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Der Tempel von Hibis ist ein eindrucksvolles Bauwerk, das dem Gott Amun geweiht war. Mit seinen Hallen und Höfen vermittelt er einen faszinierenden Einblick in die Architektur des alten Ägypten. Die heilige Stätte liegt in der antiken Oasenstadt Kharga. Verborgen in der Wüste gilt der Tempel als einer der besterhaltenen der Spätzeit.
Der Hibis-Tempel befindet sich an der nördlichen Grenze der Kharga-Oase, etwa zwei Kilometer nördlich der Stadt Kharga. Er wurde im Zentrum der alten Stadt Hibis, in Ost-West-Ausrichtung auf einem vulkanischen Ausläufer errichtet. Das Gebäude lag am Westufer eines Sees, der heute verschwunden ist. Von Hibis sind nur wenige Monumente erhalten. Wahrscheinlich war der Standort des heutigen Tempels schon in früheren Zeiten ein heiliger Ort.
Der Hibis-Tempel ist die größte erhaltene Tempelanlage der Kharga-Oase und diente religiösen Zeremonien wie Ritualen und Opfergaben. Der Bau begann in der Spätzeit, vermutlich unter Psammetich II. oder III. (26. Dynastie). Der persische Herrscher Darius I. (521–486 v. Chr.) ließ den Tempel erweitern, Inschriften erneuern und eigene Darstellungen anbringen. Unter Nektanebos I. und II. erhielt der Tempel weitere Ergänzungen, darunter eine große Umfassungsmauer, von der einige Teile noch sichtbar sind. In der ptolemäischen Zeit ließ Ptolemaios II. Philadelphos ein monumentales Eingangstor errichten. Römische Inschriften aus dem Jahr 69 n. Chr. am Tor liefern wertvolle Informationen über Verwaltung, Steuern, Gerichtswesen, Erbrecht und die Rechte von Frauen.
So vereint der Tempel Elemente aus der 26. Dynastie, der persischen Herrschaft sowie der ptolemäischen und römischen Zeit. Der Hibis-Tempel ist ein steinerner Zeuge kultureller Verschmelzung. Er zeigt typische Strukturen ägyptischer Architektur, die später von den Römern ergänzt wurden. Zugleich gilt er als das bedeutendste erhaltene Heiligtum der persischen Herrschaft in Ägypten – doch er war von Anfang an ein ägyptisches Heiligtum für Amun.
Der Hibis-Tempel wurde im 19. Jahrhundert von Archäologen wiederentdeckt und ausgegraben. Der Zustand des Bauwerks war über Jahrtausende sehr schlecht geworden. Daher erwog die ägyptische Altertumsbehörde, ihn abzureißen und an anderer Stelle neu zu errichten. Aus finanziellen Gründen entschied man sich jedoch für eine umfassende Rekonstruktion. Der Tempel wurde zum Touristenmagnet und stellt bis heute eine bedeutende Informationsquelle für Historiker und Ägyptologen dar.
Der Tempel – aus lokalem Kalkstein erbaut – folgt dem traditionellen Plan ägyptischer Heiligtümer. Er beginnt im Osten mit dem heiligen See und führt weiter zum ptolemäischen Tor, das unter Kaiser Galba (69 n. Chr.) mit Inschriften versehen wurde. Über den Widderweg gelangt man zum mit Darstellungen geschmückten Haupttor, dem Pylon. Seine Reliefs zeigen die Pharaonen, wie sie den Göttern Opfer darbringen. Es folgt eine kleine Säulenvorhalle und die Hypostylhalle, gesäumt von Reihen massiver Säulen, die von oben bis unten mit kunstvollen Darstellungen von Göttern und Pharaonen verziert sind. Schließlich erreicht der Besucher den hinteren Teil des Tempels – den heiligsten Bereich, der die Statue des Gottes Amun beherbergte.
Die Hypostylhalle wurde während der 30. Dynastie errichtet und ist ungewöhnlich dekoriert: Nicht nur die Säulen, auch die Wände sind wie ein riesiges Papyrus gestaltet. Sie enthalten Hymnen an Amun, teilweise übernommen aus älteren Texten wie dem magischen Papyrus Harris oder den Hymnen aus Karnak.
Das Portikusgebäude – eine kleine Säulenvorhalle – wurde von den letzten Pharaonen, Nektanebos I. oder Nektanebos II., hinzugefügt.
Zur Zeit des römischen Kaisers Galba wurde der Hibis-Tempel der Verehrung der Thebanischen Triade geweiht. Die Thebanische Triade waren die drei zentralen Götter von Theben, einem der religiösen Zentren Ägyptens: der Gott Amun, seine Frau, die Göttin Mut, und ihr Sohn, der Gott Khonsu. Die Widderstraße und das Menissi-Gebäude – ein Nebengebäude – entstanden ebenfalls in der römischen Epoche, im Jahr 69 n. Chr.
Ganz außergewöhnlich ist, dass der Besucher über eine Treppe auf das Dach gelangt. Die Darstellung der Götter auf dem Dach ist fast einzigartig. Vom Dach aus hat man einen wunderschönen Überblick über den nördlichen Teil der Oase.
Im Hauptsaal fanden Wissenschaftler eine Liste von mehr als 700 Göttern – vielleicht wollte man alle ägyptischen Götter im Hibis-Tempel verehren.
Auch auf dem Dach finden sich Götterdarstellungen, etwa Nephthys, Isis, Osiris und viele andere mehr. In der Hypostylhalle findet sich unter den Darstellungen auch der falkenköpfige Gott Horus. Die thebanische Triade Amun, Mut und Khonsu werden in vielfältiger Form dargestellt und gepriesen.
Diese Reliefs sind außergewöhnlich spannend, denn sie spiegeln viele religiöse Vorstellungen der damaligen Zeit wider. Horus etwa reitet einen Löwen, kämpft gegen das Chaos und verkörpert Mut, Ethik und den Sieg über das Böse. Aber auch kosmische Reliefs und göttliche Geheimnisse zeigen, wie die Ägypter ihre Götter und die Schöpfung verstanden.