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  • Die Pyramids von Gizeh

    Der Pyramidenkomplex Amenemhets III. in Hawara

    In der fruchtbaren Senke des Fayum, genauer in Hawara, ließ Pharao Amenemhet III. seine eindrucksvolle Pyramide als letzte Ruhestätte errichten, ihr vorgelagert war das sogenannte „Labyrinth“ eine einzigartige Tempelanlage mit enormen Ausmaßen.


    Amenemhet III.

    Als Sohn des Herrschers Sesostris III. bestieg Amenemhet III. als sechster Pharao der 12. Dynastie den Thron Ägyptens. Ihm sollte eine lange Regentschaft von mehr als vier Jahrzehnten etwa von 1842-1795v.Chr. (gemäß anderen Datierungen 1818-1772 v.Chr. oder 1853-1806v.Chr.) vergönnt sein. Sein Eigenname Amen-em-het bedeutet „Amun ist an der Spitze“ und bezieht sich auf den Reichsgott Amun, dem die Bereiche Schöpfung, Fruchtbarkeit sowie Luft zugeordnet waren. Als königliche Gemahlinnen sind Aat, Chnumneferhedjet und Hetepi bekannt, Letztere war die Mutter des Thronfolgers Amenemhet IV. Töchter Amenemhets waren Neferuptah und Nofrusobek, Erstere ist durch reiche Grabfunde bekannt, während ihre Schwester Nofrusobek als Pharaonin vier Jahre die Geschicke Ägyptens lenkte.

    Innenpolitisch war die wichtigste Tat Amenemhets III. die Erschließung des Fayum, das einst sumpfige Gebiet wurde durch den Bau des mer-wer, des großen Kanals (heute bekannt als Bahr-Yussuf, d.h. Josefskanal), welcher Nilwasser dorthin leitete, fruchtbar gemacht und als Ackerland erschlossen. Es entstand der gewaltige Moeris-See und das Fayum wurde zur Kornkammer Ägyptens.

    Die gewaltigsten Bauwerke Amenemhets III. sind seine zwei Pyramidenkomplexe in Dahschur und Hawara, darüber hinaus entstanden ein (bis heute gut erhaltener) Lehmziegelpalast in Bubastis, ein der Erntegöttin Renenutet geweihtes Heiligtum in Medinet Madi, ein Tempel für den Krokodilsgott Sobek in Kiman Faras sowie eine Bootsstation in Karnak.

    Der Pyramidenkomplex

    In seinem 15. Regierungsjahr veranlasste Amenemhet III. den Bau seines zweiten Pyramidenbezirks, die bereits bestehende Pyramide in Dahschur musste wegen baulicher Mängel aufgegeben werden. Als neuer Standort für seine letzte Ruhestätte wählte der Herrscher Hawara, wo bereits die Pyramidenanlage seines Großvaters errichtet worden war. Sowohl Bauplan als auch Ausführung der Grabbezirke von Dahschur und Hawara unterscheiden sich dabei deutlich.

    Der Komplex von Hawara wurde ursprünglich von einer Mauer umgeben, die sich in Nord-Süd Richtung 385x158m erstreckte, die Pyramide lag am Nordende des eingefriedeten Areals. Mittig an Ihrer Rückseite (Nordseite) konnten Überreste einer Kapelle nachgewiesen werden. Südlich der Pyramide befand sich der Totentempel, das sogenannte „Labyrinth“. Der einzige Zugang zum Grabkomplex, zu welchem einst der Aufweg führte, lag im Südosten der Umfassung. Die nord-südliche Ausrichtung der Ummauerung, ihre langrechteckige Form sowie die Platzierung der Pyramide erinnern an den Grabkomplex König Djosers in Sakkara. Eine Nebenpyramide oder Königinnenpyramiden existierten nicht, ebenso wurde kein Taltempel ergraben. Der Name der Pyramide Amenemhets III. in Hawara ist nicht gesichert, eventuell lautete dieser „Amenemhet lebt“, andererseits könnte sich diese Bezeichnung auch auf andere Teile des gesamten Grabkomplex bezogen haben, da in der 12. Dynastie unterschiedliche Namen für die eigentliche Pyramide sowie ihr zugehörige Bauelemente wie den Totentempel oder die Pyramidenstadt verwendet wurden.

