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Die Kleinstadt Esna, etwa 55km von Luxor auf der westlichen Nilseite gelegen, trug in altägyptischer Zeit den Namen Iunit oder Ta-senet. Esna gehörte zu den bedeutendsten Städten Oberägyptens und lag an einer wichtigen Karawanenstraße nach Nubien. Der modere Name leitet sich vom koptischen Sne ab. In griechisch-römischer Zeit wurde Esna Latopolis genannt, angelehnt an den dort verehrten Nilbarsch (gr. latos), der mit der Göttin Neith assoziiert wurde. Im Wüstenbezirk westlich der Stadt finden sich bis heute zahlreiche Bestattungen dieser Fische, die mumifiziert und in Leinen gewickelt wurden. Der antike Haupttempel der Stadt liegt heute mitten im Stadtzentrum, neun Meter unter dem modernen Straßenniveau. Erhalten ist lediglich die Vorhalle aus ptolemäisch-römischer Zeit. Diese ist jedoch in einem sehr guten Zustand und mit Ausmaßen von 37m Breite und 15m Höhe imposant, so dass der Tempel von Esna ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen darstellt.
Hauptgottheit des Tempels von Esna war der widderköpfige Schöpfergott Chnum, zusammen mit ihm wurden seine Frau, die kriegerische Löwengöttin Menhit und ihr gemeinsamer Sohn Heka-pa-chered als Triade verehrt. Weitere in der Tempeldekoration häufig auftauchende Gottheiten sind die Schöpfergöttin Neith sowie die Stadtgöttin Esnas Nebtu. Der Name des Tempels lautete: „Hut-Chenmu“, also Haus des Chnum.
Die heute noch vorhandene Säulenhalle aus ptolemäisch-römischer Zeit markiert die letzte Bauphase des Tempels. Die Kultstätte an sich ist sicherlich weit älter, einige Steinblöcke eines Vorgängerbaus aus der 18. Dynastie haben sich als älteste Hinweise auf einen Kultbau erhalten. Der Tempel war ehemals über eine Prozessionsstraße mit einer Kaianlage am Nil verbunden, diese ist heute noch teilweise erhalten und trägt die Kartuschen des römischen Kaisers Marc Aurel. Der ptolemäische Haupttempel wurde vermutlich beginnend 181 v.Chr. auf den Überresten des thutmosidischen Vorgängers errichtet. Er bestand ehemals aus einer Vorhalle mit sechs Säulen, daran anschließend zwei Vestibülen und dem Sanktuar. Diese Bauelemente waren von einer Mauer umgeben, die mit den Außenmauern des Tempels einen inneren Tempelumgang formte.
Die Vorhalle aus römischer Zeit wurde als repräsentative Fassade vor den ptolemäischen Hauptbau gesetzt und ist heute der einzig freigelegte Teil des Tempels, da dessen hinterer Bereich teils verloren ist, teils meterhoch unter der modernen Bebauung liegt. Die heute noch zu bestaunende Halle ist unter den römischen Kaisern, mutmaßlich beginnend mit Claudius (41-54 n.Chr.), so errichtet worden, dass sie exakt in der Tempelachse des ptolemäischen Haupttempels liegt. Durch den zentralen Mittelgang gelangte man demnach ehemals in die dahinter liegende zweite Vorhalle, zwei (heute vermauerte) Türen an den äußeren Enden der Rückwand der Vorhalle führten in den Tempelumgang. Die rückwärtige Wand der heute noch stehenden Säulenhalle stammt zum Großteil noch vom älteren Gebäudeteil aus ptolemäischer Zeit bzw. war dessen Fassade, an die die römische Hypostylhalle unmittelbar ansetzt und die sie in etwa doppelter Höhe überragt und umgibt. Der letzte nachgewiesene Kaiser in der Tempeldekoration von Esna ist Decius (249-251 n.Chr.). Demnach fällt die Vollendung des Tempels von Esna in dessen Regierungszeit in die Mitte des 3.Jhs.n.Chr.
