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  • Ancient Hieroglyphs

    Der Doppeltempel von Kom Ombo

    Die Stadt Kom Ombo liegt im südlichen Ägypten, ca. 40km nördlich von Assuan auf dem Weg von dort nach Edfu. Ehemals hieß der Ort „Pa-Sebek“, also „Reich des Sobek“, des Krokodilgottes, der dort seit der Vorzeit verehrt wurde. Aus dem späteren Namen „Ombos“ leitet sich die moderne arabische Bezeichnung Kom Ombo her, was „Hügel von Ombo“ bedeutet. Im Zuge des Baus des Assuan-Staudamms wurden 1963-1965 60.000 Nubier in die Gegend von Kom Ombo umgesiedelt, da ihre alte Heimat dem Wasser zum Opfer fiel. Historische Bedeutung erlangte Kom Ombo unter Ptolemaios VI., der es zur Hauptstadt des ersten oberägyptischen Gaus machte. Aus der Zeit der ptolemäischen Herrscher stammt auch die Hauptsehenswürdigkeit Kom Ombos, der wenige Kilometer vom modernen Stadtzentrum entfernt direkt am Nil gelegene Doppeltempel. Der Kultbau war jahrhundertelang größtenteils unter Schlick und Sand begraben, seine Freilegung erfolgte erst 1893. Auch nachfolgend zerstörte Hochwasser immer wieder Teile der Architektur, so dass etliche Gebäudeteile heute nur noch fragmentarisch erhalten sind. Darüber hinaus kam es unter anderem durch frühchristliche Kopten zu religiös bedingten Ausmeißelungen von Gottheiten und Tierwesen. Die erhaltenen Architekturelemente wie Friese, Kapitelle und Hohlkehlen zeugen von der hohen Handwerkskunst der Bildhauer und zählen zu den schönsten der ptolemäischen Epoche. Auch die Ausführung der Reliefs dieser Zeit ist von hoher Qualität.

    Die Gesamtanlage des Tempels

    Der Doppeltempel von Kom Ombo war zwei Hauptgöttern geweiht, dem falkenköpfigen Haroeris, einer Erscheinungsform des Horus, dem die Zuständigkeiten Heilung, Schutz und Krieg zugeordnet wurden, sowie der Krokodilsgottheit Sobek. Sobek galt als Gott des Wassers und der Fruchtbarkeit, später auch als Schöpfungsgottheit. Dargestellt wurde Sobek typischerweise als Mensch mit Krokodilskopf; parallel dazu wurde Haroeris als Mensch mit Falkenkopf oder in vollständiger Tiergestalt als hockender Falke abgebildet. Bedingt durch diesen Doppelkult weist der Tempel eine architektonische Besonderheit auf: Er ist in seiner Längsachse exakt in einen linken (nördlichen) Bereich für Haroeris und einen rechten (südlichen) Bereich für Sobek geteilt. Jeder Kultbereich verfügt über eine eigene Hauptachse mit separaten Eingängen und Kapellen. Vorgängerbauten existierten wohl bereits seit der 12. Dynastie, sind jedoch heute nur noch schwer fassbar. Beginnend unter Ptolemaios VI. im 2.Jh.v.Chr. errichteten mehrere ptolemäische Herrscher das noch heute sichtbare Gebäude, das noch bis in die römische Kaiserzeit (der letzte dargestellte Kaiser Macrinus regierte bis 218 n.Chr.) ausgeschmückt wurde.

    Die Elemente des Tempelbezirks

    Der gesamte Tempelbezirk wird von einer Ziegelsteinmauer eingefasst, deren nördlicher Arm heute durch Nilfluten teilweise verloren ist. Innerhalb der Umfassung befinden sich neben dem Haupttempel ein Mammisi (größtenteils zerstört), ein Nilometer und zwei Brunnenanlagen sowie je eine Kapelle für Hathor und Sobek, außerdem ein Torbau von Ptolemaios XIII. Der Aufbau des Tempels ist typisch für seine Entstehungszeit und mit den Anlagen von Edfu oder Dendara vergleichbar. Ein pylonartiger Vorbau bildete die monumentale Fassade des Tempels, an ihn schloss sich ein dreiseitig von Säulen umstandener, offener Hof an. Beide Gebäudeteile sind heute kaum noch erhalten. Die daran anschließenden Tempelelemente stehen hingegen weitestgehend noch, auf zwei Säulenhallen folgen drei Vorsäle, hinter denen die Hauptsanktuare liegen. Es existieren ein innerer und ein äußerer Tempelumgang; letzterer wird von der äußeren Tempelmauer und der Außenmauer des inneren Umgangs gebildet. Das Gesamtmaß des Doppeltempels von Kom Ombo beträgt 83,5m Länge bei 61,8m Breite.