    Die Pyramide

    Mit etwa 20m Höhe bietet die Pyramide Amenemhets III. noch immer ein eindrucksvolles Bild und ist das weithin sichtbare Symbol der Nekropole von Hawara. Ihr Kern wurde aus Lehmziegeln errichtet über die ein Mantel aus hellem Kalkstein gelegt wurde. Die Basismaß des Bauwerks betrug ursprünglich 105m, bei einem Neigungswinkel von 48° ergab sich eine Höhe von 58m. Die Pyramide wurde bereits in antiker Zeit als Steinbruch verwendet, ohne die schützende Kalksteinschicht war und ist der Ziegelkern der Witterung ausgesetzt, so dass die einst symmetrische Form einem ungleichmäßigem Hügel gewichen ist. Die Pyramide Amenemhets III. war die letzte monumentale Pyramide, die die alten Ägypter errichteten, mit der 13. Dynastie (die nur wenige Pyramiden geringen Ausmaßes hervorbrachte) endete das Zeitalter dieser faszinierenden Grabmäler.


    Das Innere

    Das Gangsystem

    Das Innere des Grabmals wurde erstmals 1889 vom Briten Flinders Petrie dokumentiert. Gangsystem und Grabkammer waren über einen Zugang an der Südseite der Pyramide zugänglich. Ein Treppenkorridor führt auf einer Länge von 40m geradlinig in die Tiefe, wo er in eine kleine Kammer mündet. Von dieser geht ein Gang ab, der nach wenigen Metern ziellos endet, es handelt sich dabei wohl um eine Blindpassage, die Grabräuber in die Irre führen sollte. Der tatsächliche Weg in die Grabkammer setzt sich in der Decke der kleinen Kammer fort, von der ein kurzer Gang 90° abgewinkelt zum Eingangskorridor Richtung Osten in eine weitere Kammer führt. Erneut wird der Weg in Form eines Zugangs an der Decke der Kammer fortgeführt, danach wiederum leitet eine kurze Passage, diesmal nach Norden abzweigend, in eine dritte Kammer weiter. Ein kurzer Gang verbindet diese mit der quergelagerten, ost-westlich ausgerichteten Vorkammer.

    Insgesamt drei Fallsperren mit Verschlussplatten aus Quarzitgestein befinden sich auf dem beschriebenen Weg, nur eine davon war tatsächlich genutzt worden, zudem fanden sich Überreste einer hölzernen Verschlusstür; all diese Einbauten sollten dem Schutz der königlichen Mumie und der kostbaren Beigaben dienen.

    Interessant ist der Fund eines Kalkstein-Modells von 72cm Länge, welches wohl das Innere der Pyramide Amenemhets III. mit ihren kurzen, verwinkelten Gängen darstellt, es wurde 1976 unter dem Fundament des Taltempels ebendiesen Herrschers in Dahschur entdeckt.

    Die Grabkammer

    Die Grabkammer befindet sich leicht westlich des Zentrums der Pyramide, wenig unter deren Grundfläche. Die Kammer wurde auf einzigartige Weise, neuartig und mit großem architektonischem Können konstruiert. Ihr Grund besteht aus einem riesigem Steinmonolith, geformt als dreiseitige, nach oben hin offene Wanne mit Maßen von 7x2,5x1,8m bei einem Gewicht von etwa 110t. In diese Wane wurden zwei Sarkophage eingebracht: Ein Quarzitsarkophag für den Herrscher, dessen Sockel mit Nischendekor verziert war, sowie ein kleinerer Sarkophag; auch zwei Kanopentruhen befanden sich noch in situ. Die Deckplatte der Grabkammer wurde über eine ausgeklügelte Vorrichtung, die mit Ablassen von Sand funktionierte, abgesenkt. Zur Druckentlastung befand sich über der Grabkammer ein dreieckiges Gewölbe aus Kalksteinbalken, darüber wiederum waren Lehmziegel in Bogenform verlegt um das Gewicht des Oberbaus seitlich von der Grabkammer abzulenken.

