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Die Grabanlage der gleichnamigen Ehegatten Tia und Tia befindet sich in Sakkara, südlich des Aufwegs der Unas Pyramide im Areal der Gräber des Neuen Reiches. Es wurde 1975 zufällig entdeckt, als Ägyptologen in dem Gebiet Ausgrabungen machten um das Grab des Maya (eines Beamten unter Tutanchamun) zu finden. Stattdessen stießen sie auf die Grabanlage des Generals und späteren Pharaos Haremhab, an die sich unmittelbar nördlich das Grab Tias und Tias anschließt, welches zu großen Teilen 1982-1984 freigelegt und anschließend restauriert wurde. Zuletzt konnte 2005-2007 der Vorhof ausgegraben werden.
Die Grabeigentümer sind Tia, eine Schwester Ramses II., Tochter Sethos I. und Tuyas sowie deren Ehemann Tia, welcher als hochrangiger Beamter unter anderem als Schatzhausvorsteher und königlicher Schreiber tätig war. Sie gehörten demnach zu den hochrangigen Personen ihrer Zeit und waren verwandtschaftlich mit der Herrscherfamilie eng verbunden. Ihre Lebenszeit fällt folglich in die 19. Dynastie, genauer in die Herrschaftszeit Ramses II. und seines Vorgängers Sethos I. und damit in das 13. Jh.v.Chr. Das Paar hatte zwei Töchter, namentlich bekannt ist lediglich eine: Mutmetjennefer.
Prinzessin Tia trug Titel wie „Sängerin der Hathor“, „Sängerin des Re von Heliopolis“ und „Sängerin von Amun – groß in ihrem Ruhm“. Derartige Titel waren typisch für weibliche royale Familienmitglieder, deren Mitwirken im Götterkult auf diese Weise ausgedrückt wurde. Ihr Mann Tia bekleidete die höchsten Ämter, bekannt ist er vor allem als Vorsteher des Schatzhauses, weitere Titel waren zum Beispiel: „Aufseher der Rinder des Amun“, „Träger des königlichen Siegels“, „Augen und Ohren des Königs“, „Aufseher der Geheimnisse des Königspalastes“ oder „Fächerträger zur Rechten des Königs“, all diese Titel und Ehrentitel betonen den hohen Rang Tias sowie dessen Nähe zur Königsfamilie.
Als Baumaterial für die letzte Ruhestätte von Tia und Tia diente überwiegend Kalkstein, eine ungewöhnliche Wahl, andere zeitgleiche Gräber verwendeten überwiegend Lehm und nur an ausgewählten Stellen den teureren Kalkstein. Leider führte dies im Laufe der Zeit zu massivem Steinraub, so dass viele Elemente der Anlage nicht mehr original erhalten sind und rekonstruiert wurden. Das Grab ist langrechteckig mit Ost-West Ausrichtung angelegt und verfügt über eine klare Mittelachse die in den Kultbereich führt. Die Orientierung der Grabanlage ist leicht schräg nach Nordwesten hin, mutmaßlich um das direkt angrenzende Grab Haremhabs nicht zu beeinträchtigen. Die Auswahl der Lage hat sicherlich auch mit diesem Nachbargrab zu tun: Haremhab gilt als Gründer der 19. Dynastie, der Ramses II. und damit auch seine Schwester Tia und durch Heirat auch der Beamte Tia angehörten. Auch wenn Haremhab seine Grabstäte in Sakkara noch zu der Zeit erbauen ließ, zu der er als General tätig und noch nicht selbst zum Pharao aufgestiegen war (und dort auch wohl nie bestattet wurde, da später ein Grab im Tal der Könige für Ihn angelegt wurde), war die Platzierung des eigenen Grabes neben dem des Dynastiegründers wohl bedeutend für Tia und Tia. Ein weiterer Grund könnte schlichtweg gewesen sein, dass guter Baugrund für größere Grabanlagen in Sakkara knapp war, der hintere Teil des Grabes von Tia und Tia überlagert tatsächlich zu Teilen den Vorhof eines älteren Grabs der 18. Dynastie, das des Generals Ramose.
Der Bautypus der Grabanalage von Tia und Tia ist der eines Tempelgrabes, die Art und Abfolge der architektonischen Elemente entsprechen denen eines Tempels. Der Zugang erfolgt über den gepflasterten Vorhof, der Pylon mit vorgelagerter Toranlage leitet weiter ins Innere. Als Nächstes schließt sich ein offener Hof an, dessen Südseite baulich an das Grab Haremhabs stößt. Im hinteren Hofbereich befinden sich gegenüberliegend zwei Grabkapellen. Die südliche kann dem Schreiber Iurudef zugewiesen werden, der für Tia und Tia tätig war, die nördliche Kapelle ist größtenteils zerstört, folglich kann ihr Inhaber nicht mehr identifiziert werden, gehörte mutmaßlich aber ebenfalls zum Haushalt der beiden Tia. Ein Durchgang führt in einen zweiten größeren Hof, indem ursprünglich acht Säulen und 6 Pfeiler standen, in diesem liegt der Zugang zum unterirdischen Bestattungsbereich.
