Pharao Djoser herrschte während der 3. Dynastie um die Zeit von ca. 2700-2610 v.Chr. (exakt ist dies nicht zu bestimmen) über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten. Seine Pyramidenanlage in Sakkara ist von herausragender Bedeutung für die weitere Entwicklung altägyptischer Grabanlagen und stellte alles bis dato Bekannte in den Schatten. Zuvor waren Mastabas, rechteckige Lehmziegelbauten, als Begräbnisstätten genutzt worden; einige von diesen Anlagen finden sich noch heute südwestlich der Pyramide. Mutmaßlich unter der Leitung des berühmten Architekten Imhotep entstand mit Djosers Grabkomplex der erste pharaonische Steinbau von gewaltigen Ausmaßen.
Im Gebiet der Nekropole von Sakkara wurden insgesamt elf Hauptpyramiden errichtet, des Weiteren hunderte Beamtengräber und zahlreiche frühe Mastabas. Sakkara wurde bereits seit Beginn der Pharaonenherrschaft bis in die Zeit der 3. Dynastie als Begräbnisareal von Memphis genutzt. Die meisten Grabbauten der 4. Dynastie wurden dann allerdings in Gizeh errichtet, bevor unter den Pharaonen der folgenden Dynastie wieder Pyramiden in Sakkara gebaut wurden. Mit der 9. Dynastie endete dann die Zeit der Pyramidenbauten in dieser Nekropole.
Die Pyramide
Die Bauphasen in Mastabaform
Djosers Stufenpyramide wurde über Jahre hinweg in wohl insgesamt sechs Bauphasen errichtet. Der erste Schritt war die Erbauung einer Mastaba mit quadratischer Grundfläche von 63x63m und einer Höhe von 8m, umgeben von einer rechteckigen Steinmauer. Der Bau wurde aus Kalksteinblöcken gemauert und mit feinem Kalkstein verkleidet. Bereits in dieser frühen Bauphase entstanden umgebende Bauwerke: der Nord- und Südpavillon, das Südgrab und die Sedkapellen. Auch der unterirdische Bereich mit der Grabkammer wurde aus dem anstehenden Fels herausgeschlagen. In der zweiten Bauphase wurde die Seitenmaße der Mastaba um mehrere Meter auf 71,5m erweitert bei einer allerdings geringeren Höhe von nur 7m. Die folgenden Arbeiten erweiterten die Mastabaanlage auf der Ostseite auf knapp 80m bei einer Höhe von 5m. Alle Bauphasen wurden mit horizontal verlegten, ca. 30cm hohen, Steinblöcken ausgeführt.
Die Bauphasen in Pyramidenform
Das Erscheinungsbild der Grabanlage wurde dann mit dem vierten Bauabschnitt entscheidend verändert: Eine vierstufige Pyramide mit Maßen von 77x85,5m entstand. Neu war auch eine leichte Neigung der Außenwände nach innen (die Wände der Mastaba waren alle noch im rechten Winkel nach oben ausgerichtet); diese Maßnahme sollte wohl die Stabilität der Pyramide erhöhen. Diese Pyramide wurde im folgenden Bauabschnitt auf eine Grundfläche von 119x107m erweitert und umfasste nun insgesamt sechs Stufen. Der ursprüngliche Zugang zum unterirdischen Bereich wurde während dieser Maßnahmen überbaut, was zur Folge hatte, dass ein neuer Eingang an der Nordseite angelegt werden musste. Ihre endgültige Form erreichte die Stufenpyramide Djosers in der sechsten Bauphase. Insgesamt betrug ihre Basis nun 121x109m, sechs Stufen bildeten eine Höhe von 62,5m, wobei die oberste Stufe leicht abgerundet war. Die komplette Pyramide, deren Kern aus Schichten von etwa 50cm hohen Steinblöcken bestand, wurde mit fein geglättetem Kalkstein verkleidet. Ungeklärt ist, ob der Bauplan für eine Stufenpyramide von Anfang an verfolgt wurde oder ob es sich ursprünglich um eine reine Mastabaanlage handeln sollte, die dann erst im Laufe der Zeit ihre finale Form bekam.
