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  • Ancient Hieroglyphs

    Der kleine Tempel Nefetaris in Abu Simbel

    Zwischen dem ersten und zweiten Katarakt ließ Ramses II. (Regierungszeit 1279-1213 v.Chr.), der den Beinnamen „der Große“ trägt, zwei einzigartige Felsentempel mit weithin sichtbaren, imposanten Fassaden errichten. Der größere Tempel, über 60m tief in den Felsen geschlagen und mit einer Fassade von 33m Höhe, war Re-Harachte, Amun-Re und dem vergöttlichten Ramses geweiht. Weniger als 200 Meter davon entfernt entstand zeitgleich (die Arbeiten an den Tempeln waren zum 30. Regierungsjubiläum des Herrschers abgeschlossen) ein zweiter Tempel, welcher der Göttin Hathor und der vergöttlichten Nefertari, Gemahlin Ramses II., gewidmet war. Das Bauwerk besticht durch seine eindrucksvolle Fassade mit den sechs meterhohen Standbildern, die kunstvoll ausgeführten Hathorpfeiler sowie die handwerklich feinen Wandbilder im Inneren. Dabei ist die Geschichte des Tempels bewegt: Nachdem er Jahrhunderte von Sandmassen verschüttet gewesen war und erst ab 1817 wieder freigelegt wurde, zog der Tempel, gemeinsam mit seinem großen Pendant, wahre Besucherströme aus aller Welt an. Durch den Bau des Assuan-Staudamms bedroht, wurde der Tempel dann in den Jahren von 1964-1968 in einer aufwändigen Rettungsaktion versetzt und vor dem Versinken gerettet. Somit bleibt der Tempel Nefertaris auch für diese und künftige Generationen als steingewordenes Denkmal einer großen Liebe erhalten.

    Nefertari

    Nefertari Meritenmut („Die Schönste von allen, geliebt von Mut“), die große königliche Gemahlin Ramses II. gehört zu den bekanntesten Frauengestalten des alten Ägypten. Zu ihrem Nachruhm trägt sicherlich ihre einzigartige, wunderschön ausgeführte Grabanlage bei (QV66), die 1904 im Tal der Königinnen entdeckt wurde. Zudem gehören die Felsentempel von Abu Simbel, die neben verschiedenen Gottheiten auch Ramses II. und ihr geweiht waren, zu den bekanntesten Bauwerken des antiken Ägypten. Obwohl Nefertari lediglich, wie damals üblich, eine von mehreren Ehefrauen des Pharao war, räumte Ramses II. ihr einen besonderen Stellenwert ein. Über die Herkunft Nefertaris ist wenig bekannt, eventuell könnte eine Verwandtschaft zu Pharao Eje bestehen. Fest steht, dass Nefertari bereits vor dessen Thronbesteigung mit Ramses verheiratet war, neun Kinder des Paares (fünf Prinzen und vier Prinzessinnen) sind namentlich bekannt. Nefertari wird bis zur Einweihung der Tempel von Abu Simbel, bei der sie und ihr Gemahl persönlich anwesend waren, in zeitgenössischen Quellen erwähnt. Vermutlich verstirbt sie kurz danach, also um 1255 v.Chr., da sie von da an in historischen Dokumenten nicht mehr vorkommt.

    Die Göttin Hathor

    Die im kleinen Tempel von Abu Simbel verehrte Göttin Hathor ist eine der ältesten bekannten Gottheiten des altägyptischen Pantheons, sie galt als Schutzgöttin der Frauen und Verstorbenen, Göttin der Liebe und Schönheit, des Friedens, des Tanzes und der Musik. Ihr Attribut ist das Sistrum, eine Art liturgische Rassel mit Griff, der das Antlitz Hathors in Form einer Frau mit Kuhohren darstellt. Hathor wurde meist als Frau mit Kuhkopf, menschengestaltige Göttin mit Kuhohren oder/und Kuhgehörn, das eine Sonnenscheibe einrahmt, sowie als gefleckte Kuh dargestellt. Sie galt als Gemahlin des Re und Mutter des Horus, wobei sich dies je nach Region und Mythos unterscheiden konnte, teils wurde Hathor daher auch als Gemahlin des Horus oder Sobek angesehen. In Ägypten existierten (und existieren teils bis heute) zahlreiche Hathortempel, wobei Dendera als Hauptkultort gilt. Als architektonisches Element wurde das Haupt der Hathor in Form von Säulen oder Pfeilern mit Hathorkapitellen in Tempeln oder Mammisis verwendet, ähnlich präsent in der Architektur altägyptischer Tempel ist lediglich der Gott Osiris in Form der nach ihm benannten Pfeiler. Die Griechen und Römer setzen Hathor mit Aphrodite, beziehungsweise Venus gleich.