Der Hof geht in den Kultbereich über, der aus der quergelagerten Hauptopferkapelle besteht, welche prominent in der Mittelachse der Grabanlage liegt, ihr ist ein Raum mit zwei Säulen vorgelagert. Dieser Vorraum wird beidseitig von zwei weiteren Kapellen eingerahmt, die Südliche diente dem Kult des Apisstiers. Am hinteren Ende des Grabes, direkt angrenzend an dessen Umfassungsmauer, steht erhöht eine Pyramide. Ihre ursprüngliche Höhe betrug rund 6,4m, wobei die Außenhülle aus Kalkstein (der überwiegend geraubt oder wiederverwendet wurde) bestand, das Innere jedoch mit Steinschutt aufgefüllt war. Südlich der Apiskapelle befindet sich an der Außenwand eine Treppe, die einst den Zugang zum Dach des Kultbereiches ermöglichte.
Die gesamten Ausmaße der Grabanlage betragen rund 11,8 m Breite bei 45,3 m Länge.
Das Pyramidion, der Abschlussstein der Grabpyramide war bereits bekannt, bevor das Grab Tias und Tias entdeckt worden war. Bereits 1722 wurde es als eines der ersten altägyptischen Zeugnisse überhaupt nach England gebracht, wo es in Privatbesitz der Familien Lethieullier und Long war. Leider konnte das Pyramidion nach 1792 nicht mehr aufgefunden werden und gilt als verschollen. Glücklicherweise wurden 1738 Zeichnungen davon angefertigt und publiziert, die einen guten Eindruck des Architekturteiles geben. Es wird beschrieben als etwa 76cm hoch bei einer Grundfläche von etwa 91x91cm, gefertigt aus Granit. Die Spitze des Abschlusssteines ist leider nicht mehr erhalten, an seinem unteren Ende befinden sich einige Bestoßungen, beziehungsweise ist Stein abgeplatzt. Alle Flächen des Pyramidions sind mit Darstellungen und Texten versehen. Thematisch beschäftigen sie sich mit dem Göttern Osiris und Re-Harachte sowie dem verstorbenen Grabherren der anbetend vor den thronenden Gottheiten kniet. Über den Szenen, welche den Grabherrn und die Götter zeigen, sind zweiseitig Affen dargestellt, welche die Sonne anbeten, beziehungsweise auf den anderen zwei Seiten des Pyramidions, der Totengott Anubis als gelagerter Schakal. Der Hieroglyphentext nennet den Namen Tias sowie dessen Titel, so dass das Pyramidion zweifelsfrei seinem Grabkomplex von Sakkara zugeordnet werden kann.
Insgesamt 25 kleinere Fragmente des Sarkophags des Schatzhausvorstehers Tias fanden sich verstreut im Areal des Grabes und angrenzender Anlagen. Mutmaßlich zerschlugen Grabräuber den Sarg auf Ihrer Suche nach lohnenswerten Funden in seinem Inneren. Die Bruchstücke belegen, dass Tia mit Perücke und Schmuckkargen dargestellt war und Bänder aus Hieroglyphen Deckel und Wanne des Sarkophags schmückten, zudem waren die typischen mit Bestattung assoziierten Gottheiten abgebildet. Der Sarg wurde aus grauem Granodiorit, einem magmatischem Gestein, gefertigt.
In von frühen Grabräubern hinterlassenen Schutt im Grab Haremhabs, das direkt neben dem Tias und Tias liegt, fanden sich mehrere Zeignise, die den vorgenannten gleichnamigen Grabherren zugeordnet werden können. Darunter ein ungewöhnlicher affenförmiger Sargdeckel aus Holz. Neben diesem fanden sich Knochen von neun Primaten unterschiedlicher Spezies, die sich das Ehepaar mutmaßlich als Haustiere gehalten hat
Ebenfalls aus dem oben erwähnten Grabräuberschutt stammen Fragmente zweier fein gearbeiter Alabastergefäße. Diese stellen den Schatzhausvorsteher Tia als Mumie beziehungsweise dessen Sarg in menschlicher Form dar. Solche Krüge wurden normalerweise als Vierer-Set gefertigt und dienten zur Aufbewahrung der Innereien des Verstorbenen, auch wenn sie meist andersartig geformt waren. Inschriften auf den Gefäßen nennenden Namen Tias, so dass diese Objekte zweifelsfrei zugeordnet werden können.