    Der Pylon

    Der Pylon des Tempels von Kom Ombo ist größtenteils zerstört, lediglich Reste des südöstlichen Turms sind noch wenig hoch erhalten. Der Turm ist außen mit einer Szene dekoriert, die Kaiser Domitian mit 14 Gottheiten vor der Göttertriade Sobek, Hathor und Chons abbildet, zusammen mit einer 52-zeiligen, erläuternden Hieroglypheninschrift. Weitere Reliefs, die teilweise zerstört sind, zeigen, wie der Kaiser von mythischen Wesen in den Palast geleitet wird und der Herrscher anschließend in Begleitung eines Priesters zum Tempel zieht. Auf der Rückseite des erhaltenen Pylonturmes befinden sich Zugänge, die in Räume im Inneren und auf das Dach führten. Die Überreste des Pylons lassen erkennen, dass dieser recht schmal gewesen sein muss, er wies dieselbe Breite auf wie die Außenmauern des Tempels und muss daher ggf. eher als größerer pylonartiger Torbau angesehen werden, denn als echter, monumentaler Pylon. Der zentrale Zugang mit seinen zwei Toren, die jeweils auf einer Hauptachse zu den Kapellen von Sobek bzw. Haroeris führten, lässt sich anhand der Fundamentreste gut rekonstruieren.

    Der offene Hof

    Der hinter dem Pylon liegende Hof war dreiseitig von insgesamt 16 Rundsäulen umstanden, von denen nur noch Stümpfe vorhanden sind. Auf den Säulenschäften haben sich, in versenktem Relief ausgeführt und teils noch in lebendigen Farben, Darstellungen des Kaisers Tiberius bei Opferhandlungen erhalten. Der gesamte Hof ist gepflastert, zentral ist ein viereckiger Grundriss, eventuell von einem Altar stammend, sichtbar. Seitlich des Altars befinden sich zwei Granitbecken, die mutmaßlich für Reinigungen genutzt wurden. Der Vorhof wird rückseitig von Mauerschranken begrenzt, deren vier Durchgänge (zwei auf den Hauptachsen und zwei weitere an den Außenseiten) in den Säulenhof führen. Die Reliefs auf den Schranken beidseits der zentralen Durchgänge zeigen die Hauptgötter des Tempels (rechts Sobek, links Haroeris, entsprechend der Zuordnung der Tempelhälften), die begutachten, wie Pharao Ptolemaios XII. von Thot und Horus rituell gereinigt wird; den oberen Abschluss der Schranken bildet ein Schlangenfries. Der Hof kann neben den zentralen Zugängen des Pylons auch über zwei seitliche, im hinteren Bereich gelegene Eingänge betreten werden. Der Säulengang leitet beidseitig weiter in den äußeren Tempelumgang.

    Die äußere Säulenhalle

    Aufgrund des sehr schlechten Erhaltungszustands des Pylons und des Hofes erscheint die Fassade der äußeren Säulenhalle dem heutigen Besucher gleichsam wie das Eingangsportal des Kom Ombo-Tempels. Ihr Aufbau ist typisch mit hohen Säulen (ehemals 12m hoch, jedoch sind nicht mehr alle vollständig erhalten), zwischen die halbhohe Mauerschranken gesetzt sind mit einer dekorativen Hohlkehle als oberen Abschluss. Neben den zwei zentralen Portalen, die jeweils von einer geflügelten Sonne überspannt werden, gibt es seitlich je einen kleinen Zugang für das Kultpersonal. Die Säulenhalle wird innen von zehn zweireihig angeordneten Säulen dominiert, die einst das Dach getragen haben, das nur noch in Teilen erhalten ist. Die Rundsäulen werden von aufwändigen Pflanzenkapitellen gekrönt, während die Schäfte ehemals vollständig mit Reliefs und Hieroglyphen verziert waren, deren Überreste hauptsächlich König Ptolemaios XII. vor den Göttern abbilden. Die Decken der Hauptdurchgänge sind mit fliegenden Geiern verziert, zudem zeigt die Decke astronomische Darstellungen. Interessant sind rote Orientierungslinien und Vorzeichnungen, welche die damaligen Künstler als Vorbild nutzen, bevor Sie die Reliefs in den Stein schlugen, und sich an dieser Stelle noch erhalten haben.