Der unterirdische Bereich
Unter der Stufenpyramide ist ein Unterbau von erstaunlichen Ausmaßen in den Fels geschlagen worden. Es handelt sich um den bis dato größten unterirdischen Komplex überhaupt und selbst Pyramidenanlagen späterer Pharaonen sind weit weniger aufwändig gestaltet. Ein regelrechtes Labyrinth mit Schächten von 5,7km Länge, Tunneln, Galerien, Kammern und Vorratsräumen liegt etwa mittig unter der ersten Mastaba und damit nicht zentral auf der Mittelachse der Pyramide, sondern größtenteils unter deren Nordhälfte. Das Hauptelement der unterirdischen Anlage bildet ein riesiger Grabschacht mit einer 7x7m großen Grundfläche und einer Tiefe von 28m, an dessen Ende die Grabkammer lag.
Die Grabkammer
Die Ausgestaltung der Grabkammer umfasste vermutlich mehrere Bauphasen und Umgestaltungen. Eine frühe Ausführung könnte mit Alabaster und Diorit verkleidet worden sein und die Decke war mutmaßlich mit einem Sternenrelief verziert. Wenn die aufgefundenen Reliefreste tatsächlich einer frühen Gestaltung der Grabkammer zuzuordnen sind und nicht zu einem anderen Raum gehörten (dies ist nicht sicher geklärt), würde es sich um das früheste Beispiel einer Sternendecke in einer pharaonischen Grabkammer handeln. Die schlussendliche Form der Grabkammer sah wie folgt aus: Vier Lagen Granitblöcke bildeten ein Gewölbe von 2,96x1,65m, bei einer Höhe von 1,65m. Der einzige Zugang befand sich an der Decke und wurde nach der Bestattung mit einem 3,5t schweren Granitpropfen verschlossen.
Bei ersten Untersuchungen moderner Zeit 1821 unter dem preußischen Generalkonsul von Minutoli wurden im unterirdischen Gangsystem Überreste einer Mumie entdeckt, leider handelte es sich dabei aber um eine spätere Bestattung römischer Zeit. Solche Sekundärbestattungen und einige menschliche Knochenteile fanden sich mehrfach in der Anlage unter Djosers Stufenpyramide. Die Mumie von Pharao Djoser wurde nicht gefunden, sicherlich wurde sie schon in antiker Zeit von Grabräubern entwendet.
Die dekorierten Räume im Ostbezirk
Vom Zentralschacht aus wurden in Richtung Süden, Westen und Norden weitläufige Gänge angelegt, die in quergelagerten Galerien mit einer Vielzahl von Vorratsräumen mündeten. An der Nordseite des Schachts befand sich auch die zentrale Zugangspassage, die als abfallender Gang mit Stufen ins Innere der Pyramide führte. In der vierten Bauphase wurde dieser ursprüngliche Zugang jedoch überbaut und ein sekundärer Eingang, der auf den vorigen hinführt, wurde geschaffen. Sein Eingang liegt innerhalb des Nordtempels der Pyramide.
Von der Zugangstreppe aus sowie vom Zentralschacht ausgehend gelangte man in das östlich gelegene Galeriesystem. An der Westwand des äußersten Quergangs waren Kacheln aus blaugrüner Fayence angebracht. Die Reihung von Fayence-Plättchen wurde von Kalksteinbändern unterteilt. Diese Anordnung sollte wohl Schilfmatten darstellen, ein Baumaterial, aus dem auch der Königspalast beziehungsweise dessen Wandverkleidung bestand. Das Türkis der Kacheln hat dabei einen klaren Unterweltsbezug. In die gekachelte Westwand waren drei vertiefte Scheintüren eingebracht, auf denen Pharao Djoser abgebildet war. Zwei weitere, nahe der Grabkammer gelegene Räume des Ostbezirkes waren komplett mit Fayence-Kacheln ausgekleidet. Auf den Türrahmen nannten Inschriften den Horusnamen Djosers: Netjeri-chet („Göttlichster der Götter“). Dies ist übrigens die einzige Bezeichnung des Pharao innerhalb seines Baukomplexes, der Name Djoser taucht erst in Königslisten späterer Zeit auf. Die besonders sorgfältige, großteils mit Kalksteinverkleidung ausgeführte Ausschmückung des Ostbezirkes führte die Forschung zu der Annahme, dass es sich hier um den unterirdischen Jenseitspalast des Pharao gehandelt haben könnte.
