucklos, er weist ein Basismaß von 1,57m auf bei einer Neigung von etwa 54° und ist damit steiler als der eigentliche Neigungswinkel des Bauwerks. Das restaurierte Pyramidion ist heute im Totentempel der Nordpyramide ausgestellt.
Das Innere der Pyramide ist über einen absteigenden Gang zugänglich, der an der Nordseite der Pyramide in 28m Höhe beginnt. Diese Passage von lediglich 0,91m Höhe und 1,23m Breite führt bis auf Bodenniveau. Am Ende der Passage liegt ein kleiner Schacht, der wohl zur Aufnahme von Regenwasser dient. Das letzte kurze Teilstück des Ganges führt horizontal auf die erste Vorkammer zu. Auffällig ist, dass es keinerlei Sperrsysteme gibt, wie dies etwa bei der Knickpyramide der Fall ist. Ein weiterer Unterschied zu deren Innenbauten besteht darin, dass keine unterirdischen Anlagen existieren, sämtliche Kammern und Gänge befinden sich auf Bodenniveau oder höher. Dafür werden zwei Erklärungen angeführt: Zum einen könnte diese Bauweise die Stabilität des Baugrundes weniger gefährdet haben und zum anderen könnte der Bezug des Pharaos zum falkengestaltigen Gott Horus und zur Sonne zu einer erhöhten Anlage der Pyramidenkammern geführt haben. Diese Bauweise wurde noch bis zu den Innenbauten der Cheops-Pyramide angewendet.
Zwei Vorkammern mit nordsüdlicher Ausrichtung sind hintereinander angeordnet. Sie sind in übereinstimmenden Maßen von 8,36m Länge, 3,65m Breite und einer Höhe von 12,31m ausgeführt, ihre Decken sind in Kragsteintechnik gebildet. Die Verbindung der Kammern erfolgt über eine 3m kurze Passage. Die zweite Vorkammer liegt exakt in der Pyramidenmitte und ist leicht seitlich versetzt zur ersten Kammer errichtet worden.
Der einzige Zugang zur Grabkammer befindet sich in der hinteren Vorkammer in 7,6m Höhe der Südwand. Ein horizontaler Gang von 7m Länge verbindet die beiden Kammern. Im Gegensatz zu den beiden Vorkammern ist die Grabkammer in ostwestlicher Richtung orientiert, was hier erstmals in der Geschichte festgestellt werden kann. Die Kammer liegt höher als die Vorkammern und weist größere Ausmaße von 8,55m Länge, 4,18m Breite und 14,67m Höhe auf. Die Decke ist typisch als Kraggewölbe erbaut. Die Grabkammer weist Schäden durch Grabräuber auf: Es finden sich Rußspuren von Fackeln an Wänden und Decken und der Boden ist teilweise bis in mehrere Lagen tief herausgerissen worden. Überreste einer königlichen Bestattung konnten nicht gefunden werden, trotzdem gilt die Rote Pyramide heute als wahrscheinlichste Begräbnisstätte Snofrus.
Die Gesamtanlage der Roten Pyramide ist heute fast zur Gänze verloren. Auffallend ist, dass es keine Nebenpyramide gegeben hat, eventuell verzichteten die antiken Baumeister auf deren Errichtung, da die nahe gelegene Knickpyramide als Kultstätte genutzt werden konnte. Grabungen belegen eine Ziegelmauer, die die Pyramide allseitig umgab, wobei die Abstände zu den Pyramidenseiten unregelmäßig zwischen 15 und 26m ausgeführt wurden. Die Umfassungsmauer erstreckte sich in südöstlicher Richtung länger, war also nicht quadratisch. Exakt in der nordöstlichen Ecke der Mauer existierte ein nicht genau zu identifizierender Lehmziegelbau mit querrechteckiger Ausrichtung.
Der einstige Totentempel der Roten Pyramide an deren Ostseite lässt sich nur noch in Grundzügen nachvollziehen. Es handelte sich um ein Innenheiligtum, beidseitig eingefasst von Steinkapellen. Kreisrunde Vertiefungen in den Höfen nördlich und südlich des Tempels mögen als Gruben für Bestattungsbeigaben oder für Pflanzgefäße gedient haben. Die Ausmaße des Tempels übertrafen die der kleinen Kultkapelle an der Knickpyramide, blieben aber weit unter dem Maß der Totentempel späterer Pyramidenanlagen. Ein echter Aufweg scheint nie errichtet worden zu sein und auch vom Taltempel wurden 1904 lediglich spärlichste Reste entdeckt. Interessant ist der Fund einer Stele aus der Zeit Pepis I., eines Pharaos der 6. Dynastie, auf der festgehalten wurde, dass die zwei Pyramidenanlagen Snofrus von der Steuerpflicht befreit würden. Generell deuten die wenig sorgfältige Ausführung der Gesamtanlage der Pyramide in Lehmziegelbauweise, statt wie üblich aus Kalkgestein, sowie der nicht gemauerte Aufweg darauf hin, dass die Bauten überhastet, vielleicht erst nach dem Tod Snofrus beendet wurden.
Die Bedeutung der Pyramidenanlagen Snofrus in Meidum und Dahschur kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Vorbild einer großen Stufenpyramide konnte lediglich die Anlage Djosers genommen werden. Snofrus Baumeister entwickelten daraus, in mehreren Anläufen und mit Fehlschlägen einhergehend, die erste echte Pyramide. Doch nicht nur in Bezug auf die äußere Form waren Snofrus Bauten stilgebend, auch die inneren Kammern und Gangsysteme seiner Pyramiden dienten als Vorbild beim Bau der Gizeh-Pyramiden. Errechnet man das Gesamtvolumen aller Steinbauten Snofrus ergibt sich, dass er mehr Baumaterial bewegen ließ als irgendein anderer Pharao. Selbst sein Sohn Cheops, der die größte ägyptische Pyramide errichten ließ, übertraf (betrachtet man das reine Steinvolumen) seinen Vater als größten, innovativen Bauherrn nicht.