Der Tempel von Esna wurde im Lauf der Jahrhunderte von der Nilschwemme metertief unter Schlick begraben. Lediglich ein kleiner oberer Teil des Tempels, etwa von der Höhe der Kapitelle an, ragte aus dem Boden. Im Zuge der Feldzüge Napoleons legten französische Soldaten die Vorhalle teilweise frei. Die vollständige Ausgrabung erfolgte 1842 auf Anweisung des Machthabers Mohammed Ali. Wenig später begann unter Auguste Mariette die wissenschaftliche Erforschung des Tempels. Zwischenzeitlich war der Tempel von Einheimischen zur Lagerung von Baumwolle und als Munitionsdepot genutzt worden.
Die Überreste des Tempels von Esna liegen in einer neun Meter tief ausgeschachteten Senke und sind über Stufen erreichbar. Es steht lediglich noch die ptolemäisch-römische Hypostylhalle, deren Aufbau wie folgt ist: Die Ostseite der Halle bildet die imposante Fassade mit sechs Säulen, es existiert eine kleine Kammer im Inneren der Halle seitlich des Eingangs, das Dach wird von achtzehn inneren Säulen getragen. Sämtliche Innen- und Außenwände, eingeschlossen der Decke und der Säulenschäfte, sind mit Reliefs und Hieroglyphen reich geschmückt.
Die Fassade der Hypostylhalle (die Ostseite) ist mit Maßen von 37m Breite und 15m Höhe eindrucksvoll. Sie wird von sechs Säulen mit vegetabilen Kompositkapitellen, je drei beidseitig des Zugangs untergliedert. Zwischen den Säulen sind halbhohe Mauerschranken errichtet worden. In zwei dieser Mauern sind kleine Durchgänge für Priester eingelassen und eine Säulenschranke weist einen viereckigen Durchbruch späterer Zeit auf. Den Hauptzugang selbst bilden zwei steinerne Torschranken mit durchbrochenem Türsturz. Die Fassade wird umlaufend von einem Rundstab verziert und von einer Hohlkehle nach oben hin abgeschlossen. Obwohl die Dekoration der Fassade mit Reliefs und Texten zu Lebzeiten mehrerer römischer Kaiser von Tiberius bis Domitian (also 14-96 n.Chr.) vorgenommen wurde, bietet sich dem Betrachter heute ein harmonisches Bild. Auffällig ist, dass die römischen Herrscher in allen ihren Darstellungen der Ikonographie der traditionellen Darstellung ägyptischer Pharaonen folgen. Lediglich durch ihre Beischriften sind sie als nicht-ägyptische Fremdherrscher zu identifizieren. In ihrer architektonischen Gestaltung ist die Hypostylhalle klar an die Tempel von Edfu und Dendera angelehnt.
Auf der Hohlkehle prangt mittig die geflügelte Sonnenscheibe, beidseitig eingerahmt von den Kartuschen der Kaiser Claudius und Vespasian. Auf dem Architrav darunter befindet sich die zweireihige Weihinschrift des Tempels derselben Herrscher. Vespasian wird als „Herr von Rom, der Hauptstadt“ tituliert.
Vier der gemauerten Säulenschranken sind mit Reliefs verziert, die in Bildfeldern von links nach rechts (Süd nach Nord) folgende Szenen wiedergeben: Claudius wird von Horus und Thot rituell gereinigt, die Göttin Menhit steht dabei hinter Horus. Rechts davon: Die Göttinnen Nechbet und Buto führen Kaiser Tiberius vor den Tempelgott Chnum und dessen Sohn Heka. Auf der anderen Seite des Zuganges sieht man Kaiser Nero zwischen Month und Heka, die ihn zu Neith führen. Auf der Säulenschranke rechts davon wird dargestellt, wie Harsiese und Thot Nero krönen; Heka und Neith wohnen der Krönung bei. Diese Szene ist von einem nachträglich eingefügten Durchbruch teilweise zerstört worden. Auf den zwei äußersten Schrankenmauern mit den Durchgängen für das Kultpersonal befinden sich statt Bildern Hieroglyphentexte.
Die Schmalseiten an Nord- und Südende der Fassade sind auf ganzer Höhe (ausschließlich des Architravs) in vier übereinander angeordneten Registern mit Reliefs geschmückt. Die Südseite zeigt, von oben nach unten, Herrscher Claudius mit ägyptischen Gottheiten. Zuoberst Claudius bei der rituellen Reinigung des Tempels, darunter den Kaiser vor Chnum und Nebtu opfernd, gefolgt von der Herrschaftsverleihung an Claudius durch Chnum und Heka. Den unteren Abschluss bildet eine Szene, die den Kaiser beim Auszug aus dem Königspalast zeigt. Die Dekoration der nördlichen Schmalwand zeigt im obersten Bildfeld Kaiser Vespasian, der den Tempel an die Göttinnen Isis und Neith überreicht; darunter ist Domitian beim Opfer vor Sachmet und Harpokrates zu sehen. Es folgt eine Darstellung desselben Herrschers zwischen den Gottheiten Sobek und Nebtu an die sich, in Wiederholung der Südwand, eine Szene des Palastauszugs des Kaisers anschließt.