Die Ostschächte
In der frühen Bauphase in Mastabaform wurden elf senkrechte Schächte von 33m Tiefe an der Ostseite des Baus in den Fels geschlagen, von deren Böden aus unregelmäßige Gänge/Galerien Richtung Westen führten. Dieser Bereich liegt tiefer als der restliche unterirdische Bezirk mit Grabkammer. Die Nummerierung der Schächte erfolgt von Norden nach Süden mit I-XI. Die Galerien I-V dienten als Orte für Begräbnisse, zwei Alabastersarkophage und Fragmente weiterer Sarkophage sowie Knochenreste wurden dort entdeckt. In Galerie III fand sich zudem ein Siegelabdruck, der den Horusnamen Djosers nennt. Die Galerien VI-IX waren mit Funden gänzlich anderer Art gefüllt: Eine riesige Ansammlung von Gefäßen, Schalen, Vasen und Tellern aus feinem Gestein wie Alabaster fand sich dort. Insgesamt handelt es sich um die geradezu unfassbare Menge von fast 40.000 Objekten. Einige waren mit Inschriften versehen, die darauf hinweisen, dass die Gefäße bereits vor der Regierung Djosers angefertigt wurden, auch die zuvor erwähnten Knochenfunde sind zeitlich vor Djoser einzuordnen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Pharao Überreste der Bestattungen seiner Vorfahren aus nahe gelegenen, teilweise geplünderten Mastabas früherer Dynastien in die Ostgalerien seines Grabbaus verlegen ließ.
Der gesamte Pyramidenkomplex
Die Umfassungsmauer
Das Areal von Pharao Djosers Pyramidenkomplex wurde von einer gewaltigen Mauer eingefasst. Diese wurde aus Kalksteinblöcken geschichtet und erreichte eine Höhe von ca. 10,5m, bei einer Gesamtlänge von nahezu 1,65km und einer Stärke von 2m. Die komplette Außenmauer war mit feinem Kalkstein verkleidet, was auch bei einem Großteil der inneren Mauern der Fall war. Die massive Außenmauer war durch regelmäßig angeordnete Nischen und kleinere Bastionen untergliedert. Zusätzlich gab es weiter vorkragende Bastionen, geschaffen als Einfassung der insgesamt 14 in der Außenmauer angelegten Scheintore. Der einzige Zugang befand sich in der südöstlichen Ecke. Die Fassadengestaltung mit vertieften Nischen sollte eventuell an Palastarchitektur erinnern; immerhin betrieben die Baumeister der damaligen Zeit einen enormen Aufwand: alle 1.680 Nischen wurden per Hand in das Mauerwerk geschlagen. Teile der Umgebungsmauer, eingeschlossen der Eingangsbereich, sind im Zeitraum von 1946-1956 unter dem französischen Ägyptologen J.P. Lauer rekonstruiert worden und vermitteln heute einen kleinen Einblick in die ehemalige Gestaltung des Gesamtkomplexes.