    Die Architektur des Tempels

    Der Tempel der Nefertari verfügt über eine eindrucksvolle Fassade, dahinter, im Fels verborgen, liegt das Tempelinnere, bestehend aus einer Pfeilerhalle, einem Quersaal mit Annexen und dem Sanktuar. Die Ausmaße dieses Tempels sind weitaus bescheidener, als die des benachbarten, großen Tempels von Abu Simbel, auch die verehrten Gottheiten und das Bildprogramm unterscheiden sich voneinander.

    Die Fassade

    Nördlich des großen Tempels von Abu Simbel, wie dieser am Ufer des Nassersees gelegen, steht der Tempel der Hathor und der vergöttlichten Nefertari heute, 64m höher und 180m weiter im Landesinneren als ursprünglich. Das Bauwerk ist nach Südosten ausgerichtet. Die Fassade ist 28m breit und 12m hoch, wie der gesamte Tempel ist sie aus dem anstehenden Fels herausgearbeitet worden. In Ihrer trapezförmigen, leicht geneigten, Form soll die Tempelfassade an einen Pylon erinnern. Sechs etwa 10m hohe Abbilder Ramses II. und Nefertaris dominieren die Tempelfront. Zwischen den Standbildern gliedern breite, mit Hieroglyphen versehene, Stege die Fassade, wobei in den mittleren, breitesten Steg das Eingangstor integriert ist. Über Letzterem ist ein dekorativer Uräusfries aus dem Stein gearbeitet worden. Anders als beim großen Tempel wird die verehrte Gottheit selbst, in diesem Fall Hathor, nicht dargestellt. Eventuell sollte das Antlitz der Göttin aus einem Felsblock, der sich mittig über dem Zugang befindet, herausgearbeitet werden, das brüchige Gestein der Fassade könnte dieses Vorhaben jedoch verhindert haben.

    Die Standbilder von Ramses II. und Nefertari

    Auf jeder Seite des Eingangs rahmen je zwei Abbilder Ramses eines von Nefertari ein. Das Königspaar wird stehend, mit leicht vorgesetztem linken Fuß dargestellt. Ramses II. trägt (von links nach rechts) die Krone von Oberägypten (dies ist bei zwei Statuen der Fall), die Doppelkrone der beiden Länder sowie die prunkvolle Straußenfederkrone (Henu-Krone). Die beiden Darstellungen Nefertaris stellen diese identisch dar: Die Königsgemahlin trägt einen hohe Krone, bestehend aus Kuhgehörn mit Sonnenscheibe und hohen Federn. Nefertari trägt ein eng anliegendes langes Kleid. Der linke Arm liegt quer über ihrem Oberkörper, sie hält ein Sistrum, das kultische Musikinstrument Hathors, in der linken Hand. Bemerkenswert an der Tempelfassade ist, dass die Abbilder Nefertaris die gleiche Höhe aufweisen wie die ihres Gatten. Normalerweise galt die Norm, dass Darstellungen von Königinnen kleiner ausgeführt wurden als die des Herrschers. Dass Ramses II. dies bei dem kleinen Tempel von Abu Simbel anders ausführen ließ, könnte von seiner besonderen Wertschätzung für seine Frau Nefertari zeugen. Seitlich der großen Standbilder stehen in verkleinertem Maßstab die Kinder des königlichen Paares, Prinzen und Prinzessinnen.