    Die Reliefs der Mauerschranken

    Platz für großformatige Reliefs bieten die Mauerschranken, die die Säulenhalle an ihrer Vor- und Rückseite abschließen. An den südwestlichen Innenschranken wird Ptolemaios XII. eingerahmt von Isis und Harsiese sowie Nut und Thot dargestellt, wie er deren Segnung empfängt, Haroeris begutachtet die Szene. Ein weiteres Bild zeigt den Herrscher mit ägyptischen Schutzgöttinnen. Ein drittes Relief bildet eine Opferzeremonie ab, die der Pharao vor vier Fabelwesen abhält. Die Körper der Tiere sind ausgekratzt, diese Zerstörung ist auf koptische Gläubige späterer Zeit zurückzuführen, die Götterfiguren oder dämonische Wesen ausmeißelten, da diese nicht mit dem neuen monotheistischen Gottesbild vereinbar waren; an mehreren Stellen im Tempel treten derartige Beschädigungen auf. Auf den gegenüberliegenden Mauerschranken der äußeren Säulenhalle treten in drei übergeordneten Bildreihen (leider teils zerstört) Ptolemaios VIII. und seine Frau Kleopatra II auf; unter Anderem werden Sie mit der Göttertriade Sobek, Hathor und Panebtaui dargestellt. Eine Szene zeigt die Übergabe des Kom Ombo-Tempels an Sobek und Hathor. Des Weiteren bringt der Pharao Opfer für Osiris, Isis, Geb und Nut dar; auch Schu, Tefnut und Chons werden mit Opfergaben bedacht. Zwischen den zwei Durchgängen zur inneren Säulenhalle ist das heilige Krokodil von Ombos dargestellt.

    Die innere Säulenhalle

    Wie es für Tempel ptolemäischer Bauart typisch ist, fällt die Höhe der Bauelemente zum Sanktuar hin ab. So ist der innere Säulensaal um einiges niedriger als der vorige. Die parallel zu Letzterem errichteten zehn Säulen in zwei Reihen weisen tatsächlich auch einen geringeren Umfang als die der äußeren Halle auf, identisch sind dagegen die formschönen Pflanzenkapitelle. Die Säulenschäfte sind mit Reliefs, welche Ptolemaios VIII. mit verschiedenen Göttern abbilden, dekoriert; auch die Wandbilder zeigen diesen Herrscher. Herauszuheben ist eine Darstellung des Königs, begleitet von seiner Frau und seiner Schwester, der von Haroeris ein Sichelschwert und das Symbol für ewiges Leben überreicht bekommt; diese Szene befindet sich auf der Nordwand. Die Rückwände sind mit Bildern Ptolemaios des IX. in Interaktion mit Haroeris verziert. An der Nordseite führt ein Durchgang in den inneren Tempelumgang.

    Die Vorsäle

    Drei hintereinander angeordnete, quergelagerte schmale Vorsäle bilden den nächsten architektonischen Bereich des Doppeltempels. Dabei ist der jeweils hintere Saal etwas höher gelegen als der vorige, ein typisches Phänomen ptolemäischer Sakralbauten, deren Bodenniveau in Richtung der Kapellen stetig ansteigt, um die Heiligkeit bzw. im wahrsten Sinne des Wortes Erhabenheit der dort verehrten Gottheit herauszustellen. Die einst seitlich der Säle liegenden Magazinräume sind heute fast gänzlich verloren. Die Vorsäle sind vollständig mit Reliefs verziert, besonders eindrücklich ist eine Darstellung auf der Rückwand des dritten Vorsaals, mittig der Durchgänge zu den Kapellen: Die Abbildung zeigt Ptolemaios IX. in Begleitung seiner Frau vor dem Mondgott Chons, dieser schreibt den Namen des Königs auf einen Palmzweig, das Symbol für Dauer und Fortbestand, und gewährt damit dem Herrscher eine lange Regierungszeit. Sobek und Haroeris wohnen der Szene in Ihrer Funktion als Hauptgötter des Tempels bei.

    Die Kapellen und umliegende Räume

    Die Kapellen des Sobek und Haroeris sind leider nur noch als Fundamente erhalten. Die heiligen Räume durften nur von hochrangigen Priestern und dem Herrscher betreten werden und waren ursprünglich die meiste Zeit mit Türen verschlossen. Fragmentarisch erhalten haben sich dunkle Granitblöcke, auf welchen die zeremoniellen Barken der Gottheiten bei heiligen Festen aufgestellt werden konnten. Um die Kapellen herum und hinter diesen lagen zahlreiche kleinere Nebenkammern, über einige von diesen konnten die unterirdischen Geheimgänge des Tempels, die Krypten, betreten werden.