Die sechs Säulen der Tempelfassade sind unter der Regierung Domitians (81-96 n.Chr.) mit Texten versehen worden, auch die Kartusche des Kaisers findet sich darauf. Die Texte sind teils Hymnen für Chnum und Neith. Darüber hinaus nennen sie Domitian als Erbauer des Tempels (tatsächlich gehen nur Teile der Dekoration auf ihn zurück) und beschreiben die Grundsteinlegung des Gebäudes. Die Hieroglyphen zweier Säulenschäfte stellen eine Fortschreibung der Texte im inneren der Halle, also auf der Rückseite derselben Säulen, dar. Die Inschrift der ganz linken, südlichsten Säule vergleicht die Säulen des Tempels mit ihren Pflanzenkapitellen mit einem Papyrusdickicht, durch das der Schöpfergott Chnum spazieren könne.
Sowohl die Nord- als auch die Südwand, also die seitlichen Wände der Tempelhalle, sind in vier horizontale Register mit je fünf Szenen untergliedert. Zumeist werden rituelle Handlungen, ausgeführt durch den Herrscher (besonders häufig durch die Kaiser der severischen Dynastie) vor oder im Beisein der Götter, dargestellt. Die bekannteste Szene zeigt Kaiser Commodus ausschreitend mit der Krone Unterägyptens, der mit den Göttern Chnum und Haroeris ein Netz, voll mit Vögeln und Fischen, zieht. Die Szene wird am linken Bildrand von Thot verfolgt. Beischriften erläutern, dass keine reale Jagd dargestellt ist, sondern der symbolische Sieg über die Feinde Ägyptens festgehalten werden sollte. Ein Abbildung des vierten Registers der Südwand zeigt Kaiser Septimius Severus mit seine Frau Julia Domna und den Söhnen Caracalla und Geta vor der Göttertriade von Esna, Chnum, Nebtu und Heka. Chnum reicht dem Kaiser die Symbole für lange Herrschaft und Leben. Neben den Hauptgottheiten Esnas treten die folgenden Göttinnen und Götter auf: Hathor, Isis, Anuket, Re-Harachte, Horus, Amun-Ra, Mut, Haroeris, Seschat, Thot, Min, Satis, Shu, Tefnut.
Die innere Ostwand des Tempels ist die Rückseite der Tempelfassade mit ihren sechs Säulen und Mauerschranken. An den Pfeilern ganz außen sind Tempeltexte und kultische Feste eingeschrieben. Direkt links neben dem Haupteingang befindet sich eine kleine, an die Schranke angesetzte Kapelle, die eventuell als Magazin genutzt wurde oder als Umkleide für die Priester. Der mittlere Teil der inneren Westwand war ehemals die Fassade des ptolemäischen Haupttempels, an den nach etwa zweihundert Jahren die römische Hypostylhalle angefügt wurde. Dementsprechend unterscheidet sich der Stil der Reliefs an diesem Wandabschnitt von den übrigen des Innenraums. Dargestellt sind die Herrscher Ptolemaios V.-VII., teils in Begleitung ihrer Frauen, vor den Göttern. Über dem Mittelportal aus ptolemäischer Zeit ist aus der Zeit Trajans ein großformatiges Motiv erhalten, das den Hauptgott des Tempels Chnum in der Sonnenscheibe zeigt, er wird beidseitig von Figuren umrahmt, die ihn anbeten. Über dieser Szene befindet sich eine geflügelte Sonnenscheibe.