Der Eingangsbereich
In einem Mauervorsprung in der südöstlichen Ecke der Außenmauer befand sich der hochrechteckige Zugang zum Djoserkomplex. In den Stein gemeißelte „Torflügel“ imitierten eine reale Tür mit Holztoren. Ein langer Gang schloss sich an, dessen Dach beidseitig von je zehn Säulen getragen wurde. Diese Säulen sind nicht freistehend konstruiert worden, sondern mit der Wand dahinter verbunden gewesen, ihre Gesamthöhe betrug ca. 6m. Die Säulenform mit umlaufend halbrunden, schmalen Rippen erinnert an Schilfrohrbündel. Im Bereich der Eingangshalle wurden Statuenfragmente entdeckt sowie der Sockel einer Statue des Königs, die dessen Horusnamen sowie den Namen des Baumeisters Imhotep aufführt. Die Halle endete in der Westportikus, die von vier Doppelsäulen gebildet wurde und hinaus in den Südhof der Pyramide führte.
Der südliche Hof
Zwischen der Südseite der Pyramide und der Umfassungsmauer lag der offene, ca. 100x180m große Bereich des Südhofes. Nur wenige Bauten fanden sich in diesem Areal, so ein kleiner Altar mit Zugangsrampe an der Pyramide, des Weiteren Überreste eines kleinen Tempels im Nordosten des Hofes sowie zwei niedrige Kalksteingebilde, deren Form an den Buchstaben „B“ erinnert. Diese rätselhaften Bauten könnten im Zusammenhang mit dem rituellen Sed-Fest-Lauf stehen oder in Bezug auf das Südgrab errichtet worden sein (abschließend ist dies nicht zu klären). Der Fund einer Inschrift im Südhof weist daraufhin hin, dass Chaemwaset, ein Sohn Ramses des Großen, zur Zeit der 19. Dynastie Restaurierungen im Djoserkomplex durchführen ließ.
Der Totentempel
Der Tempel für den Herrscherkult Pharao Djosers liegt direkt an der Nordseite der Pyramide und ist ost-westlich ausgerichtet. Der Totentempel unterscheidet sich in seinem Aufbau entscheidend von späteren Tempeln dieses Typus, so dass nicht alle seiner Räume und Einrichtungen sicher gedeutet werden können. Heute zeugen nur noch wenige Überreste vom Boden, niedrigem Mauerwerk und Säulen von diesem Bau. Das Bodenniveau des Totentempels war, verglichen mit den umliegenden Bauten, leicht erhöht angelegt. Der Tempel konnte über den südöstlich gelegenen Eingang betreten werden, dieser befand sich unmittelbar neben dem serdab. Der Eingang wies anstelle von Türflügeln die Darstellung einer geöffneten Tür auf der Wand auf. Derartige in Originalgröße einer realen Tür ausgeführte Abbildungen fanden sich auch an anderen Stellen des Djoser-Komplexes.
Der Innenbereich des Tempels
Ein langer gewundener Gang, der die Nord-, Ost- und Westseite des Tempels umlief, führte in das Innere des Bauwerks. Ein zentrales Bauelement bildeten zwei offene, parallel angelegte Höfe. Der Zugang zur südlich davon gelegenen Halle war durch jeweils drei Durchgänge möglich. Die Durchgänge wurden von niedrigen Mauern mit Halbsäulen, die eine Kannellur aufwiesen, voneinander abgetrennt. Auch diese Halbsäulen sind ein Bauelement, das sich immer wieder in der gesamten Pyramidenanlage findet. Im westlichen Hof befand sich der Zugang ins Innere der Pyramide. In zwei Räumen an der Westseite des Totentempels wurden in den Boden vertiefte Steinbecken entdeckt, zudem befand sich dort jeweils ein Kultraum mit zwei Nischen. Die Ausmaße des Totentempels sind recht gering, vermutlich war er größer geplant worden, konnte aber, wie der komplette nördliche Bereich des Pyramidenkomplexes, nicht wie geplant ausgeführt werden. Einige hastig ausgeführte beziehungsweise unvollendete Bereiche der Anlage weisen darauf hin, dass die Bestattung des Herrschers erfolgen musste, als dessen Grabbezirk noch nicht komplett fertig gestellt war.
