Menu
  • Tel.: 02241-9 42 42 11
  • Fax.: 02241-9 42 42 99
  • orient@bct-touristik.com
  • Kurze Mitteilung o. Rückruf
  • Katalogbestellung
  • Reiseanmeldung
  • Die Pyramids von Gizeh

    Das Grab des Haremhab in Sakkara

    Die Nekropole von Sakkara ist vor allem für die Pyramidenanlage König Djosers und frühe Bestattungen in Form von Mastaba und Felsengräber bekannt. Jedoch bietet sie auch eine reiche Fülle weitaus später angelegter Grabstätten. Das Grab Haremhabs wurde in der 19. Dynastie erbaut, es liegt südlich der Umfassung der Djoserpyramide und östlich der heute zerfallenen Pyramide des Sechemhet. Das Grab zeichnet sich aus durch seine aufwändige Architektur, kunstvolle Reliefs und Statuenfunde.

    Haremhab

    Haremhab ging als Pharao des Neuen Reiches in die altägyptische Geschichte ein. Als letzter Herrscher der 18. Dynastie lenkte er von ca. 1319-1292 v.Chr. (andere datieren den Regierungsbeginn auf das Jahr 1305 v.Chr.) die Geschicke des Landes. Er entstammt dem Ort Hut-Nesu, dem modernen Sharuna im Regierungsbezirk Al-Minya. Seine Abstammung ist allerdings unbekannt, historisch fassbar wird Haremhab unter König Tutanchamun dessen oberster Heerführer er war. Gemeinsam mit dem Wesir Eje bekleidete er die höchsten Ränge Ägyptens, was Titel wie Obervermögensverwalter, Erbfürst, oder „Stellvertreter des Königs an der Spitze der beiden Länder“ belegen. Da Tutanchamun im Kindesalter den Thron bestieg, regierten faktisch Eje und Haremhab in dessen Namen das Land.

    Eje folgte Tutanchamun, der ohne Nachfolger in jugendlichem Alter verstarb als Pharao nach, regierte jedoch (aufgrund seines hohen Lebensalters) nur wenige Jahre. Haremhab war nun König Ägyptens, da er mit seinem Vorgänger nicht verwandtschaftlich verbunden war, legitimierte er seinen Ansprich auf den Thron mit einer göttlichen Abstammung durch den Gott Horus, Schutzgott des Ortes Hut-Nesu, dem Haremhab entstammt. Auch sein Eigenname Haremhab verweist auf diese Gottheit und bedeutet „Horus ist im Fest“. Die bekannteste seiner Frauen war Mutnedjmet. Unter Haremhab gab es es mehrere Kriegszüge die jedoch nicht durch ägyptische Quellen und nicht lückenlos und chronologisch gesichert sind.

    Als Bauherr trat er an den prominentesten Stätten des Landes in Erscheinung, er vollendete die große Säulenkolonnade des Luxortempels, ließ einen Pylon im Heiligtum von Karnak errichten, schuf Felsentempel in Dschabal-as-Silsila und Gebel Adda und baute ein Millionenjahrhaus in Theben. Zwei Grabanlagen Haremhabs sind bekannt, eine liegt in Sakkara, die andere ist das bekannte Grab im Tal der Könige KV 57, wo er seine letzte Ruhe fand. Haremhab starb in hohem Alter und hinterließ keinen Nachfolger, einer seiner Generäle bestieg unter dem Namen Ramses I. als erster König der 19. Dynastie den Thron. Haremhab verfolgte das Andenken des „Ketzerkönigs“ Echnaton, indem er unter anderem dem Umzug von dessen Hauptstadt Amarna zurück nach Memphis als einer der Hauptverantwortlichen durchführte, er ließ desen Bauten schleifen und nutze das Material teilweise für seine eigenen Bauten. Auch andere Herrscher der Nachamarnazeit wie Tutanchamun und Eje wurde unter der Regierung Haremhabs teilweise aus den Annalen getilgt, ihre Bauten und Statuen usurpiert.