An den inneren Seitenwänden sind mehrfach Spuren der „damnatio memoriae“, der Auslöschung des Andenkens an einen Herrscher, feststellbar. Dieses Schicksal widerfuhr (im für den Innenbereich des Esna-Tempels relevanten Zeitraum) den Caesaren Commodus, Geta, Severus Alexander, Philippus Arabs und Decius. Anders als in Rom, wo sämtliche Bildnisse, Münzen und Darstellungen der Kaiser zerstört wurden, ging man im weit vom Machtzentrum entfernten Esna weniger gründlich vor. Die Abbildungen von Commodus und Decius blieben unangetastet. Anders war der Umgang mit den Darstellungen und Kartuschen von Geta, Severus Alexander und Philippus Arabs, deren Namen getilgt oder mit denen nachfolgender Herrscher überschrieben wurden. Teils wurde die komplette Gestalt ausgemeißelt.
Die Decke des Tempels wird beidseitig des Mittelgangs von je neun 11m hohen Rundsäulen von mehr als 5m Umfang gestützt, zuzüglich der sechs Säulen der Fassade handelt es sich um eine Gesamtzahl von 24 Säulen. Alle tragen pflanzliche Kapitelle unterschiedlicher Typen mit Elementen von Palme, Lotus und Papyrus. Der größte Teil der Säulenschäfte ist mit vertikalen Hieroglyphenreihen beschriftet, darüber und darunter befinden sich teils umlaufende Bildfelder. Die Texte auf den Säulen beschreiben unter anderem den heiligen Kalender mit den alljährlichen Hauptfesten des Tempels von Esna zu Ehren von Chnum und Neith. Darüber hinaus wurden Schöpfungsmythen und Hymnen verewigt. Die Dekoration der Säulen ist zu großen Teilen noch in einem sehr guten Erhaltungszustand, selbst Farbreste haben an einigen Stellen die Jahrhunderte überstanden.
Die Decke der Hypostylhalle zeigt im Mittelgang zweireihig Geier mit ausgebreiteten Schwingen, seitlich eingefasst von Hieroglyphenbändern. Die Bildfelder beidseitig des Mittelgangs enthalten astronomische Szenen, so etwa die Tag- und Nachtfahrt der Sonne, die Mondphasen oder die sogenannten Dekansterne. Auch die Tierkreiszeichen sind abgebildet, dabei können noch heute bekannte Sternzeichen wie Skorpion, Widder oder Waage mit bloßem Auge ausgemacht werden.
Die Außenwand der Westseite des Chnumtempels ist der älteste erhaltene Bauteil. Es ist noch zu erkennen, wo der ptolemäische Haupttempel an die römische Vorhalle anschloss. Auch Überreste von Treppenstufen, die auf das Tempeldach führten, haben sich im oberen Teil der Westwand erhalten. Der mittlere Bereich der Wand ist leicht nach innen eingerückt. Zentral befindet sich ein Tor, das ehemals in den Haupttempel und sein Sanktuar führte. Die beiden äußeren, seitlichen Zugänge ermöglichten den Zugang zum Tempelumgang. Diese kleinen Durchgänge sind allseitig mit Reliefs umgeben, welche die Caesaren Marc Aurel und Commodus abbilden.
Die Seitenwände der Hypostylhalle des Chnumtempels von Esna sind wie die Fassade allseitig mit einem dekorativen Rundstab eingefasst und werden nach oben hin von einer Hohlkehle abgeschlossen, die Kartuschen römischer Kaiser aufweist. Darunter ist auf ganzer Breite ein Horusfries, gefolgt von einer Inschriftenzeile eingemeißelt. Zahlreiche Bilder römischer Kaiser mit den Göttern, angeordnet in vier waagerechten Registern, zieren die übrige Wand, wobei je ein großformatiges Motiv herausgehoben ist. Die Hauptszene der Südwand zeigt Domitian, mit Krone und Schurz bekleidet, in Begleitung eines Löwen beim Erschlagen von Feinden. Eine große Anzahl Feinde kniet vor dem Kaiser, die Arme flehend erhoben; der Herrscher hält mit der einen Hand die Feinde am Haarschopf, mit der anderen holt er zum Schlag mit einer Keule aus. Dem Kaiser gegenüber stehen Chnum und Menhit. Chnum reicht dem Kaiser ein Ritualmesser dar, während Menhit ein Anch (das Symbol für Leben) in ihrer Hand hält. Parallel dazu ist auf der äußeren Nordwand spiegelverkehrt Kaiser Trajan in einer identischen Szene dargestellt. Lediglich die thronende Neith wurde hinter Menhit hinzugefügt.