Der Serdab
Ein kleiner Bau direkt an der Nordseite der Pyramide, östlich benachbart zum Totentempel, ist der serdab (das arabische Wort bedeutet „Keller“). Der aus Kalkstein gemauerte serdab-Kasten wurde von zwei seitlichen Mauern umgeben und wies eine Neigung von 17° auf, was dem Neigungswinkel der angrenzenden Pyramidenstufe entspricht. Eventuell sollte die Neigung zudem den Blick der im Kasten sitzenden Königsstaue auf die Zirkumpolarsterne ermöglichen. Eine originale, lebensgroße und sehr gut erhaltene Sitzstatue Djosers aus Kalkstein wurde in der serdab-Kammer gefunden. Der Pharao ist in ein eng anliegendes Gewand gehüllt, er trägt eine dreiteilige Perücke sowie das nemes-Kopftuch und den Pharaonenbart. Die Augen waren wohl ehemals mit Bergkristalleinlagen gebildet, diese sind jedoch nicht erhalten. Die Statue befinde sich heute im Kairoer Museum; im serdab Djosers ist eine moderne Replik aufgestellt worden. In der Nordwand des serdab-Kastens sind zwei runde Gucklöcher eingebracht. Sie ermöglichten der Statue des Pharao den Blick auf den Hof seiner Pyramidenanlage und die dort ausgeführten Rituale und, wie bereits beschrieben, womöglich darüber hinaus bis zu den Sternen.
Nordhof- und Nordaltar
Der Bereich des vor der Nordseite der Pyramide gelegenen Hofes ist weitgehend unerforscht. Bekannt ist ein niedriges Plateau an der Innenseite der nördlichen Umfassungsmauer. Eine Stufenrampe führte auf das rechteckige Plateau, dessen Oberseite vertieft gearbeitet war. Es könnte sich hierbei um einen Altar oder um eine Standbasis für einen Obelisken handeln. Westlich des „Nordaltars“ sind unterirdische Kornspeicher angelegt, die über Einfülllöcher im Hofboden befüllt werden konnten. Im westlichen Bereich des Nordhofes liegen Grabstätten aus der Zeit der zweiten Dynastie, die überbaut wurden.
Das Südgrab
Am Ende des Südhofes liegt ein langrechteckiger Bau mit mastabaartiger Form und vorgelagerter Kapelle. Die Außenmauern der Kapelle bestanden aus Kalkstein und waren mit Nischen versehen, den oberen Abschluss ein Fries mit aufgerichteter Uräus-Schlange bildete. Die Ostmauer konnte anhand zahlreicher originaler Elemente rekonstruiert werden, ihre Gesamthöhe beträgt heute wie damals 6,15m. Vom länglichen Überbau in Mastabaform führte eine absteigender Treppengang etwa 60m tief in den unterirdischen Bereich des Südgrabes. Dieser weist viele Parallelen zum Unterbau der Pyramide auf wie den absteigenden Korridor, den Grabschacht mit Granitkammer sowie die mit Fayence gefliesten Kammern.
Der Magazinraum
Vom absteigenden Gang geht etwa auf halbem Weg ein langrechteckiger Magazinraum ab. Dort wurden zahlreiche Ton- und Keramikgefäße, eine hölzerne Trage sowie goldverzierte Baldachinstangen entdeckt. Der Großteil der Keramikgefäße war mit Inschriften beziehungsweise mit in Tinte geschrieben Titeln und Texten versehen. Diese nennen beinahe sämtliche Pharaonennamen der 1. und 2. Dynastie, genauso ist dies auch bei den Keramikfunden in den Galerien unter der Pyramide der Fall. In beiden Bereichen wurden wohl Bestattungsbeigaben früherer Könige in die sichereren unterirdischen Bezirke Djosers umgelagert, um sie vor Grabräubern zu schützen.