    Die Grabanlage

    Die Grabanlage Haremhabs in Sakkara wurde 1975 entdeckt, zuvor waren bereits Reliefs von dessen Wänden durch Grabräuber in diverse Antikenmuseum gelangt. Haremhab ließ die Anlage zu der Zeit erbauen, als er noch als hoher General und Verwalter für Tutanchamun tätig war. Nach Regierungsantritt wurde der Bau einer gänzlich konträr gestalteten Grabstätte im Tal der Könige nötig. Das Grab in Sakkara wurde als oberirdische Anlage in einem aufwändigen Stil erbaut, der an die Millionenjahrhäuser, die thebanischen Kulttempel erinnert. In insgesamt drei Bauphasen entstand der von Mauern umgebene Komplex mit erstem Pylon (nicht erhalten), Vorhof, zweitem Pylon, Säulenhof, Statuenraum mit Kapellen, einem zweiten offenen Hof und schließlich dem Opferraum, der von einer kleinen Pyramide überdacht war. Das eigentliche Grab liegt unterirdisch im Bereich des zweiten Hofes, dort wurden die Gemahlinnen Haremhabs, Amenia und Mutnedjmet, bestattet.

    Der Vorhof, zweiter Pylon & erster Säulenhof

    Der Grabanlage war einst ein Pylon mit anschließendem gepflasterter Hof vorgelagert, der Pylon ist nicht mehr vorhanden, der Hof konnte dagegen teilweise rekonstruiert werden. An diesen schloss sich der zweite Pylon (und moderner Eingang) an, erbaut aus Lehmziegeln und anschließend mit Kalksteinplatten verkleidet, der eine Höhe von 7m aufwies und heute etwa halbhoch noch existiert. Der Pylon ist gänzlich dekoriert, wie es für nicht royale Gräber typisch war. Durch den Pylon gelangt man in den ersten Hof der Grabanlage, der allseitig von schlanken Papyrussäulen umgeben war, die ehemals die Bedachung stützten. Jede Säule trug im oberen Bereich ein kleines Bildfeld, das den Grabherren Haremhab in Anbetung der Götter zeigte. Die heute zu sehenden Säulen sind alle stark rekonstruiert, die meisten Bildfelder fielen Grabräubern zum Opfer, ebenso wie die Reliefs, welche ursprünglich die Wände des Hofes zierten. Teilweise gelangten diese Bildszenen in Museen, vor allem in das Museum von Kairo, sowie das Leidener Antikenmuseum, aber auch nach Berlin und Bologna, so dass sich das Bildprogramm rekonstruieren lässt.

    Die Südwand zeigt (heute in Form von Kopien, wie es an beinahe allen Stellen im Grab der Fall ist) unter anderem ausländische Gesandte, darunter Asiaten, Nubier, Libyer und Griechen. An der Westwand war eine Stele aufgestellt, deren Original sich heute im British museum befindet. Im Hof vor Ort ist eine Kopie zu finden, deren Bildfeld Haremhab anbetend vor den Göttern Re-Harachte, Maat und Thot zeigt. Über der Szene ist eine geflügelte Sonnenscheibe dargestellt, während der untere Teil der Stele eine religiöse Inschrift trägt, die sämtliche Titel Haremhabs aufführt.

    An der Nordwand sind Szenen, die ein Militärlager und religiöse Feierlichkeiten zeigen, eingemeißelt. Ein Bildfeld zeigt Haremhab, der das Ehrengold (eine Auszeichnung in Form von goldenen Halskragen) an einen hochrangigen Beamten verleiht.

    Der Statuenraum

    Vom Säulenhof führt ein Durchgang mittig in den ehemals von einem halbrunden Dach überwölbten, länglichen Statuenraum weiter, der beidseitig von schmalen Kapellen eingefasst wird. Der Durchgang zum Statuenraum ist mit Reliefs geschmückt, die Haremhab zeigen, der sitzend als Grabherr Opfer empfängt, die vor ihm auf einem Tisch präsentiert werden. Eine Szene in der östlichen Kapelle bildet das Mundöffnungsritual ab, das an einer Statue Haremhabs vollzogen wird. Am hinteren Ende des Statuenraumes waren seitlich des Durchgangs in Nischen Standbildnisse von Haremhab und Anubis aufgestellt, von denen leider nur noch wenige Fragmente erhalten sind.