    Die Pfeilerhalle

    Die innere Struktur des Tempels gleicht der des Großen, lediglich der große Pfeilerraum mit Magazinräumen ist hier nicht vorhanden. Auch die Ausmaße sind um einiges geringer. Der Tempel Hathors/Nefertaris ist etwa 21m tief in den Fels geschlagen und damit nur ein Drittel so tief wie der Tempel Ramses II. Durch das rechteckige Eingangsportal betritt man das Tempelinnere, die Seiten des Portals sind mit Szenen dekoriert, die Ramses II. vor Hathor und Nefertari vor Isis zeigen. Der erste Raum des Tempels ist eine annähernd rechteckige Pfeilerhalle von etwa 12m Seitenlänge. Sechs vierkantige Pfeiler teilen die Halle in drei Schiffe. Die dem Mittelgang zugewandte Seite aller Pfeiler ist auf ganzer Höhe mit einem Sistrum, das plastisch aus dem Pfeiler heraustritt, verziert. Die übrigen Seiten der Pfeiler zeigen großformatig je eine Gottheit, bzw. Nefertari oder Ramses II.

    Das Bildprogramm der Wände

    Die Darstellungen an den Wänden der Pfeilerhalle sind überwiegend religiöser Natur. Lediglich auf den Schmalseiten des Eingangsbereichs wird Ramses II. dabei dargestellt, wie er einen Feind im Angesicht von Re-Harachte, bzw. Amun-Re erschlägt; Nefertari wohnt dieser Szene, hinter ihrem Gatten stehend, bei. Die Szenen der linken, südwestlichen Längswand bilden Folgendes ab (vom Eingang zum Inneren hin): Ramses vor Hathor, Horus und Seth krönen Ramses, Nefertari vor Anuket (der Göttin der fruchtbaren Nilschwemme), Ramses opfert vor Amun. Auf der gegenüberliegenden Wand sind (von links nach rechts)diese Szenen dargestellt: Ramses opfert Ptah, Ramses vor Herischef (einem widderköpfigem Fruchtbarkeitsgott), Nefertari vor Hathor, Ramses vor Re-Harachte.

    Der Quersaal und das Sanktuar

    Durch drei Durchgänge gelangt man vom Pfeilersaal in den schmalen Quersaal, beidseitig an diesen sind kleine, undekorierte Kammern angeschlossen. Die Darstellungen im Quersaal sind wiederum religiöser Natur. An den Schmalseiten wird Hathor als Kuh, auf einem Boot stehend in einem Papyrussumpf, dargestellt. Vor ihr steht auf der einen Schmalseite Ramses II., auf der anderen Seite Nefertari, das Königspaar hält Blumen als Opfergabe bereit. Das Sanktuar, ein rechteckiger Raum in der Mitte der Tempelachse, beinhaltete das heute leider zerstörte Abbild Hathors. Die Göttin trat in Gestalt einer Kuh, flankiert von Sistren, aus der Rückwand des Allerheiligsten hervor. Unter ihrem Haupt (und damit sinnbildlich unter ihrem Schutz) stand eine Figur Ramses II. Die seitlichen Wände stellen einerseits Ramses II. vor den vergöttlichten Gestalten seiner selbst und Nefertari dar, sowie andererseits Nefertari opfernd vor Mut und Hathor.

    Die Bedeutung Nefertaris

    Die ungewöhnlich hohe Bedeutung Nefertaris zeigt sich im kleinen Tempel von Abu Simbel, der ihr und Hathor geweiht war, immer wieder in unterschiedlichen Ausformungen: Die Abbilder Ramses II. und seiner Gemahlin in der Fassade des Tempels haben dieselbe Höhe, Nefertari wird in kultischen Aspekten ihrem Mann gleichgestellt, sie vollzieht dieselben Opfer und wird wie dieser selbst vergöttlicht, Nefertari wohnt dem Erschlagen der Feinde bei, eine untypische Erweiterung der kanonischen Szenerie, die sonst nur den Pharao darstellt. Selbst im Sanktuar erscheint Nefertari an der einen Seitenwand, Ramses II. an der anderen. Die aufgeführten Fakten legen den Schluss nahe, dass Ramses II. Nefertari all seinen anderen Ehefrauen vorzog und ihr ungewöhnliche Ehren zuteilwerden ließ, wie sie zuvor nur in sehr seltenen Fällen, wie etwa für Hatschepsut (die jedoch selbst Regentin war) bezeugt waren. Mit ihrer außergewöhnlich großen und überreich dekorierten Grabanlage (QV 66) setzte Ramses seiner geliebten Nefertari ein letztes, bis heute faszinierendes, Denkmal.

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