    Der innere Tempelumgang

    Der Zugang zu diesem Bereich ist über den äußeren Säulensaal möglich. Besonders der rückwärtige Teil des Umgangs ist interessant, dort liegen sieben Kammern; von der mittleren aus war über Stufen einst das Tempeldach erreichbar. Die Kammern sollten mit Reliefs und Inschriften dekoriert werden, diese wurden jedoch nicht vollendet, was aus archäologischer Sicht wiederum ein absoluter Glücksfall ist, da sich auf diese Weise die Arbeitsschritte bei der Erstellung der Dekoration von Wänden und Decken sehr gut nachvollziehen lassen.

    Der äußere Tempelumgang

    Der Bereich zwischen der Außenmauer des Tempels und der inneren Umfassungsmauer bildet den dreiseitig umlaufenden äußeren Tempelumgang. Elf großformatige Reliefs aus der römischen Kaiserzeit zieren die Außenseiten des Umgangs, sie bilden diverse römische Herrscher vor den Göttern Ägyptens ab; so etwa Antoninus Pius vor Haroeris, Schu und Tefnut oder Marc Aurel und Lucius Verus, die Haroeris und dessen Gemahlin Tasenetneferet Opfer darbringen. Sehr bekannt und einzigartig ist das sogenannte „Ärzterelief“ an der Rückwand des Tempels. Es zeigt links mehrere Figuren der Göttin Isis hockend, mittig medizinische und chirurgische Instrumente der damaligen Zeit, darunter Messer, Zangen, Scheren, Arzneimittelbeutel und eine Waage. Der Text rechts davon beschreibt magische Formeln und Rezepte, die im Prozess der Mumifizierung verwendet wurden. Das Ärzterelief ist Teil einer Opferszene des Kaisers Trajan vor Haroeris.

    Die umliegenden Anlagen

    Innerhalb der Umfassungsmauer aus Ziegeln liegen zahlreiche kleinere Bauten. Eine kleine Kapelle aus rotem Sandstein ließ Kaiser Domitian der Göttin Hathor an der südlichen Ziegelmauer errichten. Das Bauwerk wurde nie fertig gestellt und dient heutzutage als Ausstellungsort von Krokodilmumien, die in der Umgebung entdeckt wurden. Südwestlich der Hathorkapelle stehen, in die Ziegelmauer integriert, die Überreste eines monumentalen Torbaus von Ptolemaios XIII. Eine kleine Kapelle für Sobek steht an der östlichen Mauer, der Kultbau wurde unter Kaiser Caracalla erbaut. Westlich davon gibt es zwei Brunnen, die untereinander verbunden waren und ein kleines Wasserbecken speisten, in dem eventuell einst junge, heilige Krokodile gehalten wurden. Vor dem einstigen Pylon des Tempels liegt das Nilometer. Dieser heute nur noch schlecht erhaltene, gemauerte runde Brunnenschacht wies Stufen auf, die in die Tiefe führten, wo der Nilstand an einer Skala abgelesen werden konnte, auf Basis dieser Daten wurde zum Beispiel die jährliche Steuerabgabe der Landwirte errechnet. Derartige Anlagen gab es an vielen Orten Ägyptens. Heute befindet sich ein kleines Krokodilmuseum auf dem Tempelgelände, das interessante Details zum Umgang der alten Ägypter mit diesen Tieren zeigt, über Furcht und Jagd bis hin zu Kult und Mumifizierung.

    Das Mammisi

    Westlich vor dem Tempel, wie üblich rechtwinklig zur Achse desselben erbaut, stehen die Überreste des Mammisi. Diese Gebäude, auch Geburtshäuser genannt, dienten dem Kult göttlicher Kinder, deren Geburt, Aufwachsen und Krönung im Bildprogramm dargestellt wurde. Typischerweise beinhalten sie folgende architektonische Elemente: Umfassungsmauer, offener Hof, Vorhalle, Sanktuar. Das Mammisi von Kom Ombo ist infolge einer Nilflut heute stark zerstört. Die noch aufrecht stehenden Elemente sind mit zahlreichen Reliefs geschmückt. Eines davon stellt Ptolemaios VIII. in einem Boot stehend dar, der das Ritual des „Papyrusraschelns“ durchführt, dieses war Teil der Vogeljagd und diente dazu, Wassergeflügel aufzuscheuchen. Neben dem Pharao sind die Gottheiten Heka und Amun-Re dargestellt, leider wurden sämtliche Körper nachträglich ausgemeißelt.

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