Der Zentralschacht mit Granitkammer
Der zentrale, senkrecht nach unten führende Schacht weist exakt die gleichen Maße auf wie der unter der Pyramide: 7m im Quadrat und 28m Tiefe. Der „Manövrierraum“ (von dort aus konnte die Grabkammer verschlossen werden) oberhalb der Grabkammer bestand aus Kalksteinplatten, die Decke imitierte Palmholzstämme. Kalksteinblöcke mit Sternenrelief fanden sich in diesem Raum. Durch eine runde, mit einem Granitpropfen verschlossene Aussparung im Boden gelangte man in eine Kammer aus Rosengranit. Ihre Lage definiert sie als Grabkammer, das geringe Ausmaß von 1,60m im Quadrat hätte jedoch die Bestattung eines Erwachsenen nicht erlaubt. Die Deutungen der Kammer sind vielfältig, sie reichen von einem Raum für die Kanopen, über eine Wohnstätte des ka bis hin zur Begräbnisstätte der Kronen.
Die Kammern I-IV
Zwei im hinteren östlichen Bereich gelegene, langrechteckige Kammern waren an den Westwänden aufwändig verziert. In Kammer I war die Verzierung in sechs hochrechteckige Felder unterteilt, auf denen ein Djedpfeiler einen Bogen trug, das Motiv war auf Kalksteinuntergrund mit bläulichen Fayence-Kacheln ausgeführt (ein Großteil dieser ist jedoch nicht mehr erhalten, beziehungsweise fiel Grabräubern zum Opfer). Die westliche Wand von Kammer II war ebenfalls mit Fayence verziert und wies Vertiefungen für drei Scheintüren auf. Die Türrahmen selbiger sind mit Hieroglyphen, welche die Titel Djosers nennen, umgeben. Unter dem Türsturz ist jeweils die steinerne Nachahmung einer eingerollten Türmatte ausgeführt. Die Rückwände der Scheintüren zieren Darstellungen des Pharaos, eine davon zeigt ihn beim rituellen heb-sed-Lauf. Zwei weitere, näher am Zentralschacht gelegene Kammern waren ebenfalls mit Fayence gefließt. Wie unter der Pyramide sollten diese Bereiche wohl den Palast des Königs imitieren. Die Ausführung der Verzierungen im unterirdischen Bereich des Südgrabes ist, verglichen mit dem Unterbau der Pyramide, kunstvoller und vollendet ausgeführt worden, vermutlich wurde das Südgrab daher früher angelegt. Die generelle Deutung des gesamten Südgrabes ist nicht klar: Unter der Pyramide existiert bereits ein Königsgrab, als Bestattungsort für den Leichnam des Pharao kann das Südgrab daher wohl nicht gedient haben.
Der Nord- und Südpavillon
An der Ostseite des Pyramidenkomplexes standen zwei große, hallenähnliche Gebäude mit jeweils vorgelagerten Höfen. Ihre Architektur erinnert an die der Kapellen des Sed-Fest-Hofes im per-wer-Stil mit Halbsäulen an der Fassade und gerundetem Dach. Über dem Zugang des Südpavillons befand sich ein durchgängiger Schmuckfries. Ein enger Korridor mündete in eine innere Nische, die Wände des Korridors weisen historisch bedeutende Inschriften von Besuchern der 18. und 19. Dynastie auf. Die Umgebungsmauer des Hofes vom Südpavillon war mit Nischen unterteilt und mit Halbsäulen gestaltet. Der Hof des Nordpavillons war kleiner als der des Südgebäudes, seine Außenmauer war mit hübschen Halbsäulen in Papyrusform verziert. Die Architektur der beiden Pavillons war sehr ähnlich konstruiert, auch sind beide als Scheinarchitektur erbaut, denn nur wenige Schritte führen ins „Innere“; der Rest der Bauten ist massiv ausgeführt, da nur ihre äußere Erscheinung entscheidend war. Das Phänomen der Scheinbauten begegnet häufiger im Djoserkomplex. Die Funktion des Nord- und Südpavillons ist nicht sicher zu bestimmen.