    Der zweite Säulenhof

    Der hintere Säulenhof weist allseitig insgesamt 16 Papyrusbündelsäulen auf, die mit rund 2m Höhe niedriger sind als die des vorderen Hofes. Die Wandreliefs befanden sich hier teils in einem sehr guten Zustand und sind eine wertvolle Quelle für die Regierungszeit Tutanchamuns und das Leben Haremhabs vor seiner Thronbesteigung. In der Nordwestecke des Hofes befindet sich der Zugang zum unterirdischen Kammersystem, wo die Bestattung erfolgte. Der Stil sämtlicher Dekorationen in der Grabanlage Haremhabs in Sakkara weist noch Anleihen an die Amarna-Zeit auf, er ist realistisch und opulent angelegt. Die Ostwand zeigt einen besiegten nubischen Anführer vor Haremhab, zudem Reihen Gefangener, die registriert werden. Die Südwand bildet Haremhab vor dem Regentenpaar Tutanchamun und Anchesenamun ab, er wird mit Ehrengold ausgezeichnet, hinter ihm befinden sich besiegte Personen asiatischer Herkunft. Weitere Szenen dieser Wand zeigen Haremhab als Beamten sitzend und mit Machtsymbol (Sechemszepter) in der Hand, mehrere Streitwagen, sowie Szenen einer Schlachterei. Die Westwand stellt erneut Haremhab dar, der Menschen geschlagene Völkerschaften vor den Pharao führt. Die nördliche Wand ist schließlich dem Totenkult gewidmet, wehklagende Trauernde sind abgebildet, sowie ein Begräbnisritual, in dessen Verlauf Gefäße zerbrochen wurden. Einst standen zwei Statuenpaare im zweiten Säulenhof, die den Grabherren mit seiner Frau Amenia sitzend darstellten. Eines dieser Kalksteinbildnisse befindet sich heute im British museum.

    Der Opferraum

    Der Opferraum bildet heute den hinteren Abschluss des Grabmals; tatsächlich wurde er jedoch als frühestes Element errichtet, da dort die unabdinglichen Opferrituale erfolgten, durch die der Verstorbene im Jenseits versorgt wurde. Der gedeckte Raum weist zwei Säulen und quadratische Proportionen auf, er wurde einst von einer steilen Pyramide auf dem Dach klar gekennzeichnet. Nur wenige Relieffragmente haben sich erhalten, die Haremhab bei Erntetätigkeiten auf den Jenseitsfeldern zeigen, auch Frauen seiner Familie sind dargestellt. Seitlich der Hauptkammer befinden sich zwei Kapellen, die heutzutage keinerlei Dekoration aufweisen.

    Die unterirdischen Anlagen

    Zwei große, mehrräumige unterirdische Schachtanlagen befinden sich unter der oberirdischen Architektur des Grabmals Haremhabs. Beide gehen auf eine Mastaba der 5.Dynastie zurück, das sich zuvor an der Stelle befand. Der erste unterirdische Bereich liegt unter der Nordwestecke des ersten Hofes und ist 17m tief, in mehreren mit Korridoren verbundenen Räumen wurden unterem anderen ein Granitsarkophag (des Bauherrn der früheren Mastaba Khoy-Wer), Uschebtis der 19. Dynastie und Bestattungen aus koptischer Zeit entdeckt.

    Ausgehend vom vorhandenen Schacht der Mastaba des Alten Reiches, der 10m in die Tiefe führte erweiterten die Baumeister Haremhabs die unterirdische Grabanlage auf 28m Tiefe, sie umfasst zahlreiche Räume und Korridore. Einige Räume weisen Bemalung in Form von Schmuckbändern auf; die Wände sind teilweise mit Palastarchitektur und Scheintüren verziert. Als die Bestattungsräume für Harenhab nach der Thronbesteigung nicht mehr in Frage kamen, wurden letztlich seine Gehmalinnen Amnia und Mutnedjmet dort zur letzten Ruhe gebettet. Leider wurden die Grablegungen beraubt, so dass von der Ausstattung lediglich Fragmente von Uschebtis und Keramik verblieben sind. Die Mumie Mutnedjmets konnte gemeinsam mit einem mumifizierten Totgeborenen entdeckt werden, eentuell verstarb sie im Kindbett, ihr Todesjahr war das 13. Jahr der Regentschaft Haremhabs.

    Zwei weitere, bescheidenere Begräbnisschächte befinden sich zu beiden Seiten des Opferraums, auch sie gehen auf frühere Zeit zurück, weisen jedoch keinerlei Funde aus der Zeit Haremhabs auf.

    BCT-Logo der Ägypten Studienreisen
    Andere Länder Bildrechte
    Close
    Close
    Close