    Funde

    Zur Zeit Ihrer Auffindung war die Grabausstattung Amenemhets III. bereits größtenteils Plünderern zum Opfern gefallen. Die Grabkammer selbst war zudem von Grundwasser geflutet. Trotzdem konnte Petrie darin neben den Sarkophagen zwei Kanopentruhen entdecken. In der Vorkammer entdeckte der Archäologe eine Opferplatte aus Alabaster mit einem Reliefdekor, das Nahrungsmittel darstellt. Am selben Ort konnten auch Schalen in Entenform, versehen mit dem Namen der Prinzessin Neferuptah, sichergestellt werden. Dieser Fund ließ die Ausgräber vermuten, dass Amenemhet III. gemeinsam mit dieser Tochter in der Grabkammer seiner Pyramide bestattet worden sei. 1956 jedoch wurde die eigentliche Bestattung Neferuptahs entdeckt, in einer eigenen Pyramide unweit der ihres Vaters entfernt. Lediglich die im Boden versenkte Grabkammer existierte davon noch, so dass die Bestattung unberührt geblieben war; unter anderem konnten wunderschöne Schmuckstücke, wertvolle Vasen sowie ein Granitsarkophag geborgen werden.


    Das Labyrinth

    Aussehen & Funktion

    Südlich vor der Pyramide, innerhalb der Umfassungsmauer des gesamten Komplexes, befand sich das sogenannte „Labyrinth“. Eine riesiger, architektonisch einzigartiger Bau, welcher von griechischen und römischen Geschichtsschreibern ausführlich beschrieben wurde. Leider ist außer diesen Beschreibungen fast nichts von dem Bauwerk erhalten geblieben, die spärlichen Fundamentreste vor Ort lassen keine gesicherte Rekonstruktion zu. Die Funktion des Labyrinths hingegen scheint einleuchtend geklärt: Der Standort vor der Hauptpyramide war traditionell dem Totentempel vorbehalten, wo Riten abgehalten wurden um den verstorbenen Herrscher zu ehren und seinen Fortbestand im Jenseits zu sichern; sicherlich diente auch das Labyrinth hauptsächlich diesem Zweck. Der Pyramidenhof Amenemhets III. in Hawara war der größte der zur Zeit des Mittleren Reiches überhaupt errichtet wurde, nur so konnte dem riesigen Labyrinth ausreichend Platz geboten werden.

    Der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschreibt das Labyrinth, welches er persönlich besichtigt haben soll, im 5. Jh. mit folgenden Worten: „Ein Werk über alle Beschreibung“, es „übertrifft auch noch die Pyramiden“ mit „dreitausend Kammern“. „Ein Werk, das über allen menschlichen Werken steht“ und „tausend Wunder“ bietet, dessen „Wände voll sind von eingeschnittenen Bildern.“ (Herodot Historien II, 148).

    Weiteren antiken Autoren, wie Strabon und Plinius dem Älteren zu Folge, bestand das eindrucksvolle Gebäude aus zahlreichen aufeinander folgenden Höfen, Säulenhallen, Sälen und Schreinen; auch Palästen, deren Anzahl der der Verwaltungsbezirke Ägyptens entsprochen haben soll. Das Labyrinth erhielt seinen Namen aufgrund der hohen Anzahl an verwinkelten Räumen, ein Irrgarten nach moderner Definition war es nicht. Verglichen wurde das Labyrinth Amenemhets III. in Hawara mit seinem berühmten Namensvetter, dem mythischen Labyrinth des Königs Minos in Knossos, welches der Baumeister Daidalos als Wohnstätte des Minotaurus geschaffen haben soll. Das Labyrinth des Pyramidenkomplexes in Hawara war wohl mehrstöckig, Schriftquellen berichten von der Existenz unterirdischer Krypten, wo der Hauptgott des Fayum, der krokodilgestaltige Sobek, verehrt wurde.

    Wie auch immer das Labyrinth, der Kultkomplex Amenemhets III., im Detail ausgesehen haben mag, es muss sich um eine äußerst komplexe, aufwändig gestaltete Anlage ohne Parallele gehandelt haben, die Generationen antiker Geschichtsschreiber fasziniert hat. Mutmaßlich könnte der von Kapellen umstandene Sedfesthof der Djoserpyramide in Sakkara als architektonisches Vorbild gedient haben.

    Funde

    Im Bereich um die Pyramide und am ehemaligen Standort des Labyrinths entdeckten Ägyptologen Überreste von zwei Kapellen aus Granit, sowie Fragmente einer Kolossalstatue Amenemhets III. Darüber hinaus haben sich Teile von Statuen ägyptischer Gottheiten wie Hathor und Sobek, weitere Fragmente von königlichen Bildnissen sowie von Opferträgern erhalten. Zusätzlich konnten Teile von Reliefdekor und Überreste von Säulen sichergestellt werden.

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