Der Sed-Fest-Hof und Tempel „T“
Der Sed-Fest-Hof liegt im südöstlichen Bereich des Pyramidenkomplexes und war über eine vom Eingang abzweigende Passage erreichbar. Das Ritual des heb-sed diente der Erneuerung der königlichen Macht und umfasste unter anderem einen rituellen Lauf. Der heb-sed-Hof bestand aus einem zentralen Hof, der auf der Ost- und Westseite von insgesamt 25 Kapellen eingefasst wurde. Alle östlichen Kapellen wurden im Stil des per-wer erbaut, mit glatter Fassade, dekorativem Rundstab und rundem, vorgewölbtem Dach. An der Westseite findet sich darüber hinaus der Bautypus des seh-netjer, die rechteckige Fassade wurde hier mit Rundstäben eingefasst, der obere Bereich wurde als Hohlkehle ausgeführt. Die Kapellen verfügten über eine Statuennische, um ein Abbild des Königs in Osirisgestalt aufzunehmen. Sämtliche Kapellen sind als Scheinbauten ausgeführt, sie sind lediglich „Fassade“ ohne wirklich begehbar zu sein. Dies lässt vermuten, dass der Sed-Fest-Hof als kultischer Ort für den ka des Königs im Jenseits gedient haben könnte und nicht für rituelle Handlungen des lebendigen Herrschers gedacht war, da dafür real nutzbare Anlagen sinnvoller gewesen wären.
Angrenzend an die Rückwand der westlichen Kapelle des heb-sed-Hofes lag der sogenannte „T“-Tempel (Bezeichnung nach J.P. Lauer). Der Tempel bestand aus einer Eingangskolonnade, der Vorkammer, gefolgt von drei Innenhöfen und einem rechteckigen Saal. Teile der Dekoration in Form von djed-Pfeiler-Friesen sind noch erhalten. Der Tempel war sowohl von Westen als auch von Osten her zugänglich. Eventuell spielte Tempel „T“ eine Rolle während des Sed-Festes.
Das Westmassiv
An der inneren Westseite der Umgebungsmauer erstreckte sich das Westmassiv. Es bestand aus drei langgestreckten, vollmassiven Aufbauten, von denen der westlichste die gesamte Länge des Pyramidenkomplexes einnahm mit 400m Länge, einer Breite von 25m und einer Höhe von 5m. Die angrenzenden Bauten waren jeweils etwas kürzer. Auf das östliche Massiv setzt die Pyramide auf, dieses muss also vor der letzten Bauphase der Pyramide bereits bestanden haben. Die Seitenwände des Massivs waren mit Nischen verziert, während die Dachformen flach oder gerundet gestaltet waren. Das riesige unterirdische Gangsystem mit über 400 Kammern war über fünf Zugänge begehbar. Welchem Zweck die Anlage des Massivs diente, kann nur vermutet werden; eventuell wurde es aus Bauschutt der restlichen Bauten errichtet oder es handelt sich um einen früheren Plan der Grabanlage Djosers mit mastabaartiger Form. Auch eine Nutzung als Lager ist aufgrund der unterirdischen Räume möglich.
Der große Graben
Der Pyramidenkomplex Djosers ist von einer meterhohen Steinmauer umschlossen, doch dabei handelt es sich nicht um die einzige Einfassung: Ein gewaltiger Graben von 40m Breite und einer Ausdehnung von 750mx600m umschloss den Komplex zusätzlich. Der Graben wurde aus dem anstehenden Fels geschlagen und war mehrere Meter tief. An der Südseite überlappten sich zwei Grabenenden, dort lag wohl der Zugang zum Grabkomplex. Die Wände des Grabens wiesen Nischen auf, vergleichbar der Gestaltung der Umgebungsmauer. Zwei Pharaonen der 5. Dynastie, Userkaf und Unas, ließen Ihre Pyramiden unmittelbar zum Graben benachbart errichten. Vermutlich war dieser zu diesem Zeitpunkt bereits vom Wüstensand verschüttet, was auch heute noch der Fall ist. Es besteht die Möglichkeit, dass der Graben als Steinbruch für den Djoserkomplex angelegt wurde.